Geburtsklinik Odobescu weiter in Untermiete

Problem: Wenn sich Ärzte fürs Ausland entscheiden

Mittwoch, 11. Mai 2016

Temeswar - Auf der Tagesordnung der letzten Sitzung des Temeswarer Stadtrats stand u.a. auch eine dringende städtische und gemeinnützige Angelegenheit, die keinen Aufschub duldete: Der Stadtrat beschloss die ausgelaufenen Mietverträge für die Temeswarer Geburtsklinik „Dr. Dumitru Popescu“, im Volksmund Odobescu-Geburtsklinik, in der Temeswarer Josefstadt bis 2018 zu verlängern. Die dem Stadtkrankenhaus zugehörige Geburtsklinik befindet sich nämlich seit 2005 in zwei Gebäuden, an der Odobescu-Straße Nr. 1 und an der Straße des 16.Dezember 1989 Nr. 24, in Untermiete. Es handelt sich um Räume mit einer Nutzfläche von insgesamt 2500 Quadratmetern. Mit dem Einverständnis der beiden Privateigentümer, darunter auch die Stiftung „Caritatea“ der jüdischen Gemeinschaft, wurden diese Räume nach der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von fünf Jahren weiterhin bis heute an die Stadt Temeswar vermietet. Gemäß des neuen Mietvertrags bezahlt die Stadt Temeswar nun dafür eine Monatsmiete von 6252 Euro. Einer der Eigentümer, die Stiftung „Caritatea“, versucht jedoch schon seit 11 Jahren einen Käufer für das dreistöckige Gebäude an der Straße des 16. Dezember 1989 Nr. 24, 2129 Quadratmeter Nutzfläche plus 797 Quadratmeter unbebaute Fläche, zu finden. Auch heuer hat die Stiftung in Erwartung eines eventuellen Käufers dem Untermieter eine Frist bis zum 31. Mai gesetzt.

Seit Jahren versucht die Stadtverwaltung, bisher mit wenig Erfolg, die chronischen Finanzierungsprobleme dieser Klinik zufriedenstellend zu lösen. Mit dem Anschluss 2011 an die Struktur des Stadtkrankenhauses konnten nicht gleichzeitig auch alle anderen Probleme gelöst werden. Die größten Sorgen bereitet selbstverständlich der Sitz dieser Klinik in zwei rückerstatteten Altbauten, was  jährlich hohe Mietsummen aus dem Stadthaushalt verschlingt. Für das Temeswarer Stadtkrankenhaus scheint das jedoch eher die Regel zu sein: Die 27 Abteilungen des Krankenhauses, mit einer Gesamtkapazität von 1025 Krankenbetten, sind überall in der Stadt verstreut, auf zehn Sitze und 13 Gebäude, ein Großteil davon (darunter Augen- und Onkologie-Klinik) in rückerstattenen Altbauten, also in der gleichen schwierigen Situation wie die Geburtsklinik. Hinzu kommt noch ein allgemeines Problem, das leider fast allen Temeswarer Krankenhäusern eigen ist: Etliche Ärzte und Krankenschwestern haben sich in den letzten Jahren verstärkt für einen besser bezahlten Job in den Privatkliniken oder gar im Ausland entschieden. 

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