Gegensätze ausgleichen

Sonntag, 03. März 2019

Der Portier eines vornehmen Stadthotels kam am Ende seines langen Dienstes nach Hause. Zu seiner Überraschung teilte ihm seine Frau mit, dass sie ihn verlassen werde. Äußerst betroffen fragte er sie nach dem „Warum?“. Sie lebten doch friedlich und einträchtig zusammen. Die Frau sagte: „Ich habe heute dein anderes Gesicht gesehen und bin darüber entsetzt. Zufällig kam ich an deinem Hotel vorbei und sah, mit welcher Arroganz du in deiner goldbetressten Uniform einen Stadtstreicher davongejagt und Kinder verscheucht hast. Ich sah, wie untertänig du deinen Chefs gegenüber bist und wie selbstgefällig du deinen Dienst verrichtest. Mit einem solchen Mann will ich nicht länger zusammen sein!“ Von diesem Tag an änderte der Mann sein Verhalten. Er wurde freundlich, zuverlässig und bescheiden. Sein Wille, gut zu sein, verhalf ihm zur heilsamen Veränderung.

Wer hat noch nicht Menschen kennengelernt, die „doppelbödig“ sind? Wir Deportierte in Russland nannten solche Menschen „Radfahrer“. Der Radfahrer beugt sich mit dem Kopf über die Lenkstange, tritt aber mit den Füßen die Pedale. Leute von uns, die von den Offizieren zu Leitposten erhoben wurden, handelten ähnlich. Vor den Offizieren katzbuckelten sie, uns Machtlose traten sie mit Füßen.

Leider stirbt diese Art von Menschen nicht aus. Aber dieses Verhalten kann den Menschen weder groß, noch gut machen. Wahr ist das Sprichwort: „Zwerg bleibt immer ein Zwerg und stünd' er auf dem höchsten Berg!“ Es ist so: Wahre Größe ist selten stolz, Mittelmäßigkeit selten bescheiden. Besitzen nicht auch wir ein Erbteil von beiden Seiten? Wir sind offen für Freunde, verschlossen gegen Fremde. Wir entschuldigen die Fehler der uns sympathischen Menschen und verurteilen scharf die Fehler der Unsympathischen. Noch schlimmer wird es, wenn wir uns für bessere Menschen halten als alle übrigen. Ein Satiriker stellt das so dar: „Ja, Freund, du hast natürlich recht! Die Welt ist ganz erbärmlich schlecht! Jeder Mensch ein Bösewicht, nur du und ich, natürlich nicht!“

Christus will uns vor solch falschen Eigenschaften bewahren: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!“ Wir müssen bei der Besserung der Menschen bei uns selbst anfangen. Das heißt: Den Eigendünkel abbauen und den Respekt vor dem Mitmenschen aufbauen.
Die beste Motivation dazu gibt uns ein gelebter christlicher Glaube. Der große Denker Pascal deutet es so: „Das Christentum ist seltsam: Es gebietet dem Menschen anzuerkennen, dass er niedrig und sündig ist. Zugleich leitet es ihn an, Gott ähnlich zu werden. Ohne dieses Gegengewicht würde ihn die Erhebung furchtbar eitel machen oder die Erniedrigung ihn in Verzweiflung stürzen!“

Ein Manager kam zu einem erfahrenen Pädagogen und bat ihn um Rat in schwierigen Personalfragen. Er sagte: „Wo viele Menschen zusammenarbeiten, gibt es immer wieder Menschen, deren Temperamente und Charaktereigenschaften nicht miteinander harmonieren. Wie kann ich solche Menschen zur Zusammenarbeit beeinflussen?“ Der Pädagoge sagte: „Betrachte den Kochtopf. Zwar vermag sein dünner Boden die feindlichen Elemente Feuer und Wasser nicht zu versöhnen, aber er verhilft ihnen zur verträglichen Zusammenarbeit, die Gutes bewirkt. Doch mischt er sich nicht in ihre Eigenheiten ein. Er lässt das Wasser Wasser sein, und das Feuer brennt so heiß wie immer!“

Der Kochtopf bringt die entgegengesetzten Elemente Feuer und Wasser zur Zusammenarbeit, ohne ihre Eigenschaften zu verändern. Der geistige Kochtopf, der uns Menschen, trotz aller Verschiedenheiten, zum gemeinsamen Wirken bringen kann, heißt „guter Wille“. Böser Wille bewirkt Überheblichkeit, Kritiksucht, Besserwisserei und erschwert oder zerstört das Zusammenarbeiten und Zusammenleben. Die richtige Lebensweise des guten Willens hat uns Christus vorgelebt. Über Ihn schreibt der Apostel Petrus: „Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht. Er litt, drohte aber nicht!“ Was ihn beseelte, war sein Heilswille für alle. Treten wir in seine Fußstapfen! Mit dem guten Willen werden Gegensätze ausgeglichen und zur Zusammenarbeit gebracht.

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