Gedenken an Franz Stürmer

Am 3. Januar sind es 100 Jahre seit der Geburt des Musikers

Freitag, 28. Dezember 2012

Reschitza - „Auf Initiative von Yvonne Demenyi, Terezia Schulz, Gerda Chladny, Anna Stuiber und Eleonore Caplea fand am 27. Mai l. J. die Gründung der Gesanggruppe des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins Deutsche Vortragsreihe Reschitza statt.

Diese Gesanggruppe, bestehend zurzeit aus 20 Frauen, trachtet in Zukunft das deutsche Liedgut zu fördern, alte wie auch neue Lieder vorzutragen, in der Gemeinschaft des Vereins dazu beizutragen, engere menschliche Kontakte zu schließen.” So stand es im „Echo der Vortragsreihe”, Jg. 2, Nr. 6 (18), Juni 1991. Es ist die erste Information über die Existenz dieser damals neuen deutschen Kulturgruppe in Reschitza. Eigentlich kam die Initiative zur Gründung des Chors anlässlich einer Reise nach Graz, Neumarkt und Böheimkirchen zustande, die im Mai 1991 von den Banater Berglanddeutschen unternommen wurde.

Die Zeit verging und die Mitglieder wünschten sich einen Namen für den Chor. Im Einvernehmen mit ihnen und mit der Leitung des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen hat der Leitungsrat des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza” am 15. Dezember 1999 beschlossen, der Frauensinggruppe des Reschitzaer Kulturvereins den Namen „Franz Stürmer” zu geben. Die Frauensinggruppe bekam somit den Namen eines der bedeutendsten deutschen Chordirigenten des Banats im 20. Jahrhundert.

Franz Stürmer wurde am 3. Januar 1913 in Neumoldowa (Eltern: Alfred und Elisabeth Stürmer, geb.Tangel) geboren. Er war Schüler des deutschen Realgymnasiums in Temeswar und studierte anschließend an der Klausenburger Musikhochschule. Ab 1939 und bis zu seinem Lebensende wirkte Franz Stürmer als Musikpädagoge, mit einer einzigen Unterbrechung in den Jahren 1944 - 1945, als er an der Front seinen Militärdienst in der rumänischen Armee, hauptsächlich als Dolmetscher, leistete. Als Musiklehrer wirkte er vor dem Krieg an der „Banatia“ in Temeswar, danach am deutschen Realgymnasium  (heute „Nikolaus Lenau“-Schule) und ab 1963 an der Reschitzaer Musikschule (heute Lyzeum für Musik und bildende Kunst, kurz „Kunstlyzeum“).

Während seines Temeswarer Aufenthalts war er Mitglied der Temeswarer Staatsphilharmonie (er spielte die Viola), leitete mehrere Gewerkschaftschöre und den Bauernchor von Chizătău bei Lugosch, mit dem er zahlreiche Preise errang.
In Reschitza hat Franz Stürmer ebenfalls als Dirigent gewirkt: des Schülerchors der Musikschule, des römisch-katholischen Kirchenchors, des Chors der deutschen Operettengruppe, des Arbeitersinfonieorchesters und des Kammerorchesters der Lehrkräfte der Musikschule. Franz Stürmer komponierte Stücke, die er mit den von ihm dirigierten Chören vortrug. Auch hat er einige deutsche Volkslieder aus dem Banater Bergland für den Chorvortrag bearbeitet.

Prof. Franz Stürmer hat im Hausquartett der römisch-katholischen Pfarrei bei und mit Msgr. Paul Lackner (zusammen mit Emil Kummergruber, Ladislaus Hunyadi, Karl Ludwig Lupşiasca u. a.) die erste Geige gespielt und im Orchester des Kirchenchores mitgemacht (das damals von Emil Kummergruber dirigiert wurde). Er hat auch den Chor der Deutschen Operettengruppe in den letzten Jahren geleitet. Gelegentlich hat er auch bei einigen Vorstellungen das Orchester dirigiert.
Er starb im Alter von 70 Jahren am 14. Oktober 1983, d. h. im selben Jahr, wo wir das Jubiläum 60 Jahre deutsche Operettengruppe in Reschitza gefeiert haben. Bei der Trauerfeier sprach Dipl.-Ing. Oskar Ferch, der Organisator der Reschitzaer Operettengruppe. Msgr. Paul Lackner kam damals persönlich zur Beerdigung und unsere Chormitglieder von der Bass-Stimme (Peter Komora, Josef Sänger und Andreas Fuhrmann) sangen mit Paul Lackner das lateinische Totenlied des römischen Ritus.

Im Privaten ist er als Mensch besonders zu loben. Er hat seine hochbetagte Mutter selber und allein gepflegt. Sie überlebte ihn, aber starb bald nach seinem Tod im Alter von gut über 90 Jahren. Elisabeth Stürmer  stammte aus einer alten adeligen Familie und hatte das Recht, das Adelsprädikat „von“ vor ihrem Familiennamen zu tragen.
Prof. Franz Stürmer war ein hervorragender Musiker, ein guter Musikpädagoge und ein witziger Mann mit gutem, feinem Humor.

Am 3. Januar 2013 gedenken die Banater Berglanddeutschen und besonders der „Franz Stürmer“-Chor seines Namensgebers anlässlich von dessen 100. Geburtstag.
Die offizielle Gedenkfeier findet am 9. Januar 2013, ab 16 Uhr in der Deutschen „Alexander Tietz“-Bibliothek statt. Am selben Tag gedenkt man dort auch des 115. Geburtstags von Alexander Tietz.

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