Für Christoph Daum: Einstand mit Verständnis und Kritik

Rumäniens Start in die WM-Qualifikation mit vielen Minuspunkten

Freitag, 09. September 2016

Christoph Daum am Tag vor dem Spiel

Große Euphorie vor dem Spiel. Viele Fans lassen sich die Nationalfarben auftragen.

Nach dem Spiel: Momente der Einsamkeit für den Nationalcoach.
Fotos: Siegfried Thiel

Von „intelligenten Spielern, die in zwei-drei Tagen verstanden haben, worum es geht“, von „exzellenten Spielern, die physisch und mental gut in Schuss sind“ und „in dieser Woche mehr als üblich gearbeitet haben“, sprach Rumäniens Auswahlcoach, Christoph Daum vor der ersten Partie der Fußball-WM-Qualifikation für 2018. Er wolle kein belgisches, dänisches, oder deutsches Modell, sondern einen „rumänischen Weg“ für die Nationalmannschaft, hatte Daum vor dem Spiel in die Mikrofone diktiert. Journalisten wollten 31 Stunden später von dem Deutschen wissen, warum denn letztendlich weder die hervorgehobenen Qualitäten, noch die Arbeit zum Erfolg geführt haben.

Sicherlich wäre es einfach, nach insgesamt 97 Spielminuten und nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Montenegro, den Stab über dem Trainer zu brechen, denn die Mannschaft erspielte sich kaum Torchancen und das Unentschieden zum Start in die WM-Qualifikation ist alles andere als ein Wunschergebnis. Christoph Daum stand eine einzige Woche Vorbereitung zur Verfügung, ohne Testspiel und viele Spieler hatte er live auf dem Platz noch nie gesehen. Möglicherweise wollte Daum auch sein Debüt als Auswahltrainer nicht vermasseln – bleibt zu hoffen, dass dies der Grund dazu war, dass er genauso defensiv agierte, wie dies zuletzt sein gerade deshalb viel kritisierter Vorgänger Anghel Iordănescu getan hatte. Der ADZ gegenüber gestand Christoph Daum nach dem offiziellen Training in der Klausenburger CFR-Arena, dass Alexandru Maxim nicht an dessen gestörten Verhältnissen mit seinem Trainer Jos Luhukay in Stuttgart gemessen werde, sondern „an seinen Leistungen, die er hier gezeigt hat“. Obwohl dies nach leiser Ansage für die Stammelf klang, kam Maxim nicht einmal als Auswechselspieler infrage, genauso wie auch sein Namensvetter Alexandru Chipciu keinen Platz in der Mannschaft fand. Damit blieben zwei Offensivkräfte auf der Bank. Mit Torje und Popa durften weitere Kicker mit Stürmerqualität nur spät auf den Platz.

Tosender Applaus ging von den genau 25.468 Zuschauern in der fast ausverkauften Cluj Arena aus, als der Stadionsprecher Christoph Daums Namens rief. Daum hatte im Vergleich zum Vortag den blauen Trainingsanzug mit einem grauen Maßanzug getauscht, stand meist beherrscht, an den Pfosten der Trainerbank gelehnt und ballte nur kurz die Fäuste, als Adrian Popa nach Hereingabe von Nicolae Stanciu das erste Tor der Partie erzielte. Er versuchte auch schnell seine Crew von der Bank zu beruhigen, die überschwänglich den Treffer feierte. Es war wohl Erfahrung, aber auch leise Vorahnung, denn nur zwei Minuten später hatte Montenegros Star Jovetic den Ausgleich erzielt. Die offensive Variante, die sich Rumäniens Fußballfans unter dem neuen Trainer erhofften, hat es nicht gegeben. Zwar stellte Christoph Daum auf schnellere Leute über die Außenbahnen um, doch das, worüber sich viele bestimmt gefreut hätten, kam dann doch nicht zustande. „Es ist nicht ausgeschlossen mit Florin Andone und Claudiu Keşeru, mit zwei Sturmspitzen spielen zu lassen“, hatte Daum noch vor dem Spiel gesagt.

Ohnehin hatten es nur wenige verstanden, dass Denis Alibec nicht einmal ins 23er-Aufgebot durfte. Der zwar erst wieder genesene Alibec hatte bereits in der Europa-League gegen West Ham gezeigt, was er im Stande ist, auch wenn er sich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte befindet. Es mag beim Gegentor auch Gabriel Tamaş gefehlt haben, doch besonders viel anzukreiden war der Abwehr mit Steliano Filip, Cosmin Moti, dem neuen Kapitän, Dragoş Grigore und dem imponierenden Neuling, Romario Benzar kaum. Sturmspitze Florin Andone ging genauso wie bei der Europameisterschaft im Spiel der Rumänen unter und verlor sich meist in den gegnerischen Abwehrreihen. Eigentlich sind es die entscheidenden, letzten, Pässe, die bei den Rumänen nicht ankommen. Über weite Strecken war dies auch für Rumäniens teuersten Spieler aller Zeiten, Nicolae Stanciu, gültig. Er hätte trotzdem zum Helden werden können, hätte er in der letzten Spielszene der Partie die Nerven behalten und den Strafstoß versenkt. „Eigentlich war Stanciu nicht für den Strafstoß vorgesehen“, nahm ihn sein Trainer nach dem Spiel in Schutz. Als erster Schütze war Bogdan Stancu auserkoren, doch der war bereits ausgewechselt, Cristian Săpunaru verweigerte die Ausführung wegen einer angeblichen Verletzung.
Auch wenn Stanciu getroffen hätte, würde diese Spielanalyse kaum anders ausfallen. Immerhin spielte Rumänien gegen eine Mannschaft, die aus der fünften Urne der Auslosung entnommen wurde, gegen die Rumänien in der Fußballgeschichte ein einziges Mal gespielt und 4:0 gewonnen hatte und die im Jahr 2016 unter in ihrem neuen Trainer Ljubisa Tumbakovic in drei Testspielen zwei Niederlagen und ein 0:0 gegen Weißrussland erreicht hat.

Wenn Cristian Săpunaru einen Tag vor der Partie von zehn Endspielen sprach, die auf Rumänien in der Gruppe E zukommen sollten, dann hat sich der Begriff Endspiel für die neun restlichen Partien zum Superlativ entwickelt. Innerhalb von drei Tagen, am 8. und 11. Oktober, bestreitet Rumänien zwei Auswärtsspiele gegen Armenien und Kasachstan. Diese werden zeigen, auf welchem Niveau Christoph Daum als Auswahltrainer steht und/oder ob Rumänien ganz einfach eine bessere Fußballergeneration braucht.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*