Geht Josefstädter Wasserturm in Privathand?

USL-Stadtverwaltung sucht neue Einnahmensquellen

Mittwoch, 12. September 2012

Der Josefstädter Wasserturm- eine Stadtattraktion seit 100 Jahren Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar - Die neue USL-Stadtverwaltung versucht nach einer langen Amtszeit der Bauernpartei im Temeswarer Rathaus zu eigenen Verwaltungskonzepten zu finden. Leider ist in der Begaststadt viel Dringendes und noch mehr Nachholarbeit zu machen. Eine hitzige Debatte im Stadtrat über die Konzession von Grundflächen, den Verkauf von stadteigenen Bauten brachte u.a. auch das jahrealte Gespräch über das Schicksal der  Josefstädter Wasserturms auf das Tapet. Es gehört wohl nicht zu den vitalen Wirtschaftsprojekten. Der 1914 am rechten Begaufer in der Josefstadt von Stadtarchitekt Laszlo Syekely errichtete Wasserturm ist den waschechten Temeswarern jedoch als Stadtsymbol und Geschichtsdenkmal wie etwa die Theresienbastei, das Wasserwerk, die Feuerwehrkaserne oder sein Zwilling, der Wasserturm aus der Fabrikstadt, ans Herz gewachsen. Wie alles, was sich um den Begakanal dreht.

Im Klartext: Eigentlich ist die neue Stadtverwaltung fieberhaft auf der Suche nach neuen Einkommensquellen. Die Stadtdirektion für Stadterbe untersucht derzeit alle stadteigenen Bauten, die nur Ausgaben und Kosten verursachen jedoch keinerlei Einnahmen bringen. Und da geht es auch an die zahlreichen Geschichtsdenkmäler. Die Konzession, die Vermietung, der Verkauf könnte diesen sterilen Stadtbesitz, so Bürgermeister Nicolae Robu auch über den Wasserturm, sanieren, retten und wieder funktionsfähig machen.

Die Befürworter dieses Beschlusses aus dem Stadtrat führen als Argumente auch die jährlich hohen Kosten der Instandhaltung ins Feld.

Die Gegner, darunter auch Historiker Ioan Haegan, fuhren als Gegenargumente an, dass diese wertvollen Altbauten im Fall eines Verkaufs von den neuen Besitzern umfunktioniert aber dazu innen und, was am schlimmsten ist, auch aussen nach Gutdünken umgebaut werden. Es gibt etliche derartige Beispiele, so das Mühle- Haus.

Der Verkauf, die Sanierung und Umfunktionierung des Josefstädter Wasserturms gehen insoweit in Ordnung, meint Stadthistoriker Hategan, eventuell mit inneren Änderungen, die kleinste Änderung oder sogenannte Modernisierung der historischen Fassade  an diesem Stadtwahrzeichen ist per Gesetz verboten.

Der zyllinderförmige Wasserturm, 638 Quadratmeter Nutzfläche, 52 Meter Höhe, mit Kuppeldach und rechteckigen Fenstern, seit 1940 ausser Betrieb und in Stadtbesitz -sein Zwilling gehorte der 1.Juni-Fabrik und ist nun im Besitz der Tender-Firmengruppe- von Aquatim verwaltet, ist derzeit fast bis zur Hälfte mit Efeu umwachsen. Der malerische, recht guterhaltene Bau bietet sich gerade als touristische Attraktion an. Ausländische Besucher wundert es sehr, dass man dieses Kleinod einfach liegenlässt und nicht verwertet. Im November 2011, die BZ berichtete darüber, führte Aquatim gemeinsam mit den Temeswarer Architekturstudenten des V. Jahrgangs eine Debatte zur Umfunktionierung dieses Baus mit dem Versuch, den Stadtvätern mehrere  Projekte anzubieten.

Die angehenden Architekten führten es in einer Expo vor, was in anderen Herren Ländern schon langst Realität ist: Ein Museum der Wassertechnik, ein Aquarium, eine Gaststätte, Kafeestube oder Konditorei und gar Fitness Center mit Sauna, Bodybuilding, Jacuzzi sind demnach keine futuristische Projekte mehr.Wenn sich nun interessierte Unternehmer heranwagen, werden bestimmt auch diese Ideen und Projekte der Studenten geprüft werden. Sicherlich wird ein eventuelles Privatprojekt von der touristischen Anziehungskraft des Wasserturms ausgehen und den Versuch machen, diesen Altbau in das wohl beliebteste Temeswarer Zukunftsprojekt, der Schiffbarmachung der Bega, einzugliedern.

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