Georg Hromadka zum Gedenken

Am 12. April sind es 30 Jahre seit dem Ableben des Zeitungsmannes und Sozialdemokraten

Donnerstag, 09. April 2015

Reschitza – Das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen und der Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ gedenken am Mittwoch des 30 Todestags von Georg Hromadka. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr in der deutschen Bibliothek „Alexander Tietz“.

Georg Hromadka kam am 6. Juli 1911 in Lupeni, im Schiltal, zur Welt. Aus einer autobiografischen Notiz geht hervor, dass er „von deutschen Eltern erzogen“ wurde „in einem sozialdemokratisch geprägten Umfeld“ und „im Geist der Philosophie und Moral der deutschen Klassik und des wissenschaftlichen Sozialismus“. Nach dem Umzug der Familie nach Reschitza/Reşiţa wird Georg Hromadka 1929 hier Sekretär der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), später Sekretär der Sozialdemokratischen Partei. 1932-33 ist er Redakteur des „Freien Wortes“, dem Sammelorgan der Sozialistischen Linken des Banater Berglands. Nach dem Verbot der Gewerkschaften und Parteien 1938 geht er in den Untergrund und nimmt zeitweilig Kontakt auf mit den kommunistischen Zellen. 1940-41 sitzt er eine politisch motivierte Haftstrafe ab, ab 1942 eine weitere. 1943 bekommt er durch eine Kommission der Wehrmacht im Gefängnis von Arad als „Volksdeutscher“ das Angebot, der Waffen-SS beizutreten und dadurch freizukommen. Er schlägt es aus.

August 1944 kommt er frei und tritt der wiedergegründeten Sozialdemokratischen Partei bei. 1948 wird er neuerlich verhaftet und von den Kommunisten, zusammen mit anderen Sozialdemokraten, die den Beitritt zur Rumänischen Arbeiterpartei verweigert hatten, aufgrund konstruierter Anschuldigungen zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. 1956 wird er auf Intervention der britischen Labourparty auf Initiative aus Moskau begnadigt und wird Journalist beim Bukarester „Neuen Weg“, wo ihn ehemalige Reschitzaer Genossen, die inzwischen der kommunistischen Partei beigetreten und in Amt und Würden gelangt waren (A. Breitenhofer, E.Wayand, u.a.), aufnahmen. 1970 gründete er den jährlichen touristischen Almanach des „Neuen Weg“, das„Komm mit“, das 20 Jahre lang erschien. Hromadka war eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Tageszeitung „Neuer Weg“ in den Jahren ihrer höchsten Verbreitung und der größten Auflage, aber auch ein vielseitiger, vor allem kulturell-musikalischer und ökologischer Bildungsfaktor für die Redakteure.

1979 kommt er als Rentner nach Reschitza, verhält sich hier aber isoliert von den anderen „Illegalisten“ und wandert Ende 1980 nach Deutschland aus. Es ist bekannt, dass er – zumindest in seiner Reschitzaer Zeit – unter strenger Beobachtung der Securitate stand (was inzwischen vom damals für die Berglanddeutschen zuständigen Securitatemajor bestätigt ist).

In Deutschland findet er rasch Anschluss an die Sozialdemokratische Partei und nimmt an Veranstaltungen teil. Er veröffentlicht eine „Kleine Chronik des Banater Berglands“ (1993, Vorwort und Fotoillustrationen: sein Ex-Redaktionskollege und Kenner des Banater Berglands, Heinrich Lauer; 1995, auf Initiative der „Friedrich-Ebert-Stiftung“ – FES – von Rudolf Gräf und Werner Kremm ins Rumänische übersetzt und mit einem Vorwort von Elke Sabiel als „Scurtă cronică a Banatului Montan“ erschienen). Ebenfalls auf Initiative und mit Unterstützung der FES wurde vom Reschitzaer Künstler Petru Comisarschi ein Reliefporträt von Hromadka angefertigt und 2000 an der Vorderfront des Reschitzaer Gewerkschaftskulturhauses angebracht, 2002 wurde Hromadka Ehrenbürger post mortem der Stadt Reschitza und das deutsche Fernssehstudio des staatlichen Senders von TVR Bukarest drehte 2000 den Dokumentarfilm „Georg Hromadka – Sieger und Besiegter“ (ebenfalls eine Initiative der FES). 2011 prägte das Staatliche Münzamt Rumäniens auf Initiative der beiden Organisationen der Banater Berglanddeutschen eine Gedenkmedaille „Georg Hromadka“.

In diesem Jahr erscheint anlässlich des Todestags von Georg Hromadka (12. April 1985, Singen/Hohentwiel, der Tag fällt in diesem Jahr mit den orthodoxen Ostern zusammen) ein Sonderbriefumschlag mit Sonderstempel.
(Übersetzung aus dem Rumänischen und Bearbeitung: Werner Kremm)

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