Fußball

Donnerstag, 21. Januar 2016

Symbolfoto: freeimages.com

Fußball bringt Völker zusammen – zumindest den männlichen Anteil. Kaum ein Sujet, das unabhängig von Status, Kulturkreis, Alter oder Bildungsgrad für so viel gemeinsamen Gesprächsstoff sorgt. Kommt das Thema auf das runde Leder, ist das peinliche Schweigen („Was soll ich denn mit den Gästen reden?“) schnell überbrückt und jede Müdigkeit wie weggeblasen. Fußball schafft, was kein kulturelles oder intellektuelles Thema je zustande bringen wird: spontan für ungeteilte Aufmerksamkeit zu sorgen – egal ob nebenan gerade ein Hochhaus einstürzt oder ein Flugzeugträger durchs Wohnzimmer fährt. Funktioniert garantiert, in der Dorfkneipe wie auf dem Atomphysikerkongress!

Außerdem schafft Fußball nationale Identität: Trifft man in der afrikanischen Kalahari auf einen Kürbiskalebasse tragenden Eingeborenen und sagt ihm, man käme aus Deutschland, breitet sich augenblicklich ein Strahlen über sein Gesicht: „Beckenbauerrr!“ radebrecht er dann mit rollendem R – nicht Goethe, nicht Schiller, nicht Einstein oder Kant, ja, nicht einmal Merkel. Die würde er wohl alle für Ersatzspieler halten...

Einst beobachtete ich ein paar Ägypter in einem Shisha-Café in Zamalek beim Schauen eines Fußballspiels. Eine Mannschaft war aus Deutschland, soviel bekam man auch aus der Ferne mit. Eifrig feuerten die Männer einen der Spieler an: „Desch-meeer, Desche-meer!“ Komischer Name, naja, bestimmt arabisch. Dann erkannte ich, dass es sich um Damenfußball handelte! Und die Heldin der wasserpfeifenrauchenden Muselmänner in ihren bodenlangen Galabeas war – kaum zu glauben – eine deutsche Dagmar! Kann man sich irgendeinen anderen Bereich vorstellen, in dem Araber die Leistung einer Frau so enthusiastisch würdigen würden?

Freilich hat der Sport mit dem Leder auch seine negativen Seiten. Fußball verbindet zwar Völker, entzweit dafür aber Ehen. Man denke an den Witz, in dem der Mann zu seiner Gattin sagt: „Schatz, gleich beginnt die Fußballsaison. Möchtest du vorher noch kurz etwas sagen?“

Es gibt zwar auch weibliche Fußballfans, doch die meisten Frauen wundern sich bloß kopfschüttelnd, dass 22 erwachsene Kerle in lächerlich kurzen Spielhosen in aller Öffentlichkeit stundenlang um ein rundes Schweinslederding herumtoben können, ohne dass es ihnen peinlich ist. Und ohne dass einer beherzt zugreift und sagt: „Verpisst euch, das ist jetzt meiner! Ihr dürft später damit spielen.“ Könnte man nicht einfach 22 Bälle ins Feld werfen, damit endlich Ruhe ist?

Frauen haben kein vergleichbares Thema, auch wenn Männer gerne behaupten, es sei Kosmetik oder Mode. Doch keine Frau der Welt würde eine Dagmar beim Schminken anfeuern und literweise Bier dazu trinken. Keine Mädchenclique käme je auf die Idee, auf einer Modenschau die Versace-Fans zu verprügeln, weil ihnen die Klamotten von Benetton besser gefallen. Und keine Afrikanerin würde mit entrücktem Gesicht „Schiffer“ hauchen, wenn man von Deutschland spricht. Dann vielleicht schon eher Merkel. Obwohl die sich ja gar nicht schminkt. Aber wer weiß, vielleicht spielt sie ja Fußball.

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