FWF-Forschungsprojekt an der Karl-Franzens Universität Graz:

Personalmanagement in einer neuen Provinz. Das österreichische Banat (1716-1753)“ (II)

Dienstag, 25. September 2018

Foto: DFBB

Vasile Ionuț Roma: Ein guter Beamter sollte, im Spiegel dieser Referate, das Land kennen, in dem er ausgesandt wird, die Landesverfassung kennen, also die Art und Weise wie das Land aufgebaut war und wie die Administration funktionierte, und die Sprachen der Untertanen sprechen oder zumindest den Willen haben, diese zu erlernen. Das war anfangs nur möglich, indem man Beamte aus Nachbarprovinzen beschäftigte, die mit der Region und den Sprachen der Einwohner auch früher zu tun hatten. Es gab Beamte, denen man nachsagte, dass sie Rumänisch und Serbisch konnten; einige davon sollen das „in Perfektion“ gekonnt haben, um es mit den Worten der Zeitgenossen auszudrücken. Es gab auch Leute, die von anderswo kamen und mit diesen Sprachen nie etwas zu tun hatten, weswegen sie die Landessprachen vor Ort erlernt haben. Es gab aber auch solche Beamten, die nicht verstanden haben, wieso sie die Sprachen brauchen, um ihre Arbeit zu tun. Die Amtssprache war schließlich Deutsch. Tatsache ist, dass Vielsprachlichkeit gefördert wurde. Über den Kanzlisten Johann Fürst wissen wir, dass er vom Lipovaer ins Temeswarer Distrikt versetzt wurde, da er dort die Gelegenheit hatte, beide Landessprachen zu erlernen.

Der ideale Beamte sollte Erfahrung und Fachkompetenz haben und lange genug in anderen Provinzen oder bei der Armee gedient haben, um all dies unter Beweis zu stellen. Studien und Empfehlungen voriger Arbeitsgeber und Militärleiter waren wichtig, aber nicht ausschlaggebend. Mitberücksichtigt wurde auch die Familientradition. Eigene Verdienste und Verdienste der Vorfahren im Dienste des Hauses Habsburg spielten eine Rolle (dies war in Wien auch nicht anders): Treue und Ansehen wurden geschätzt, und Genauigkeit in der Rechnungslegung wurde gepriesen. Man hat auch geschaut, dass der Kandidat nicht in Konflikt mit Mitgliedern der Landesadministration stand, damit die Arbeit durch die persönliche Befangenheit nicht beeinträchtigt wird. War dies der Fall, so wurde der Kandidat entweder nicht beschäftigt oder man versuchte, die Konflikte zu moderieren, denn es gab auch Meinungsverschiedenheiten. Man hat von den Leuten erwartet, dass sie anpassungsfähig, flexibel und mobil sind, denn die Beamten hatten neben der Büroarbeit an Inspektionen teilzunehmen, Delegationen nach Wien und in andere Provinzen zu übernehmen, und im Falle des Ausfalls eines Kollegen durch Krankheit oder Tod hatten sie die von ihm besetzte Stelle provisorisch zu übernehmen, damit die Arbeit nicht stockt, auch wenn dieser Dienst in einem abgelegenen Distrikt des Banats lag. Nun, die meisten Beamten vor Ort waren verheiratet und hatten viele Kinder, was automatisch bedeutete, dass die Familie mitziehen musste. Die Bereitschaft, bei Bedarf umzuziehen, zur „Mobilität“, war sicherlich nicht jedermanns Sache. Im Krieg wurden die Militärs mobilisiert und einige Zivilbeamten übernahmen die Transporte und die Versorgung der Truppen. Zudem gab es auch eine lokale Erwartungshaltung. Die Arbeit hatte Priorität, und man erwartete von Amtskollegen, dass sie den Dienst der Freizeit vorziehen. Das zeigt der Fall eines gewissen Niedermayer und die Selbstverständlichkeit, mit der sein Kollege sein Verhalten als negativ abstempelte, als er sich weigerte, seine Freizeit für die Arbeit zu opfern.

Wie sah eine typische Beamtenkarriere im Banat aus?

Quantitativ gesehen war eine typische Karriere im Banat in der Regel sehr kurz, denn die meisten Beamten sind als Opfer von Krankheiten oder aufgrund ihres Alters gestorben.  Schauen wir uns die Fälle von Bediensteten an, die den Krankheiten trotzten und längere Zeit im Banat gelebt haben, so finden wir: 1. Leute, die von Anfang an in einer leitenden Stelle angestellt wurden und nach einer gewissen Zeit in gleichwertigen oder höheren Positionen nach Wien oder in andere Provinzen transferiert wurden, 2. Leute, die in einer niedrigeren Distrikts-, Kanzlei- oder Kameralamtsstelle beschäftigt wurden und graduell aufstiegen, und 3. Leute, die länger die selbe Funktion in den Distrikten ausübten. Es gab auch Degradierungs-, Entlassungs- und Selbstkündigungsfälle, aber die Tendenz war eher die zur Promovierung.   

Spielten Beziehungen bei der Beamtenförderung, beim hierarchischen Aufstieg, eine Rolle? Was war entscheidend, aufgrund Ihrer Dokumenteneinsicht?

Die Landesadministration hat provisorische Beförderungen durchgeführt, da die durch den Tod eines Beamten frei gewordene Stelle interimistisch mit einem vor Ort anwesenden Beamten besetzt werden musste, damit das Funktionieren des Systems gewährleistet war. Die definitive Beförderung geschah meist auf die Empfehlung des Amtspräsidenten und/oder eines Rats und bedurfte eines Referats der Hofstellen in Wien. Fiel dieses Gutachten positiv aus, so war es möglich, dass der jeweilige Beamte durch das Staatsoberhaupt promoviert wurde. Es gibt in den Schreiben einiger Beamten, die um Promovierung ansuchen, explizite Hinweise, dass sie den einen oder anderen Beamten in Wien aus früheren Dienstzeiten kennen, und umgekehrt, Äußerungen von Hofstellenbeamten, dass sie von der Fähigkeit eines Kandidaten aus früheren Dienstverhältnissen wissen. Es gab auch in der Landesadministration Menschen, die sich näher standen. Ob das jetzt als Beziehungen interpretiert werden kann, das ist diskutabel. Es gibt Pro- und Kontraargumente. „Ein gutes Wort einzulegen“ hat sicher nicht geschadet. Die Entscheidung über die Beförderung lag aber immer in den Händen des Staatsoberhaupts.

Was passierte mit einem Beamten, der irgendwelche Fehler beging? Welche Fehler?

Wenn man mit so vielen Aufgaben konfrontiert war, wie die Beamten im Banat, die meist zwei Funktionen ausübten, war es fast unvermeidbar, Fehler zu machen. Oft geschahen Irrtümer in der Rechnungslegung. Die Finanzbeamten mussten alle Einnahmen und Ausgaben penibel dokumentieren. Beim Amtsantritt bürgten sie für ihre Rechnungsrichtigkeit mit einer Kaution und manchmal mit einer Vermögensverpfändung. Nach deren Tod wurde ihr Rechnungswerk analysiert. Solche Vorgehensweisen nahmen manchmal Jahre in Anspruch. Wurde die Rechnungsrichtigkeit festgestellt, so wurde ein so genanntes Absolutorium ausgesprochen, und die Erben konnten den Nachlass antreten. Blieben Schulden gegenüber dem Hofbudget, so hat man diese aus dem Vermögen des Beamten bezahlt, das nach seinem Tod inventarisiert und in einer Auktion zu Geld gemacht wurde. Wenn man die unbegründete Abwesenheit von der Station oder die Nachlässigkeit im Dienst als menschliche Fehler einstuft, dann wurden diese mit Verweisen und der Androhung der Suspendierung bestraft. Den Job und den Lohn zu verlieren, hätte dramatische Konsequenzen für den Betroffenen und für seine Familie gehabt. Also war eine solche Androhung etwas Ernstes. Die Degradierung oder Versetzung in einem nicht so bedeutenden Distrikt waren auch übliche Strafmaßnahmen. Veruntreuungen wurden mit Arrest bestrafft. Manchmal reichte nur die Anzeige, um in „Band und Eisen“ gelegt zu werden. Stellte sich bei der Untersuchung jedoch heraus, dass die Anschuldigungen nicht standhielten, wurde der Beamte rehabilitiert und wieder angestellt.

Wie war der Beamtenlohn? Was konnte man damit anfangen?

Die hochrangigen Positionen wurden sehr gut bezahlt. Der Gouverneur bekam einen Lohn von 6.000 Gulden im Jahr. Die Räte bekamen 1.500-1.800 Gulden im Jahr und konnten mit den Zulagen für Kommissionen auf 2.400-3.400 im Jahr kommen. Der Landkommissar und der Kassenkontrollor bekamen jeweils 600, der Administrationssekretär 300 und ein Kanzlist 200 Gulden. Da standen der Buchhalter mit 1.000 Gulden und die Buchhaltungsoffiziere mit 300-500 etwas besser. Löhne von 500 Gulden bekamen auch die Distriktsverwalter. Die Unterdistriktverwalter, die in den größeren Dörfern eines Distrikts residierten, verdienten zwischen 200 und 150 Gulden. Um 150 Gulden verdiente auch der Administrationsdolmetsch. Die Oberknesen bekamen 75 fl. und die Dorfknesen hatten keine Besoldung, waren aber für ihre Tätigkeit von Robot befreit und standen besser als die übrigen Dorfeinwohner da. Darüber hinaus genossen einige Beamte freies Quartier in Ärarial- und Militärgebäuden. Die, die in Bürgerhäusern einquartiert waren und Miete zahlten, bekamen einen Prozentsatz zurück. Davon profitierten auch die Subalternen. Naturalprodukte und Brennholz wurden auch verabreicht.

(Bearbeitung: Werner Kremm; Fortsetzung in unserer kommenden „Banater Zeitung“)

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