Fünf Hochschullehrer vor Gericht

Ermittlungen gegen Lehrende an Reschitzaer Uni abgeschlossen

Donnerstag, 20. August 2015

Das Ende einer Etappe beim beschämenden Kapitel der jüngsten Geschehnisse an der Reschitzaer Universität „Eftimie Murgu“ (UEM) ereignete sich am Montag: Fünf der schmiergeld- und sexhungrigen Hochschullehrer, die durch verdeckte Ermittler in flagranti ertappt wurden, sind nach abgeschlossenen Untersuchungen dem Kreisgericht Karasch-Severin in Reschitza übergeben worden. Die Staatsanwälte der Abteilung Strafverfolgung und Kriminalistik der Staatsanwaltschaft des Obersten Gerichts- und Kassationshofs kamen zur Schlussfolgerung, dass die fünf „sich auf Schmiergeldannahme spezialisiert“ hatten. Florin Franţ, der Ex-Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften, und Irina Oriol hatten die Resultate der Untersuchungen in Präventivhaft abzuwarten gehabt. Ruxana Mariana Lavinia Ghiţă, Mihai Vişan und Ilici Alexe standen währenddessen unter gerichtlicher Aufsicht. Letztendlich ist die Gruppe unter den Vorwürfen der Einflussnahme und Schmiergeldannahme und –gabe sowie – im Falle des Ex-Dekans Franţ – des Amtsmissbrauchs zwecks Erzielung sexueller Gegenleistungen dem Gericht übergeben worden.

Schmiergeld schafft Vorteile

Die Staatsanwälte schreiben in ihren Schlussfolgerungen: „Die Beschuldigten Franţ Florin, Oriol Irina, Ghiţă Ruxana Marina Lavinia und Vişan Mihai haben sowohl persönlich als auch durch Beeinflussung anderer Lehrkräfte Studenten in den Lehrfächern, die sie oder einige ihrer Kollegen unterrichtet und geprüft haben, versetzt oder deren Versetzung begünstigt (unter denen sich auch ein verdeckter Ermittler befand).“ Es gab Fälle, wo Studenten fertige Jahresabschlussarbeiten anderer Studierenden zum Abschreiben vorgelegt wurden. Gleichzeitig wurden den Geprüften hohe und Höchstnoten gewährt, damit diesen weiterhin staatlich bezuschusste Studienplätze garantiert werden. Die Hochschullehrer wurden bestochen oder sie forderten sexuelle Gegendienste, wie im Falle des angeklagten Ex-Dekans Florin Franţ.

Kollegialer Einfluss geltend gemacht

Die Beweislage, die von den Staatsanwälten zusammengetragen wurde, zeigt, dass der Angeklagte Florin Franţ, als Hochschullehrer an der Fakultät für Sozialwissenschaften und (seit 2014) Dekan, sowie die Angeklagte Irina Oriol, in derselben Eigenschaft, dem verdeckten Ermittler den Eindruck hinterlassen haben, dass sie gegenüber fast allen ihren Kollegen Einfluss ausüben können, um eine Studentin aus dem ersten Studienjahr (also die verdeckte Ermittlerin) in allen Fächern die Prüfung bestehen zu lassen. Sie hätten das auch bewiesen, indem sie erwirkten, dass die vorgebliche Studentin in fast allen Fächern die Höchstnote 10 erhielt, „ohne jede faktische Begründung und ohne den Nachweis von Wissen.“ Dafür hätten sie Geld kassiert, Güter (vornehmlich teure Parfums) oder sexuelles Entgegenkommen gefordert.

Bezüglich Ruxana Mariana Lavinia Ghiţă, der Assistentin von Uni-Senatschef Marian Mihăilă (dessen causa als oftmaliger Strippenzieher im Korruptionssumpf von den Staatsanwälten separat behandelt wird und wo die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind – wenn er nicht einen Sonderstatus als Ex-Securitateoffizier genießt), die tief im Korruptionsschlamassel der Reschitzaer Uni steckte, bezüglich Mihai Vişan (ein Geschichtslehrer und Ex-Schulinspektor, mit einem Hang für rumänisch-nationalistische und hart an der Grenze des Faschistischen liegende Themata, etwa rund um Marschall Antonescu oder die Legionärsbewegung) und Irina Oriol (die in ihrem „Förderkreis“ der Uni-Mitarbeiter auch Hochschullehrer aus Hermannstadt/Sibiu hatte, die, laut Abhörprotokollen, auf ihre „Anweisungen“ hörten) führen die Staatsanwälte den florierenden „Handel“ mit fertigen Lizenzarbeiten an, die bei den dreien um 150-300 Euro „zu haben“ waren und sogar in digitalem Format, auf Sticks, angeboten wurden. Dabei hätten sie den potenziellen „Kunden“ den Eindruck vermittelt, dass sie über ausreichend Einfluss verfügen, um die Mitglieder der Prüfungsausschüsse zu überzeugen, dass diese ihnen Höchstnoten für die bei ihnen gekauften Abschlussarbeiten verleihen. Die Staatsanwälte führen den Fall Mihai Vişans an, der dem Absolventen Ilici Alexe eine Abschlussarbeit verkaufte, selber mit im Prüfungsausschuss saß und seine Kollegen dort überzeugte, die Arbeit seines Schützlings mit der Höchstnote zu bewerten. Irina Oriol hingegen versicherte ihre „Kunden“, dass sie, als koordinierende Professorin, für das Bestehen der Prüfungen garantiert.

Ausgeklügelte Vorsichtsmaßnahmen

In den Reihen der Studierenden war allgemein bekannt, dass an dieser Fakultät der Reschitzaer Universität Lizenz- und Masterarbeiten von bestimmten Hochschullehrkräften, die Titularlehrer oder Gastprofessoren hier waren, käuflich erworben werden können und dass auch bestimmte Mitglieder der Prüfungsausschüsse käuflich waren und dass man sich Versetzungsnoten erkaufen konnte, schreiben die Staatsanwälte in ihrer Anklageschrift gegen die ersten fünf Angeklagten des UEM-Prozesses. Hervorheben wollten die Staatsanwälte auch die Art und Weise, wie das System des Kaufs der Studiennachweise an dieser Fakultät funktionierte, was auch eine „Spezialisierung“ und „ein zunehmendes Geschick in der Anwendung von unehrlichen Methoden“ bedeutete, die eine Identifizierung und Zuweisung einer Verantwortung bezüglich Straffälligkeit erschweren sollte. Sie forderten bei-spielsweise nie direkt Geld – als Beispiel wird Irina Oriol aus Aussagen einiger Anzeigeerstatter zitiert – und sie testeten ihre „Kunden“ immer, bevor sie sich mit ihnen auf ein „Geschäft“ einließen, sie vermieden möglichst Telefongespräche und wählten für ihre Treffen mit den Interessenten Parks, Hotels oder Restaurants, die Räumlichkeiten der Hochschule oder ihre Privatwohnungen. Die von den Staatsanwälten während der Durchsuchungen identifizierten Summen – bis zu 10.000 Lei, die von den Angeklagten nachweislich auf den beschriebenen Wegen erzielt wurden – wurden mit Beschlag belegt.

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