Fusionsopponenten vom Minister empfangen

Das Bildungsministerium hat kein Interesse an einer Reduzierung der Zahl der Universitäten Rumäniens, muss sich aber in souveräne Entscheidungen fügen

Donnerstag, 17. September 2015

Reschitza - Am gestrigen Donnerstagnachmittag haben die Fusionsverhandlungen zwischen den Vertretern der Temeswarer West-Universität (UVT) und der Reschitzaer „Eftimie Murgu“-Universität (UEM) in Temeswar/Timişoara begonnen. Allerdings ist die Lage in Reschitza/Reşiţa bei weitem nicht so klar und eindeutig, wie vom UEM-Senat und der Leitung der UEM in Kommuniquées der Öffentlichkeit und den Studenten erklärt. Denn die (etwa) Ein-Drittel-Opposition der Fusionsgegner in Reschitza – bestehend aus pensionierten Hochschullehrkräften und auch aus Aktiven – hatte sich zum Wochenbeginn nach Bukarest ins Ministerium für Bildung und Forschung aufgemacht und dort am Dienstag mit Bildungsminister Sorin Câmpeanu ein 45-Minuten-Gespräch. Und der Minister zeigte sich, angeblich, überhaupt nicht angetan von dieser Banater Initiative.

Die Reschitzaer Fusionsgegner hatten den Minister aufgefordert, eine andere Lösung für die schwierigen finanziellen und Image-Probleme der UEM zu identifizieren – und angeblich stießen sie auf viel ministeriales Entgegenkommen. Wortführer der Reschitzaer Fusionsgegner war der bislang in Reschitza außerhalb der UEM kaum in Erscheinung getretene emeritierte Hochschullehrer Eugen Răduca, der Ex-Gewerkschaftschef an der UEM. Er erklärte bei der Rückkehr aus Bukarest: „Die aus dem Ministerium wünschen grundsätzlich keine Verringerung der Zahl der rumänischen Universitäten, denn Rumänien steht ohnehin schon schlecht genug im EU-Vergleich der Universitätendichte. Minister Câmpeanu sagte uns, dass seine Politik und jene des von ihm geführten Ministeriums darauf abzielt, Universitäten aus wirtschaftsschwachen Gebieten, wie Karasch-Severin, stärker zu unterstützen. Zum Fusionsprojekt sagte er keine Silbe. Wir plädierten vor dem Minister dafür, weiterhin in Reschitza eine unabhängige Universität zu erhalten. Und das befürwortete der Minister.“
Es sei nun nicht auszuschließen, dass das Ministerium eine Auditkommission nach Reschitza schickt, um zu prüfen, wie seine Subventionen vor Ort verwendet werden (Rektorin Doina Frunzăverde hatte erklärt, der Bedarf der UEM liege bei monatlich 470.000 Lei+100.000 Lei für Büroausgaben und die Reschitzaer Universität bekomme bloß 433.000 Lei monatlich überwiesen, was klare Unterfinanzierung heißt), außerdem habe der Minister nicht ausgeschlossen, die monatlichen Zuwendungen für die UEM zu erhöhen. Konkrete Zusagen konnten die Fusionsopponenten aber keine aus Bukarest mitbringen.

Allerdings hat dieser Gang der Opponenten der Banater Universitätsfusion zur „Hohen Pforte“ nichts mit der auch in Rumänien geltenden Unabhängigkeit der Universitäten zu tun. Und nicht zuletzt hat Universitätsrektorin Doina Frunzăverde dieser Tage vor dem Universitätssenat einmal mehr unterstrichen, dass die UEM vor der Unmöglichkeit ihrer weiteren Finanzierung stehe und dass im Haushaltsplan des Bildungsministeriums für 2016 bis zum heutigen Tag überhaupt kein Finanzierungsposten für Reschitza auftaucht, was entweder einfach eine Unterlassung der Finanzplaner sein könnte, oder aber eine Folge der Schmiergeld- und Sex-Skandale, die im vergangenen Sommer die Reschitzaer Universität erschüttert haben und die jetzt ein gerichtliches Nachspiel haben – die Rektorin suggerierte, dass das Ministerium vielleicht die UEM einfach außer Rechnung gestellt hat...

Andrerseits wandte sich der Universitätssenat und die Rektorin an die Studenten und versicherte diesen, dass sich durch die angepeilte Universitätsfusion mit der West-Universität für die Studierenden eigentlich nur alles zum Besseren wenden könne. Die faktischen Folgen einer solchen Fusion wären unter Umständen bessere und moralisch probatere Lehrer sowie ein Abschlussdiplom von einer prestigereicheren Universität, der UVT. Nicht zuletzt auch ein besseres Bild der Absolventen und ein besserer Stand für sie auf dem Arbeitsmarkt, untermauert mit einem außer Zweifel stehenden Abschlussdiplom.
Zum Vorgehen der Opponenten der Banater Universitätsfusion äußerte sich die Rektorin mit keinem Wort, wohl weil sie sich dessen sicher ist, dass dem Bildungsministerium letztendlich wahrscheinlich nichts anderes übrigbleiben wird, als die souveräne Entscheidung zweier selbstbestimmter Universitäten zur Kenntnis zu nehmen und zu legalisieren. Denn die rechtliche Basis dazu haben die Universitäten inzwischen. Und universitätsintern ist die Fusion durch Absorbtion bereits eine demokratisch abgesegnete Sache, mit der sich die Verlierer der Abstimmung allerdings  (noch?) nicht abfinden können.

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