Für kulturellen Austausch und den Abbau von Stereotypen

Junge Freiwillige aus Deutschland in Schulen Rumäniens im Einsatz

Dienstag, 23. Dezember 2014

Deutsche Freiwillige in Rumänien und Bulgarien entdecken die lebendige deutsche Kultur in Siebenbürgen, hier auf einem Besuch in Schäßburg.

„Kulturweit” ist ein Freiwilligendienst der deutschen Unesco-Kommission und des Auswärtigen Amtes. Seit 2009 werden zweimal jährlich etwa 200 Bewerber zwischen 18 und 26 Jahren in die ganze Welt entsandt, um den kultur- und bildungspolitischen Austausch zu fördern. Die Dauer des Freiwilligendienstes beträgt entweder sechs oder zwölf Monate. Ende August sind die Teilnehmenden in die jeweiligen Länder ausgereist, fünfzehn von ihnen nach Rumänien und Bulgarien. Vom 24. bis zum 28. November fand das Zwischenseminar für die Freiwilligen des  „Kulturweit”-Programmes statt. Die kleine Gruppe fand sich – unter den Fittichen zweier professioneller Kulturtrainerinnen – im Jugendzentrum des beschaulichen Dorfes Seligstadt im Kreis Kronstadt/Braşov ein, um ihre bisherigen Erfahrungen in den Einsatzstellen zu reflektieren.

Die Einsatzstellen der Freiwilligen in Rumänien und Bulgarien sind ausschließlich Schulen, die mit dem Pädagogischen Austauschdienst oder der Zentralstelle für Auslandsschulwesen kooperieren. Die Tätigkeiten der Freiwilligen reichen von Unterrichtsassistenz über Vorbereitung der Schüler auf das Deutsche Sprachdiplom (DSD) und Hausaufgabenbetreuung bis hin zur Durchführung eigenständiger Projekte. Die Lebens- und Arbeitsumgebung der Freiwilligen gestaltet sich dabei höchst unterschiedlich. Die Programmteilnehmer leben in ganz Rumänien, von Großstädten wie Bukarest bis zu ländlichen Gegenden wie Oberwischau/Vişeu de Sus. Es gibt Freiwillige, die sich eine eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft gesucht haben, andere wiederum sind in Räumlichkeiten untergebracht, die ihre Einsatzstelle zur Verfügung stellt. Diejenigen, die bis zu 250 Euro für ihre Unterkunft zahlen, müssen mit der Förderung von insgesamt 350 Euro schon etwas sparsam umgehen. Dabei muss man allerdings bedenken, dass der Betrag im Bereich dessen liegt, was z. B. eine vollausgebildete und vielbeschäftigte Lehrerin in Rumänien bekommt.

Die Freiwilligen, die am „Kulturweit”-Programm teilnehmen können, sind sich über ihre privilegierte Position meist sehr bewusst. Oft berichten sie, wie ihnen als Deutsche sofort mit viel Achtung und Respekt begegnet wird, wie sehr die Arbeitsmoral oder die „deutsche Gründlichkeit” gelobt wird. Das hohe Ansehen resultiert dabei aus der privilegierten ökonomischen Situation der Deutschen. Umgekehrt ist es so, dass rumänische Menschen in Deutschland oft diskriminierenden Erfahrungen ausgesetzt werden. Die deutschen Medien betonen leider oft Probleme und Schwierigkeiten, wenn sie über Rumänien berichten. Der Freiwilligendienst soll helfen, diese Stereotype zu prüfen und abzubauen. Es wird erlernt, wie man respektvoll und achtsam mit den Bewohnern des Landes umgeht und sich auf die neuen Gegebenheiten einstellt.

Viele Freiwillige sind überrascht, wie „modern” Rumänien ist oder welch vielfältiges kulturelles Angebot existiert. Die Freiwilligen in den Studentenstädten Jassy/Iaşi oder Temeswar/Timişoara erfreuen sich am bunten Nachtleben, von Konzerten bis zu alternativem Theater. Freiwillige in Siebenbürgen sind beeindruckt, welch lebendige deutsche Kultur in diesem Gebiet praktiziert wird. Die Freiwilligen pflegen ihre Kontakte untereinander, um sich gegenseitig zu besuchen und verschiedene Ecken Rumäniens kennenzulernen.
Neben diesen Aktivitäten gibt es natürlich noch den Schulalltag. Jeder Volontär assistiert den Lehrern beim Deutschunterricht und hat eine unterstützende Position inne. Die gute Betreuung durch die Lehrkräfte trägt dazu bei, dass die Freiwilligen sich aufgehoben fühlen und schnell einleben können. So lernen die Teilnehmer den Schulalltag Schritt für Schritt kennen. Neben den alltäglichen Aufgaben entwickelt jeder Assistent ein eigenes Projekt, das er während des Aufenthaltes durchführen soll.

Die Projekte sind äußerst vielfältig. Eine Freiwillige aus Deva vermittelt Brieffreundschaften zwischen rumänischen und deutschen Schülern, eine andere studiert mit einer fünften Klasse ein Theaterstück in deutscher Sprache ein. In Temeswar wurde mit den Schülern ein Musikprojekt auf die Beine gestellt, welches von den lokalen Radiostationen präsentiert werden wird, und ein Freiwilliger aus Schäßburg/Sighişoara möchte ein kleines Festival organisieren, das die Schüler selbst gestalten können. Immer im Vordergrund steht bei den Projekten der kulturelle Austausch und der Abbau von Hemmnissen, seien es Sprachbarrieren oder fehlendes Wissen. Die Erfahrungen der „Kulturweitler” finden natürlich auch nach dem Ende des Dienstes Verwendung. Das neu erworbene Wissen wird nach Deutschland getragen, um dort über ein Land zu erzählen, das viele Deutsche kaum kennen. Die Freiwilligen werden den vorhandenen Stereotypen wohl eine ausdrückliche Empfehlung entgegensetzen, das Land selbst einmal zu besuchen!

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