Fünffache Mutter und berufstätige Frau

DAAD-Lektorin Tanja Becker findet Feminismus als Grundhaltung schlecht

Samstag, 10. März 2012

DAAD-Lektorin Tanja Becker: „In Rumänien hat sich einiges verändert. Viele Sachen sind transparenter geworden“. Foto: Andreea Oance

„Nici – nici“, antwortet Tanja Becker (45) auf Rumänisch, als ich sie danach frage, wo sie sich denn zu Hause fühle, in Deutschland oder in Rumänien. „Momentan ist mein Platz hier“, sagt die DAAD-Lektorin entschlossen. Seit 1997 lebt sie mit ihrer Familie in Temeswar/Timişoara. Solange ihre älteren vier Kinder noch hier zur Schule gehen, will die fünffache Mutter Rumänien nicht verlassen. „Die Kinder wollen auf keinen Fall weg“, fügt sie hinzu.

Tanja Becker ist eine der Power-Frauen, die in Temeswar leben und arbeiten.

Mit fünf Kindern zu Hause schafft sie es, auch an die Uni zu gehen, zu unterrichten und eine gute Beziehung zu ihren StudentInnen aufzubauen. Politische Kommunikation, Diskursanalyse, Globalismus und Globalisierung sind nur einige der Fächer, die die DAAD-Lektorin an der Deutschen Abteilung für Internationale Beziehungen und Europastudien der West-Universität vorträgt. Tanja Becker wurde 1997 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zuerst an die TU Politehnica geschickt. Zu Beginn ihrer Zeit in Rumänien unterrichtete sie an der deutschsprachigen Abteilung für Bauingenieurwesen, danach am Kolleg für Dolmetschen und an der Fakultät für Mechanik. „Ich fand die Machtstrukturen damals an der Politehnica noch sehr undurchschaubar.

Aber die Arbeit mit den Studenten lief von Anfang an sehr gut“, sagt sie. Bis 2003 war sie an der Technischen Universität als DAAD-Lektorin tätig, danach zog sie zusammen mit ihrem Mann Martin Schwägerl wieder nach Deutschland für ein Jahr. „Ich konnte da nicht vernünftig arbeiten, also entschlossen wir uns, nach Rumänien zurückzukehren“, erinnert sich Tanja Becker. Damals schickte sie der DAAD an die West-Universität. Heute unterrichtet die Lektorin zwölf Stunden pro Woche. „Ich muss nicht den ganzen Tag an der Uni sein, ich kann auch von zu Hause arbeiten. Ich arbeite auch abends und nachts“, sagt Tanja Becker. Zu Hause kann sie zum Beispiel Arbeiten korrigieren oder ihre Unterrichtsstunden vorbereiten.
 

So bleibt ihr auch Zeit, ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. „Ich hole meine Kinder nicht von der Schule ab, da müssen sie schon selbst zurecht kommen. Sie haben gelernt,  selbst aufeinander aufzupassen“, sagt Tanja Becker. Yannick ist 14, Nikolai 13, Katja und Laetitia sind 10 und Nora ist 3 Jahre alt. Ob sie selbst aus einer zahlreichen Familie komme? „Nein, ich habe nur eine Schwester“, sagt sie. Nur ein einziges Kind zu haben, kam für Tanja Becker und Martin Schwägerl nie in Frage. Als Yannick und Nikolai schon auf der Welt waren, wollten sie noch ein Mädchen. Dann kamen gleich zwei – die beiden Zwillinge Katja und Laetitia. Sieben Jahre später wünschten sie sich wieder ein Baby: So kam Nora, ihre jüngste Tochter, auf die Welt. Die Kinder sind alle sportlich veranlasst: Sie gehen zum Klettern und Voltigieren. Manchmal kann es bei ihnen auch ganz schön hektisch werden, vor allem, wenn das Essen auf dem Herd brennt und man an zwei Orten auf einmal sein muss, um seine Kinder von den verschiedensten Terminen abzuholen. „Manchmal könntest du die Wände hochgehen, manchmal aber ist es wunderschön“, gesteht die DAAD-Lektorin.
 

In ihrer Freizeit liest Tanja Becker gern. Gegenwartsliteratur, aber auch Fachbücher, um sich über alles Mögliche zu informieren. Sie hat „Die Zeit“ und die „ADZ“ abonniert. Dass sie sich irgendwann mal langweilen könnte, ist nicht denkbar, denn sie ist eine hoch beschäftigte Frau. „Ich könnte nicht zu Hause bleiben“, sagt sie, obwohl sie sich gleichzeitig auch nicht als Feministin bezeichnen würde. „Das wäre zu plakativ“, erklärt sie. Trotzdem merkt sie, dass es immer noch nicht so viel Gleichberechtigung gibt, wie man sich wünschen würde. „Die Lohnunterschiede sind immer noch groß. Auch im Alltag wird man manchmal als Frau saudumm angemacht“, sagt Tanja Becker. Dann gilt wieder, die Ruhe zu bewahren, wie es sich für eine starke Frau gehört. „Feminismus als prinzipielle Haltung ist schlecht“, schließt die DAAD-Lektorin.

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