Gedenkveranstaltung für die ehemaligen Russlanddeportierten

Zeitzeugen und Nachkommen sollen von der Deportation berichten

Samstag, 21. Januar 2012

Dietlinde Huhn leitet das Demokratische Forum der Deutschen in Großsanktnikolaus. Foto: Zoltán Pázmány

Großsanktnikolaus – Ihr Leid darf nicht in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund wird in diesem Jahr zum ersten Mal ein Treffen der ehemaligen Russlanddeportierten und ihrer Nachkommen in Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare organisiert. Die Zeitzeugen selbst, ihre Kinder und Enkelkinder sollen zusammenkommen und davon berichten, was 1945 und in den Jahren danach die in die Sowjetunion verschleppten Deutschen aus Rumänien erleiden mussten. Die Idee dazu hatte Dietlinde Huhn, Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Großsanktnikolaus und stellvertretende Schulleiterin der Allgemeinbildenden Schule Nr. 2.
 

Eine Heilige Messe für die ehemaligen Russlanddeportierten findet am 29. Januar, dem letzten Sonntag im Monat, in der römisch-katholischen Kirche aus Großsanktnikolaus statt. Zelebrant ist Ortspfarrer Johann Ghinari. „Es gibt nur noch vier Russlanddeportierte in Großsanktnikolaus und die sind alt und krank. Wenn schlechtes Wetter ist, müssen wir umdisponieren. Wir haben uns überlegt, eine Begegnung für die Nachkommen zu organisieren, um das Leid dieser Menschen wach zu halten und die Informationen auch an die junge Generation weiterzugeben“, sagt Dietlinde Huhn.

Die Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Großsanktnikolaus wünscht sich, dass die Bürger der Temescher Kleinstadt über die Verschleppung der Rumäniendeutschen informiert werden. Aus diesem Grund soll auch das andersnationale Publikum bei dem Ereignis dabei sein.

Im Januar 1945 begann die Deportation von etwa 70.000 Deutschen aus Rumänien in die damalige Sowjetunion, als Vergütung für die Kriegszerstörungen. Alle arbeitsfähigen Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren sowie alle Frauen zwischen 18 und 30 Jahren wurden für fünf Jahre zu Zwangsarbeit - überwiegend in die Bergwerke und Schwerindustrie der Ukraine, aber auch in den Kaukasus – verschleppt.

Mehr als ein Viertel dieser Menschen kam wegen den prekären Lebensbedingungen in der Sowjetunion ums Leben. Allein aus dem Banat wurden 33.000 Schwaben deportiert.

Die meisten der ehemaligen Russlanddeportierten, die heute noch am Leben sind, erinnern sich ungern an die Deportation und wollen nicht darüber erzählen. „Diesen Wunsch habe ich dann auch respektiert und es gab immer nur Gedenkmessen für die Russlanddeportierten. Jetzt wollen wir aber so langsam eine andere Variante der Gedenkveranstaltungen erproben“, sagt Dietlinde Huhn.

Heute leben in Rumänien noch etwa 1.500 ehemalige Russlanddeportierte. Im Kreis Temesch/Timiş sind es 150. In Temeswar/Timişoara und Reschitza/Reşiţa werden jährlich Treffen der ehemaligen Russlanddeportierten veranstaltet, nun soll auch in Großsanktnikolaus an das schwere Los dieser Menschen erinnert werden. Wann das Treffen der ehemaligen Russlanddeportierten und ihrer Familien in Großsanktnikolaus stattfindet, steht noch nicht genau fest. Die Begegnung soll einen Tag vor oder nach der Heiligen Messe, die für den 29. Januar programmiert ist, stattfinden - je nachdem, wie das Wetter wird.

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