Gelungene Projektumsetzungen als Bestätigung und weiterer Ansporn

Rückblick 2015 auf die Tätigkeit des Mihai Eminescu Trust

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Stiftung unterstützt auch kommunalwirtschaftliche Initiativen, z. B. in Felsendorf/Floreşti.

MET-Projekte fördern alte Handwerktraditionen, z. B. in Deutsch-Weißkirch das Herstellen von Lehmziegeln.
Fotos: Mihai Eminescu Trust

Für den Mihai Eminescu Trust (MET) war 2015 ein erfolgreiches Jahr, ein Jahr, in dem diese Stiftung ihre Tätigkeit ausbauen konnte, neue Projekte initiierte, weitere Dorfgemeinschaften für den Erhalt ihres materiellen und immateriellen Kulturerbes gewinnen konnte. Dabei stehen die Menschen im Mittelpunkt, die Nutznießer dieses Einsatzes zur nachhaltigen Entwicklung ihrer Heimatortschaften sind. Über die wichtigsten Projekte, die im Vorjahr umgesetzt oder angegangen wurden, über das Team, das dahinter steckt, berichtet der jüngste MET-Newsletter.


Dank für Zusammenarbeit und Vertrauen

MET-Direktorin Caroline Fernolend äußert in ihrem Grußwort ihre Freude und Dankbarkeit, dass sie seit Beginn der Stiftungstätigkeit im Jahre 2000 mit dabei ist und so miterleben konnte, wie die rund 1200 größeren und kleineren Projekte in diesen fünfzehn Jahren die Stiftung wachsen ließen, ihren Bekanntheitsgrad steigerten und neue Freunde und Partner im In- und Ausland gewinnen konnte. Mit dem immer weiter reichenden Tätigkeitsfeld sind auch das MET-Mitarbeiterteam gewachsen sowie die Fachkompetenz, die vorausgesetzt werden muss.

Die mit der Projektumsetzung verbundene Arbeit, die gesammelten Erfahrungen, die zwischenmenschlichen Kontakte und vor allem die Genugtuung bei Erfolgen sowie positive Eindrücke, aber auch nicht zu vermeidende Sorgen werden von den Projektmanagern und anderen Mitarbeitern in Kurzberichten vorgestellt. Caroline Fernolend vergisst nicht, all jenen zu danken, die der Stiftung beistehen: „Ich richte meinen herzlichen Dank an alle unsere Partner aus dem In- und Ausland, an die EU-Behörden, an Privatpersonen, an Nichtregierungsorganisationen und an die Behörden und Institute, die sich für die Pflege des Kulturerbes einsetzen. Viele von ihnen begleiten und fördern uns seit geraumer Zeit. Ich möchte ihnen allen für das in uns gesetzte Vertrauen danken.“
 

Für ein eigenständiges Dorf

Die MET-Projekte orientieren sich nach klaren Prinzipien, die auf der eigenen Webseite erläutert werden. Es geht um das Konzept des eigenständigen Dorfes, also Unterstützung für Dorfgemeinschaften, die ihr historisches und kulturelles Erbe, ihre Traditionen, zu denen auch vom Verschwinden bedrohte alte Handwerke gezählt werden können, erkennen, bewahren und auch verwerten können. Damit verbunden ist auch jener Tourismus, der das authentische Dorfleben, dessen Traditionen mit der Besichtigung historischer Sehenswürdigkeiten (Kirchenburgen, Kirchen) und mit aktiver Freizeitgestaltung in möglichst naturbelassener Landschaft (Wandern, Radfahren, Reiten) kombiniert.

Direktorin Fernolend weist dabei aber immer wieder darauf hin, dass der Tourismus nicht das Hauptziel darstellt, sondern eben ein Faktor, eine Folgewirkung des Wiederauflebens dieser Ortschaften bleibt. Ein inzwischen international bekanntes Beispiel für die Wandlung eines kleinen, abgelegenen Dorfes in ein gut besuchtes Reiseziel, wo evangelische Kirchenburg, siebenbürgisch-sächsisches traditionelles Dorfbild, herkömmliche Viehzucht, Wollsockenstricken und auch Brennen von Lehmziegeln anzutreffen sind, ist Fernolends Heimatdorf Deutsch-Weißkirch/Viscri – selbst wenn da die Mehrzahl der nach 1989 ausgewanderten Siebenbürger Sachsen inzwischen durch die Romagemeinde ersetzt wurde. Regelrecht als sensationell kann der Beitrag des englischen Kronprinzen Charles zum internationalen Ruf Deutsch-Weißkirchs bezeichnet werden. Charles weilt da oft zu Besuch und hat auch ein altes, inzwischen entsprechend renoviertes Haus gekauft. Er war bekanntlich jahrelang auch der Schirmherr des in Großbritannien gegründeten „Mihai Eminescu Trust“.

Aber nicht nur Weißkirch kann heute als Vorzeigemodell einer nachhaltigen Entwicklung gelten, die für und mit den Dorfbewohnern geplant und umgesetzt wird. Malmkrog/Mălâncrav, Almen/Alma Vii, Deutschkreuz/Criţ sind weitere Dörfer, die sich für eine Mitarbeit mit der MET offen gezeigt haben und nun auf die damit verbundenen Wandlungen stolz sein können. Im Newsletter werden dort umgesetzte Projekte beschrieben: In Almen gab es interaktive Workshops zum Thema Dorftraditionen und Restaurierung sowie die nutzungsbedingte Neugestaltung des Kirchenburgraumes. Dabei wurden auch die Kinder angesprochen, denn ihre Zukunft im Heimatdorf kann niemanden gleichgültig lassen. In Malmkrog wurden das Dorf, die Bauernhöfe, die drei Kirchen (orthodox, römisch-katholisch und evangelisch), das von MET restaurierte Apafi-Herrenhaus für Touristen „geöffnet“, sodass diese hier einen bleibenden Eindruck vom Dorfleben erhalten, angefangen von alltäglichen Arbeiten in einer traditionellen Bauernwirtschaft (sogar mit einem Einblick in Großmutters Küche und Kochkünste) bis zu alten Handwerktraditionen wie z. B. der eigene Webstuhl oder das Herstellen von Ziegel und Dachziegel. Die Roma wurden nicht ausgelassen: Sie sind und bleiben Meister im Korbflechten.

In anderen Ortschaften: Hamruden/Homorod, Birthälm/Biertan, Meschen/Moşna gab es Workshops zu Themen wie nachhaltige Landwirtschaft, Erhalt und Verwertung gesunder Fruchtsorten. Obstschulgärten werden auch in Brăduţ und Vârghiş eingerichtet. „Plant for the Planet“ heißt ein Programm einer bekannten Hotelkette, die mit MET-Unterstützung abgewickelt wird. In Reichesdorf/Richiş entschlossen sich die Dorfbewohner für das Pflanzen von Linden-Setzlingen, die auch für die Honigherstellung wichtig sein werden. „Das Tal soll voller Lindenblüten und ihrem Duft sein“, wünschten sich die Bewohner, die in einem freiwilligen Einsatz gemeinsam an die Arbeit gingen, wobei manche von ihnen erstmals miterleben konnten, wie schön und sinnvoll gemeinsame Arbeit fürs gemeinsame Wohl sein kann.
 

Erfahrungen werden weitervermittelt
Die Restauratorin Adela Chivărean berichtet über die schönen Erfahrungen, die sie in ihrem Arbeitsgebiet in Ortschaften wie Almen, Malmkrog, Deutsch-Weißkirch, Denndorf/Daia machen konnte. Jetzt arbeitet und wohnt sie in Arkeden/Archita. „Ich fühle mich wie zu Hause. Ich bin zu Hause“, schreibt sie und bezeichnet es als besonderen Glücksfall, gerade in ihrem Fachgebiet mitwirken zu können, sodass ihr die Arbeit wirklich Spaß macht, was wohl nicht jeder Arbeitnehmer von sich behaupten kann.

In Schäßburg/Sighişoara leiteten Lehrerin Waltraut Schuster und Architektin Noemi Simo für die Schüler einer zweiten Klasse des Josef-Haltrich-Lyzeums, mit Unterstützung von „Stichting Horizon“, ein Projekt, um den Kleinen die Architektur und Schäßburg näherzubringen. Das hieß, mit allen Sinnen Architektur zu erleben und zu erkunden, Touristen zu führen, manchmal sogar den Detektiv bei der Stadterkundung zu spielen. Die Kinder lernen dabei die Stadt besser kennen, ihnen werden unaufdringlich erste Grundbegriffe in Sachen Bürgerbewusstsein vermittelt.

An den in den MET-Aktionen erworbenen Erfahrungen will man gern auch andere teilhaben lassen. Im Rahmen eines grenzüberschreitenden Kooperationsprojekts, das MET zugesprochen und das mit dem Interkulturellen Institut in Temeswar abgewickelt wurde, konnte in Herkulesbad/Băile Herculane ein Workshop abgehalten werden, bei dem MET (vertreten durch Caroline Fernolend und Michaela Türk) zusammen mit Teodora Borghoff (Temeswar) die Tätigkeit im Dienste mehrerer Dorfgemeinschaften für Vertreter von Ortschaften aus dem rumänischen und dem serbischen Teil des Banats vorstellten. Dabei wurde auch auf Fehlentwicklungen hingewiesen, die sich konkret an manchen Mängeln am Tagungsort selber beweisen ließen.

2015 war ein erfolgreiches Jahr für MET, wie das auch der Newsletter erkennen lässt. Der Stiftung wäre somit nur zu wünschen, ihre ersprießliche Tätigkeit fortzusetzen. Anerkennung und Bestätigung der geleisteten Arbeit gibt es sowohl von lokalen als auch nationalen Behörden. Die Aufgaben wachsen (bekanntlich ist MET auch in der Maramuresch tätig geworden). Damit wachsen auch die Kosten, sodass MET auch auf eine erfolgreiche Antragstellung für Finanzierungen angewiesen ist. Dass MET diese durchaus verdient und mit den gespendeten und zugewiesenen Geldmitteln verantwortungsvoll umgeht, ist das beste Argument für die weitere Förderung seitens der Partner und der EU.

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