Gefahr durch mobile Rüttler

Hinweise auf Schäden an Kulturgütern durch Erdgaserkundungen in Südsiebenbürgen

Mittwoch, 27. November 2013

Hermannstadt - Vermutungen kursierten schon länger, dass durch die seit dem Sommer stattfindenden Erdgas-Erkundungen auch Kulturgut geschädigt worden sein könnte. Dieser Verdacht erhärtete sich bei einem Vor-Ort-Besuch von Martin Bottesch, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen, Dr. Bernd Fabritius, Vorsitzender des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, und Hans Gärtner, dem Vorsitzenden des HOG-Verbands.

Konkrete Hinweise auf Schäden fanden die Drei in Waldhütten/Valchid, einem kleinen Dorf in einem linken Seitental der Großen Kokel/Târnava Mare. Die dortige Kirchenburg wird mit Geldern der Europäischen Union im Rahmen des 18-Kirchenburgen-Projektes des Landeskonsistoriums der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien saniert. Im Juli ließ das Unternehmen SC Prospecţiuni SA im Auftrag des Mediascher Gasunternehmens Romgaz mobile Rüttler auf der Hauptgasse auffahren.

„Da kamen übereinstimmende Berichte von allen Bewohnern, mit denen wir in der Hauptgasse gesprochen haben, die besagten, dass dort Erschütterungen durch Maschinen hervor gerufen wurden, und dass die Nähe der Kirchenburg nicht gemieden wurde“, informierte Bottesch. Die schweren Fahrzeuge mit Rüttelplatten seien weniger als 100 Meter entfernt von dem Baudenkmal platziert gewesen. In der Folge lösten die Maschinen künstliche Erschütterungen aus, um durch die entstandenen Schallwellen auf etwaige Erdgasvorkommen im Untergrund zu schließen. In den Häusern der Anwohner haben die drei Männer Schäden festgestellt, die „höchstwahrscheinlich“ durch diese Erschütterungen hervorgerufen bzw. verstärkt worden sind.

In Augenschein genommen wurden laut Fabritius „erkennbar neue“ Strukturschäden an Häusern, beispielsweise Risse in Kellergewölben. Ein Bewohner präsentierte ein Schreiben der Nationalen Agentur für Rohstoffe/Agenţia Naţională pentru Resurse Minerale vom 31. Oktober, das die Durchführung der Arbeiten im Ortsinneren von Waldhütten erwähnt. Im Brief wird ebenso der Eingang einer Schadensanzeige durch den betroffenen Bürger bestätigt und Entschädigungen durch die Erkundungsfirma in Aussicht gestellt.

Tatsächlich erhielten einige Anwohner „Entschädigungen“, so Fabritius. Zwischen 300 und 700 Lei lagen die Zahlungen, die man in Gesprächen mit vier Anwohnern genannt bekam. Der Eigentümer des Hauses mit den Kellerschäden, deren Reparatur die genannten Beträge vermutlich deutlich übersteigt, hat bisher weder Ausgleich bekommen noch Besuch eines Schadensgutachters.

Bottesch teilte mit, dass man gemeinsam mit dem Abgeordneten des Forums, Ovidiu Ganţ, das weitere Vorgehen abstimmen werde. Ganţ habe diesbezüglich bereits Anfragen an verschiedene Ministerien gestellt. Auch der jüngst in den Bundestag gewählte Fabritius wird sich nach eigener Aussage dafür einsetzen, dass im Zuge der Erkundungen keine Kulturdenkmäler beschädigt werden, zumal wenn sie – wie in Waldhütten derzeit – mit öffentlichen Geldern - saniert werden. 

Neben Waldhütten besuchten die drei Männer noch Meschen/Moşna, wo sie mit dem Schuldirektor und Willy Schuster sprachen. Dabei seien Sie auf Schäden an Häusern in Almen/Alma Vii aufmerksam gemacht worden, die bei einem Besuch vor Ort jedoch nicht zweifelsfrei auf Erkundungsmaßnahmen zurück geführt werden konnten.

Kommentare zu diesem Artikel

hans hedrich, 27.11 2013, 18:24
die strukturschaeden an den haeusern in waldhuetten gehen eindeutig auf die maschinen mit den ruettelplatten zurueck; jene am haus in almen miyt sicherheit auch, allerdings hat der besitzer entschaedigungsversprechen bekommen, so dass er nicht so offen reden wollte. trotzdem hat er wortwoertlich gesagt, die rissen seien nach dem einsatz de 'erdbebenmaschinen' aufgetaucht.

aehnliche risse gibtes auch am orthodoxen pfarrhaus in felsendorf/florest bei lasseln/lasle sowie in martinsdorf/metis (an 2 ehem. sachsenhaeusern, die heuete von roma bewohnt werden und schon in einem rel. morschen zustand waren). der einzuhaltende obligatorische mindestabstand zwischen ruettelmaschienen und haeusern ist laut projektantrag der erkundungsfirma 20-50m, je nach alter der bausubstanz.
Armin, 27.11 2013, 15:12
Hätte er geahnt, welch erschütternde Wirkung von den Schiefergasbohrungen ausgeht, wäre die Entscheidung des Herrn Michael Schmidt, das Pfarrhaus von Deutsch-Kreuz abreißen zu lassen, womöglich anders ausgefallen.

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