Gastronomie floriert auch auf dem Acker

Bewässerungssystem: marode und zweckentfremdet

Donnerstag, 05. September 2013

Extreme Wetterbedingungen können innerhalb einer kurzen Zeitspanne sowohl Überschwemmungen als auch Dürreperioden über ein- und dieselbe Region bringen. Deshalb sind Be- und Entwässerungssysteme immer wichtiger. In den Jahren nach der Wende wurden viele dieser Anlagen in Rumänien nicht mehr ausgebaut oder gar gepflegt. Kanäle sind meist mit Unkraut überwuchert, die sogenannten Pumpstationen existieren vielerorts nur noch auf dem Papier. Bekannt ist auch der Fall von vor einigen Jahren, als sich die Agentur für Bodenmelioration (ANIF) im Kreis Temesch Neuwagen zugelegt und Sekretärinnen angestellt hatte – die Investitionen blieben über weite Strecken aus, da ja inzwischen das Geld ausgegeben war. Solche Fälle erhalten nun neuen Nährstoff, nachdem der Landwirtschaftsminister Daniel Constantin verfügte, dass Kontrollen an den Anlagen zur Bodenmelioration im Verwaltungskreis Temesch durchgeführt werden. Aus einer Pressemitteilung des Landwirtschaftsministeriums geht hervor, dass auf Flächen und Grundstücken, die den Bewässerungs- und Entwässerungseinrichtungen zustanden, Wohnungen, Geschäftsräume und gar Hotels und Restaurants gebaut wurden.

ANIF hat das Bewässerungssystem im Kreis Temesch bereits vor Jahren zur kostenlosen Nutzung an fünf Gesellschaften weitervergeben. Das Sekundärsystem für Bewässerungs- und Entwässerungsanlagen sei derzeit nicht entsprechend instand gehalten und befinde sich in einem fortgeschrittenen Stadium des Verfalls, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. So wurden in der Temescher Zweigstelle für Bodenmelioration Mängel bei der Verwaltung und Nutzung der Bewässerungsinfrastruktur festgestellt und in Sachen Bodenmelioration erhebliche Mängel erkannt. Die Unregelmäßigkeiten gab es auf dem Gebiet der bei Temeswar liegenden Gemeinden Girok/Giroc und Neumoschnitza/Moşniţa Nouă. Durch die Zweckentfremdung wurden Änderungen an der einschlägigen Infrastruktur vorgenommen, die sich im Staatseigentum befindet. Der Rest der Be- und Entwässerungsinfrastruktur ist jedoch mittlerweile weitgehend vernichtet und die Gesetzgebung wurde in der gesamten Wertschöpfungskette missachtet: So haben die Nutznießer der Bewässerungsinfrastruktur ihre Verpflichtungen gegenüber der Direktion für Bodenmelioration aus dem Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung umgangen. Die vorhandene Infrastruktur wurde nicht regelkonform genutzt, aber auch die Wartung derselben verlief nicht entsprechend. Aus Bukarest soll nun geprüft werden, wer die Errichtung der Bauten genehmigt oder zumindest zugelassen hat.

Eine ähnliche missliche Lage fanden die Vertreter des Ministeriums bei ihrer Kontrolle der Bewässerungsanlagen im Kreis Ilfov vor. In über 20  Kommunen in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt wurden Verstöße gegen das Gesetz erkannt. Genauso wie im Kreis Temesch haben auch die zuständigen Behörden bei Bukarest große Teile des Geländes unrechtmäßig mit Wohnungen und Handelseinrichtungen bebaut und auch Tourismuseinrichtungen fehlen nicht. Noch schlimmer: Viele Anlagen  funktionieren nicht, weil Bestandteile der Pumpanlagen vernichtet oder gestohlen wurden, so der Hinweis in einer Pressemitteilung der Behörde für Bodenmelioration. Die weitgehend unbeaufsichtigten Bauten der Pumpstationen wurden zu 80 - 90 Prozent vernichtet.

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