Freiheitsplatz frei von Grünflächen

Landschaftsgärtner verlangen Debatte zur Einrichtung des Platzes

Samstag, 15. November 2014

Der „rote“ Freiheitsplatz
Foto: die Verfasserin

Auf dem alten Paradeplatz von Temeswar/Timişoara kreisen rote Ringe um die Pest-Säule mit der Nepomukgeschichte auf dem Sockel. Die Säule ist auch das Einzige, was noch an den alten Platz erinnert, denn schon seit Monaten wird hier an der Neueinrichtung des Platzes gearbeitet. Alles wurde hier ab- und aufgerissen, dabei auch alte Bäume und Büsche entfernt, um Platz für das neue Sanierungsprojekt zu machen. In der Zwischenzeit wurden Rohre verlegt, Kabel in die Erde verbannt und an der Infrastruktur gebaut. Auch archäologische Funde sind ans Tageslicht gekommen. Ruinen alter türkischer Bäder sollen nun auch Teil der Neugestaltung des Platzes werden. Ganze Grünflächen sind jedoch verschwunden – an deren Stelle aber große, rote und graue Ringe aus Pflastersteinen aufgetaucht. Der Platz steht sogar vor der umgangssprachlichen Umbenennung, denn viele Temeswarer nennen den Platz wegen der Farbe seiner neuen Bepflasterung bereits „Roter Platz“. Wie eine Zielscheibe fürs Bogenschießen aus dem Himmel schaut nun der ehemalige Paradeplatz für die Temeswarer aus. Doch egal welche Farbe oder welche Form den Platz prägt, viele Temeswarer protestieren laut wegen des Mangels einer bestimmten Farbe: Grün.

Allein sechs Bäume haben es geschafft, noch am ehemaligen Paradeplatz zu überleben. Das Umgestaltungsprojekt sieht auch gar keine Grünflächen vor, sagte vor Kurzem der Temeswarer Bürgermeister Nicolae Robu. „Der Platz wird nach einem klassischen Konzept eingerichtet, genauso wie berühmte Plätze in Rom, Wien, Barcelona oder London“, sagt der Temeswarer Bürgermeister. Jedoch würde er die Anpflanzung von 30 bis zu 40 Bäumen zulassen, fügte Robu hinzu. Das sorgte für Unruhe unter zahlreichen Temeswarern, die nun gegen die neue Einrichtung des Platzes protestieren. Auch der Temeswarer Verein der Landschaftsgärtner reagierte auf diese Äußerung und ist der Meinung, dass das ursprüngliche Projekt nicht eingehalten wurde. Dabei verlangt der Verein vom Temeswarer Stadtrat, demnächst eine öffentliche Debatte zu diesem Thema zu veranstalten. Die Einrichtung soll letztendlich infolge eines Rundtischgesprächs mit Fachleuten umgesetzt und nicht einfach von unerfahrenen und stadtgestalterisch unbedarften Politikern entschieden werden.

Der Bürgermeister von Temeswar hat auf diese Aufforderung noch nicht reagiert. Der Temeswarer Paradeplatz sollte bereits Ende Oktober fertig saniert sein. Die Einrichtung des Platzes ist jedoch noch nicht vollendet. Der Platz soll demnächst auf Wunsch des Temeswarer Bürgermeisters von jungen Leuten belebt werden. Die West-Uni soll das Gebäude des ehemaligen deutschen Rathauses in ein Universitätszentrum umwandeln und sich um Veranstaltungen von Studenten auf dem Platz kümmern. Das Gebäude der Garnison Temeswar, das nun vom Temescher Kreisrat verwaltet wird, soll die Kreisbibliothek beherbergen. „Der Freiheits-/Paradeplatz soll also mehr als nur ein Transitort für Passanten sein – der Platz soll eine ganz andere kulturelle Bedeutung bekommen“, sagt Nicolae Robu. Der Bürgermeister unterstrich auf der jüngsten Kommunalratssitzung auch, dass die Stadt EU-Gelder beantragen wird, um die Fußgängerzone in der Temeswarer Innenstadt mit neuen Straßen zu erweitern. Was die Pflanzung von Bäumen auf dem Paradeplatz angeht, steht noch nicht fest, wo diese, wenn überhaupt, gepflanzt werden sollen, weil der größte Teil an Pflastersteinen auf dem Freiheitsplatz schon verlegt wurde. Eines konnte jedoch Bürgermeister Robu sagen: Es handele sich dabei nicht um Bäume oder Palmen in Blumentöpfen...

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