Generation Junk Food

Warum Menschen immer dicker werden

Sonntag, 19. Oktober 2014

Fast Food ist einer der Hauptgründe für Fettleibigkeit.
Symbolgrafik: freeimages.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm: Immer mehr Menschen sind zu dick. Die Hälfte der EU-Bürger sind übergewichtig. In den Vereinigten Staaten ist jeder Dritte fettleibig. Forscher sprechen von alarmierenden Zahlen: In Amerika soll bis 2050 fast 50 Prozent der Bevölkerung übergewichtig sein. Darum nennt auch die WHO Fettleibigkeit eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Grund für diese alarmierende Entwicklung liegt für die Forscher offen auf der Hand: falsche Ernährung.

Der Amerikaner Morgan Spurlock sorgte schon 2003 mit seinem Erfolgsfilm „Super Size Me“ für Aufsehen. Mit der Doku wollte er beweisen, dass Fast Food zu Übergewicht führt. 30 Tage aß er drei Mahlzeiten täglich bei der US-Fast-Food-Kette McDonald’s. Das Ergebnis: Er nahm fast 13 Kilogramm zu, seine Blutwerte verschlechterten sich drastisch, zudem litt er an Depressionen und es zeigten sich auch Leberschäden.

Von dem Essensexperiment habe sich Spurlock erst nach einem halben Jahr erholt. Sein Film wurde ein internationaler Erfolg, sorgte aber auch für Kontroversen. Wissenschaftler untersuchten die Folgen von Überernährung und kamen zu anderen Ergebnissen, als die, die in dem Dokumentarfilm beschrieben werden. Doch Spurlock ging es weniger um die wissenschaftliche Validität seines Films, sondern viel mehr um die Botschaft. Er sagte der Lebensmittelindustrie den Kampf an und besonders den Großkonzernen, die um jeden Preis Profit schlagen wollen, auf Kosten der Gesundheit ihrer Kunden.

Dreiste Werbung für krasse Dickmacher

Auch die Verbraucherschutzorganisation FoodWatch möchte der Lebensmittelindustrie Einhalt gebieten. Der Verein will die unsauberen Praktiken der Großkonzerne aufdecken und Verbraucher darüber aufklären, was eigentlich hinter der dreisten Werbung steckt. FoodWatch hat es besonders auf Lebensmittelprodukte abgesehen, die an Kinder vermarktet werden. Jedes Jahr vergibt die Organisation den „Goldenen Windbeutel“ – eine Auszeichnung, die für die dreisteste Werbelüge vergeben wird. Der diesjährige Preisträger ist Nestlé für seine Alete Trinkmahlzeit.

„Seit Jahren warnen Kinderärzte und Wissenschaftler vor Trinkmahlzeiten für Babys, da diese zu Überfütterung führen und Karies fördern“, schreibt FoodWatch auf seiner offiziellen Seite. „Dennoch empfiehlt Nestlé die Produkte als „vollwertige“ Mahlzeit für Säuglinge ab dem 10. Monat. Damit nicht genug: Mit Aussagen wie „reich an Calcium & Vitamin D für gesundes Knochenwachstum“ verleiht Nestlé den Produkten sogar einen gesunden Anstrich.“

Für die Schmäh-Auszeichnung wurden auch Unilevers „Knorr activ Hühnersuppe“, Mondelez „Belvita Frühstückskeks“, Coop eGs „Bio Apfelsaft“ und Coca-Colas „Glaceau Vitaminwater“ nominiert.

Besonders Kinder sind für die Lebensmittelindustrie ein gefundenes Fressen: Sie sind unkritisch und leicht beeinflussbar. Darum haben sich auch Agenturen auf diese Zielgruppe spezialisiert. Sie werben offen auf ihren Webseiten, mit aggressiven Vermarktungsstrategien. So schreibt die Werbeagentur „Spread Blue“: „Die Zielgruppe verfügt über mehrere Milliarden Kaufkraft und Mitsprache bei Kaufentscheidungen der Eltern. Oft sind die frei verfügbaren Mittel größer als bei den Eltern. So haben Kinder und Jugendliche (6 bis 19 Jahre) jährlich eine Summe von rund 20 Milliarden Euro zur Verfügung.“

Laut der WHO sind es meist stark fett-, zucker- und salzhaltige Produkte, die an Kinder vermarktet werden. Wobei eine Agentur wie „Spread Blue“ sich nicht ausschließlich auf Werbung im Fernsehen beschränkt. Diese wird, so die WHO, durch eine breite Palette an Vermarktungstechniken ergänzt: Sponsoring, Werbung in anderen Medien, Produktplatzierung, Verkaufsförderung, Einsatz von Prominenten und bei Kindern beliebten Markenmaskottchen oder  -figuren, Auslagen am Verkaufsort, Werbung per E-Mail-Verteiler und SMS. Die Lebensmittelindustrie gibt jedes Jahr dafür Milliarden aus.

Genauso viel kostet auch die Krankenversorgung. Fettleibigkeit oder Adipositas wird unter anderem als hoher Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen angeführt. Sie erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Reflux, Herzinfarkt, Arterio-sklerose, Schlaganfall, Brustkrebs, Arthrose, degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Gicht und das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom.

Was kann man wirklich essen?

Viele Hersteller wissen, dass ihre Lebensmittelprodukte ungesund sind. Darum versuchen sie, sich durch Sponsoring sportlicher Aktivitäten der Verantwortung zu entziehen. An den Produkten selbst wird kaum was geändert. Schließlich geht es auch um den Suchtfaktor, der den Kunden an das Unternehmen bindet. Doch selbst wenn man sich als Verbraucher verantwortlich ernähren und ungesunde Lebensmittelprodukte vermeiden möchte, kann man es nur sehr schwer, weil im Allgemeinen etwas mit den Nahrungsmitteln nicht stimmt.
Das Zentrum der Gesundheit warnt vor Fleisch: Dieses stamme meist von kranken Tieren und ist mit Hormonen, Antibiotika und anderen Medikamenten versetzt. Doch auch was die Alternative betrifft, wird gewarnt: Viele Obst- und Gemüsesorten werden genetisch modifiziert und mit gefährlichen, schwer abbaubaren Pestiziden, synthetischem Dünger und anderen Zusätzen behandelt.

Kein Wunder also, dass die WHO von einer Epidemie spricht, wenn sie sich auf das Problem der Fettleibigkeit bezieht. Auch die Europäische Union macht sich um den Gesundheitszustand ihrer Bürger Sorgen. Denn: Ein kranker Bürger ist ein teurer Bürger. Darum möchte man eine Kennzeichnungspflicht von Nährwerten einführen und die Menschen aufklären.

Innerhalb der EU ist Ungarn das Land mit den meisten Fettleibigen. Auf Platz Zwei folgt Großbritannien. Rumänien schneidet in der Statistik vorbildlich ab. Nur 7,9 Prozent der Gesamtbevölkerung ist fettleibig. Allerdings nimmt in Rumänien die Zahl der Fastfood-Ketten und Supermärkte zu. Auch Rumänen kaufen immer häufiger die genetisch modifizierten Waren, die das Zentrum für Gesundheit als „Füllmittel“ bezeichnet.

Erst hinterfragen, dann kaufen

Geht man von der sogenannten „Eimer-Theorie“ aus, könnte Sport die Lösung sein. Diese behauptet, der menschliche Körper sei wie ein Eimer. Die Nahrung füllt den Eimer, Bewegung leert ihn. Das heißt, wer zu wenig Sport treibt, verbraucht weniger Kalorien, als er zu sich nimmt. Und so wird man dicker.

Um sein Gewicht unter Kontrolle zu halten, muss man einfach ausrechnen, wie viel Kalorien der Körper am Tag aufnehmen kann, ohne zuzunehmen. Als Hilfsmittel gibt es den sogenannten „Body Mass Index“ (BMI) oder „Körpermasseindex“ (KMI). Anhand dieser Maßzahl kann man das eigene Körpergewicht in Relation zur Körpergröße bewerten. Es gibt inzwischen Rechner im Netz, wo man nur die Daten eingeben muss und dieser ermittelt dann die Werte.

Das Zentrum für Gesundheit allerdings hält die „Eimer-Theorie“ für fehlerhaft. „Wir müssen die Idee verwerfen, Adipositas sei das Resultat normaler physiologischer Mechanismen“, heißt es auf der offiziellen Seite. „Damit der Körper diese krankhaften Ansammlungen bilden kann, die mit Übergewicht einhergehen, muss er in einem anderen Operationsmodus arbeiten als normal.“ Man kommt also nicht darum herum: Das Erfolgsrezept gegen Übergewicht und Fettleibigkeit ist nicht nur Sport, sondern auch eine verantwortungsbewusste Ernährung. Als Verbraucher sollte man lieber zweimal auf die Verpackungen schauen und sich mit den Zutaten vertraut machen.
Darum ging es auch Morgan Spurlock mit seinem drastischen Eigenversuch: durch Aufklärung das kritische Denken des Verbrauchers anzuregen.

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