Früher hinter Glas versteckt, heute restauriert á la roumaine

Prinz Eugens traurige Erben schlagen in Temeswar wieder zu

Donnerstag, 17. August 2017

Die Restaurierung des alten Bildes und der dazugehörenden Inschrift, die an den Einzug Prinz Eugens in Temeswar erinnern, ist ein Fiasko. Die Arbeit kostete den Steuerzahler 11.062 Lei.
Foto: der Verfasser

Der Autor dieser Zeilen erlaubt sich eine Bitte an die werte Leserschaft zu richten: Vor der Lektüre des folgenden Textes, möge Sie sich das Foto anschauen. Es zeigt die vor Kurzem restaurierte Inschrift über dem Eingangstor zum Hause Prinz-Eugen-Gasse Nr. 24 in der Temeswarer Innenstadt. Es gibt viel zu bewundern an diesem Foto, dem Autor gefällt insbesondere die moderne Gasleitung. Auch dieses weiße Etwas, zweifelsohne das Resultat schlampiger Arbeit, rings um die Inschrift, hat eindeutig seinen Reiz. So wird in Temeswar mit Denkmälern umgegangen, die hervorragende Qualität der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten sucht ihresgleichen. Eigentlich, und das muss unterstrichen werden, bedarf das Foto keiner zusätzlichen Kommentare, es spricht Bände. Aber zum Metier des Journalisten zählt nun einmal auch das Nachhacken. Das Nachfragen. Und das heißt natürlich, dass die werte Leserschaft mit dem Bild dieser wundervollen Sanierung eines Stücks der Temeswarer Stadtgeschichte nicht allein gelassen werden soll.

Jahrzehnte lang konnten die Bürger nicht mehr sehen, was sich hinter einer verrosteten Metall- und Glasscheibe befand, noch lange vor 1989 hatten die damaligen Behörden entschieden, dass die wertvolle Inschrift und die Zeichnung geschützt und erhalten werden müssen. Dass vor 1989 ein Denkmal saniert werden sollte, das an den Einmarsch des österreichischen Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen in die seit Menschengedenken rumänische Stadt Timişoara erinnert, wie es das gängige Geschichtsbild darstellte, das ist natürlich nur schwer vorstellbar. Auch wenn es sich nur um eine kleine Wandmalerei und eine Inschrift handelte. Also wanderten beide hinter eine Glasscheibe, eine kleine Infotafel mit weißen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund wurde an der linken Seite des Haustores angebracht und das war´s. Viele Menschen glaubten, in dem schlichten Eckhaus habe Prinz Eugen höchstpersönlich nach der Befreiung der Stadt gewohnt. Nein, dort stand nur das einstige türkische Stadttor, das Forforoser Tor, durch das der habsburgische Feldherr im Oktober 1716, just zu seinem 53. Geburtstag, in die Festung Temeswar einmarschiert ist. Anfang des 19. Jahrhunderts wird dieses Haus gebaut, das heute noch zu sehen ist, und oberhalb des Eingangs wird das Forforoser Tor gemalt.

Einer der besten Monografen des alten Temeswar, der Chefredakteur der „Temesvárer Zeitung“, Armin Barát, schreibt in seiner monografischen Skizze der königlichen Freistadt Temesvár, 1902 erschienen, dazu Folgendes: „Zu den historisch bedeutsamen Stellen gehört der Ort, auf welchem einst das Forforoser Thor gestanden war. Durch dieses Festungsthor hielt der siegreiche Feldherr Prinz Eugen von Savoyen nach Besiegung der Türken am 13. Oktober 1713 im Triumph seinen Einzug. Das Haus Nr. 2 in der innenstädtischen Prinz Eugengasse steht an dem Punkte dieses historisch denkwürdigen ehemaligen Festungsthores, welches zur dankbaren Erinnerung an den Sieg nach dem Prinzen benannt wurde. Als man die Festung neu aufbaute, wurden alle Thore des alten Temesvár abgetragen, dieses eine ließ man aus Pietät unberührt. Das Thor wurde in ein Haus umgewandelt, welches vom Jahre 1739 bis 1760 den Juden als Bethaus diente, bis dieselben ihren Tempel erbauten. Wegen der Baufälligkeit wurde das Haus im Jahre 1817 abgetragen und an dessen Stelle das noch heute bestehende bescheidene einstöckige Haus erbaut, auf dessen Thor man das Bild des einstigen Forforoser, späteren Prinz Eugenthores anbrachte. Das Bild ist die getreue Wiedergabe des Forforoser, später Prinz Eugenthores und gibt immerhin einen Begriff von dem Aussehen der anderen Festungsthore während der Türken-Epoche.“

Sehr schön, möchte man meinen. Und natürlich lobenswert die Initiative, das Bild mitsamt Inschrift zu sanieren, die verdreckte Glasscheibe zu entfernen und ein kleines Stück Alt-Temeswar in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Doch siehe da, an die Verlegung der Gasleitung hat niemand gedacht, sie strahlt im goldgelben Glanz postindustrieller und postmoderner Zeiten. Zugegeben, die Verlegung der Gasleitung kostet ziemlich viel und kann nicht so einfach durchgeführt werden. Aber die Kabel? Hätte man sie nicht wenigstens hier entfernen können, wenn schon deren Verlegung in der Innenstadt, sprich die Befreiung der Innenstadt von dem tausendfüßigen Kabelmonster, der sie besetzt, ein Fiasko sonderglei-chen ist? Und dieses weiße Etwas rings herum? Gips, Mörtel oder was auch immer? Man kann da nur an den armen Prinzen denken: Im Oktober 2016, zur Dreihundertjahrfeier seines Einzugs in Temeswar, ging es um das miserable Deutsch auf der Erinnerungstafel, die die Stadtverwaltung auf demselben Gebäude anbringen ließ. Pietät, so wie sie noch Armin Barát kannte, ist ein Fremdwort. Aber nicht einmal um Pietät müsste es hier gehen, sondern um anständige Arbeit. Auch das anscheinend ein Fremdwort.

Die ADZ fragte natürlich nach. Und bekam eine aufschlussreiche Antwort. Am 13. Juni bzw. am 16. Juni reichte diese Zeitung ihre Fragen zum Thema schriftlich bei der Presseabteilung des Bürgermeisteramtes ein, da bekannterweise die ADZ immer wieder Petitessen aufgreift. Am 10. Juli antwortet die Presseabteilung, sie leitet uns die Antworten der Abteilung für Raumplanung und Stadtentwicklung sowie des Städtischen Kulturhauses weiter, auf vier der insgesamt sechs Fragen hätte die Abteilung „Denkmäler“ antworten sollen, bis heute kam keine zusätzliche Rückmeldung. Ob die Sanierung denkmalgerecht durchgeführt wurde, ob der Auftraggeber zufrieden ist, das erfahren wir nicht. Auch nicht, wer die Arbeiten durchgeführt hat. Aber laut dem Städtischen Kulturhaus kostete das Unterfangen, eine Petitesse natürlich, den Steuerzahler 11.062 Lei, der Auftrag bedurfte keiner öffentlichen Ausschreibung. Für umgerechnet 2425 Euro (bei einem Wechselkurs von 4,56 Lei) sanierte jemand (wer das war, geht aus dem Antwortschreiben der Behörden nicht hervor) das Bild des Forforoser Tors.

Ob es einen Entwurf gab, ob der Auftraggeber dem Ausführer erklärt hat, was und wie er es machen soll, das weiß der Auftraggeber selbst, aber für die breite Öffentlichkeit ist das wohl uninteressant. Denn diesmal geht es nicht um Straßen, Überführungen, Wasser- und Gasleitungen, Schulen und Parks, es geht bloß um ein Bild und eine Inschrift, beide wohl 200 Jahre alt, auf einem Gebäude in der Innenstadt. Nichts Umwerfendes, versteht sich. Nichts Welterschütterndes. Aber im Grunde dreht sich wieder einmal alles um die fehlende Ernsthaftigkeit, um die Schlampigkeit, um die Gleichgültigkeit einer Verwaltung, die den Geist dieser Stadt bei jedweder Gelegenheit beschwört, sich aber tagtäglich im Gegensatz zu diesem Geiste aufführt. Und es geht, wie so oft, um dieses nie endende Gefühl des Fremdschämens, das einen jedes Mal beschleicht, wenn er an der Stelle „des einstigen Forforoser, späteren Prinz Eugenthores“ vorbeigeht.

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