Gedankenaustausch als Brückenschlag zwischen den Völkern

Deutsch-Europäisches Bildungswerk Hessen veranstaltete Seminar im Banat

Freitag, 29. September 2017

Ein Seminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerks Hessen brachte eine Gruppe aus Deutschland ins Banat. Hier lernten die Teilnehmer Land und Leute kennen.
Foto: Zoltán Pázmány

Für die einen war und ist das Banat ein Stück Heimat, die anderen wiederum konnten während der einwöchigen Seminarreise die Westregion Rumäniens zum ersten Mal erleben: Ein Seminar des Deutsch-Europäischen Bildungswerks Hessen führte vor Kurzem etwa 30 Menschen aus Deutschland nach Rumänien, um hier anhand von Referaten und persönlichen Gesprächen Land und Leute kennenzulernen. Das Seminar gliederte sich in die Reihe „Begegnung und Verständigung“ ein und hatte als Thema den „grenzüberschreitenden Gedankenaustausch als Brückenschlag zwischen den Völkern im gemeinsamen Europa“. Es war eine volle Woche, mit zahlreichen Begegnungen und Besichtigungen. Nun heißt es für die Teilnehmer, zu Hause, in Deutschland, die neu gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten.

„Ich fand diese Woche absolut schön. Die Deutschen im Banat sind energiegeladen und sprühen nur so vor Zukunftsplänen. Wir waren sehr beeindruckt“, sagte Adelheid-Charlotte Nebl, die seit 1982 in Deutschland lebt. „Wir sind zwar in Deutschland zu Hause, aber die Heimatstadt ist und bleibt Temeswar“, fügte sie hinzu. Die 29-jährige Verena Meinhardt aus München war die jüngste Seminarteilnehmerin. „Das Programm war sehr umfangreich. Ich war das erste Mal in Rumänien und dabei auch ein bisschen auf den Spuren meines Vaters unterwegs gewesen. Mein erster Eindruck war sehr positiv. Ich hatte natürlich nicht den Anspruch gehabt, hier alles so vorzufinden, wie es in Deutschland ist, aber gerade Temeswar ist sehr schön und ich werde ganz bestimmt wiederkommen“, sagte Verena Meinhardt. Auch für Cornel Simionescu-Gruber, der aus Südrumänien stammt, war die Reise bereichernd. „Ich habe vieles über die Geschichte der Banater Schwaben und der Stadt Temeswar nicht gewusst. Die Reise war sehr interessant“, schlussfolgerte er. Cornel Simionescu-Gruber, von Beruf Elektriker, lebt seit 1986 in Deutschland. Die wichtigsten Momente des Banat-Seminars nahm er mit seiner Fotokamera auf.

Auf dem Programm standen verschiedene Treffen mit Vertretern der deutschen Minderheit im Banat. Es gab Gespräche im Temescher Kreisratsgebäude, in der Nikolaus-Lenau-Schule, im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus, im Deutschen Staatstheater Temeswar, im Kunstmuseum und in der Gedenkstätte der Revolution. Die Gruppe fuhr nach Lenauheim, Hatzfeld, Orawitza, Reschitza, Lugosch, Großsanktnikolaus, Maria Radna und Neuarad. Reiseleiter war ADZ-Redakteur Werner Kremm, der den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viele Informationen über das Banat und Rumänien mit auf den Weg gab. „Ich fand das Seminar sehr interessant. Ich besuche das Banat öfters, trotzdem war diesmal viel Neues dabei“, sagte Johanna Anita Maurer, die ursprünglich aus Schöndorf/Frumuşeni im Kreis Arad kommt. Zu den Teilnehmern gehörten auch Leute, die überhaupt keine Verbindung zu Rumänien hatten. „Ich habe die Reise als sehr positiv empfunden. Ich habe immer noch einen Nachholbedarf, denn jahrelang durfte man nur im Westen verreisen. Das ist meine zweite Reise nach Rumänien und ich komme sehr gern hierher. Man kann sich hier wohlfühlen“, sagte Wilhelm Muck, der aus dem Egerland in Böhmen stammt und zurzeit in Frankfurt, Deutschland, lebt.

„Wir haben das Banat von den unterschiedlichsten Seiten kennengelernt. Wir waren auf Temeswar eingestellt, aber die Überraschung kam von außerhalb, aus den kleineren Städten. Wir hatten viel mit dem Demokratischen Forum der Deutschen zu tun und da haben wir auch die Unterschiede kennengelernt, die es zwischen den einzelnen Ortschaften gibt: zum Teil sind die Menschen sehr aktiv, zum Teil gibt es aber auch resignierte Leute“, sagte Seminarleiter Georg Stolle, Bürgermeister a. D. in Bensheim. Das Deutsch-Europäische Bildungswerk Hessen, das das Banat-Seminar veranstaltete, gilt als „Brückenbauer“ zu den östlichen Nachbarn und organisiert zeitweilig Begegnungen „von Mensch zu Mensch“, bei denen Kontakte geknüpft werden. Verfolgt werden ein besseres Verständnis der Volksgruppen und die Steigerung der Hilfsbereitschaft im gemeinsamen Europa.

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