Genre- und Identitätsverschmelzung

Erstes JazzyBIT x Subcarpa]i-Konzert im „Ambasada“

Freitag, 03. März 2017

Identitätsfindung ist das große Thema des Musikprojektes „Subcarpaţi“. Die Texte handeln immer wieder vom rumänischen „Ich“. Sie können so politisch sein, wie die Texte bekannter internationaler „Conscious Rapper“. Was Subcarpaţi so besonders macht, ist die traditionelle Volksmusik. Mit ihr schafft die Gruppe um Alexe Marius Andrei (mit Bühnenname MC Bean) den Brückenschlag zwischen Import- und Volksmusik. Und nicht nur das: Es hebt dabei die kuriose Kluft zwischen Stadt und Land auf, die in Rumänien auch zwischen den Generationen besteht und bringt sie zusammen. Zumindest vordergründig kann Subcarpaţi diese mühelos überwinden. Ob ihre Zielgruppe wirklich aus Kennern und Liebhabern rumänischer Volksmusik besteht, bleibt fraglich. Doch zumindest schaffen sie es, die Generation Y von der für sie verpönten Musik der Großeltern zu überzeugen. Und gerade in diesem eleganten Crossover liegt das Erfolgsrezept von Subcarpaţi. Man kann Stile mühelos mischen, ohne etwas kaputt zu machen.

Darum klingt Subcarpaţi auch mit Orchesterbegleitung super und darum klingt Subcarpaţi auch in der Interpretation einer Jazzgruppe noch immer gut. Das bewies die erste Musikprobe mit Publikum von JazzyBIT und Subcarpaţi an einem Montagmorgen im „Ambasada“ - Temeswars alternativem Kulturtreffpunkt.  Das erfolgreiche Jazz-Trio JazzyBIT aus Temeswar gehört zu den Up-And-Coming-Bands, hat letztes Jahr auf den größten Festivals Europas und Rumäniens gespielt, wurde lokal zur Gruppe des Jahres gekürt und schafft es immer wieder durch Offenheit, Projekte an Land zu ziehen, die sie davor bewahren, altbacken zu werden. Tatsächlich funktioniert JazzyBIT x Subcarpaţi. Weil die Jazzgruppe rein instrumentelle Musikstücke im Repertoire hat, und umgekehrt, weil Hip-Hop zu allen Genres passt und die Musik nicht nur aus Volksmusik besteht, sondern auch aus urbanem Elektro.

Das Ergebnis ist eine interessante Vermählung unterschiedlicher Genres. Es setzt auf jeden Fall ein Zeichen für Interkulturalität. So wie Musik ist auch Identität nicht das Produkt eines isolierten Entstehungsprozesses. Der zur Zeit so populäre Neo-Nationalismus fußt auf einer Lüge. Die Vehemenz, mit der ihre Vertreter versuchen, Europa und die Welt zu teilen, indem sie Schubladen erfinden, ist unbegründet. In Wahrheit ist der heutige Mensch das Produkt einer konstanten Vermischung verschiedener Kulturen. Und Rumänien als Nationalstaat ist nicht einmal 100 Jahre alt. Doch was hat das mit einem JazzyBIT und Subcarpaţi-Konzert zu tun? Nun, alles: Es ist indirekt der Beweis, was Offenheit schaffen kann und wieso beide Gruppen so erfolgreich sind. Die „Message“, ob direkt (Subcarpaţi) oder indirekt (JazzyBIT), richtet sich an alle Rumänen. Es hat etwas mit Stolz und Identitätsfindung zu tun. Nicht durch Abgrenzung und Abschottung, sondern durch Offenheit dem Eigenen und dem Fremden gegenüber wird etwas Neues geschaffen. So wie es schon immer der Fall gewesen ist und zwar nicht ausschließlich in der Musik.  

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