Geschichte des Zeidner Waldbades in einer ausführlichen Dokumentation

Reihe der Heimatkundebände der Denkwürdigkeiten dieser Stadt weiter ergänzt

Sonntag, 19. Oktober 2014

Helmuth Mieskes „Das Zeidner Waldbad – von der Gründung bis heute – 1904-2014“, Zeidner Nachbarschaft, Köln 2014.

Keine der Burzenländer Heimatortsgemeinschaften in Deutschland hat eine so rege  Forschungstätigkeit zur Ortsgeschichte wie die der Zeidner. Das widerspiegelt sich in bisher 18 Büchern die  im Rahmen der Reihe „Zeidner Denkwürdigkeiten“ erschienen sind. Einige dieser erschienen sogar in mehreren Auflagen. Diesbezüglich spielt der Zeidner Ortsgeschichtliche Gesprächskreis (ZOG), der periodisch tagt, eine sehr wichtige Rolle. Gegründet worden war er auf Initiative von Balduin Herter und setzt auch nach dessen Ableben seine Tätigkeit im Rahmen der Heimatortsgemeinschaft fort. Heuer erschien nun der 19. Band der Serie, „Das Zeidner Waldbad – von der Gründung bis heute, 1904 – 2014“, dessen Autor Helmuth Mieskes ist. Vorgestellt wurde der Band bei der 4. Zeidner Begegnung, die vom 8. bis 10. August 2014 in Zeiden stattgefunden hat. Der Anlass war die Feier anlässlich  des vor 110 Jahren eingerichteten Waldbades in dieser Burzenländer Großgemeinde.

Bisher wurden der Ortschaft, wie schon erwähnt, mehrere Heimatkundebücher gewidmet zu den verschiedenen Bereichen in denen diese hiesige Gemeinschaft sich besondere Verdienste erworben hat. Beispielsweise: „Eine kurze Geschichte von Zeiden in acht Jahrhunderten“ (Balduin Herter), „Die Landwirtschaft in Zeiden im 20. Jahrhundert“ (Erhard Kraus),  „Zeiden in Ansichtskarten“, ein Bildband von Udo Buhn, „Der Gartenbau in Zeiden“ (Erhard Kraus), „100 Jahre Zeidner Männerchor“ (Gotthelf Zell), „Sport in Zeiden“ (Erwin Mieskes und Günther Wagner). Gernot Nussbächer veröffentlichte in dem sechsten Band seiner Serie „Aus Urkunden und Chroniken“, Beiträge zur Geschichte von Zeiden im Mittelalter und Früher Neuzeit, Brigitte Stephani brachte den Band über den Maler „Eduard Morres. Ein siebenbürgischer Künstler (1884-1980)“ heraus, Helmuth Mieskes den ersten Band  über Zeidner Persönlichkeiten u. a. Und die Reihe dieser Veröffentlichungen wird fortgesetzt.

Eingeleitet wird der nun von Helmuth Mieskes herausgebrachte,  rund 200 Seiten starke Band  über „Das Zeidner Waldbad, von der Gründung bis heute – 1904-2014“ mit einem Vorwort von Udo Buhn, Älterer Nachbarvater der Zeidner Nachbarschaft in dem er betont: „Das Zeidner Waldbad war und ist sicherlich auch für viele andere Zeidner ein wichtiger Teil der Heimat – sowohl als Ort wie auch als Gefühl“. Er greift dabei auf die Aussage  von Armin Mueller-Stahl zurück: „Heimat ist nicht ein Ort, Heimat ist ein Gefühl“.

In der Einleitung zu dem Band schreibt der Autor, dass schon 2004 im Rahmen der 2. Begegnung in Zeiden das 100-jährige Bestehen des Waldbades gefeiert wurde und bei dem Anlass im Ortsgeschichtlichen Gesprächskreis der Vorschlag gemacht wurde, eine Geschichte des Waldbades zu dokumentieren und veröffentlichen. Helmuth Mieskes, der sich dieser Arbeit angenommen hat, wurde aber erst später mit den Schwierigkeiten der Dokumentation konfrontiert, konnte die Arbeit 2011 aber wieder aufnehmen und in Bezug auf das nun 110-jährige Jubiläum und der 4. Begegnung in Zeiden, die heuer stattfand, abschließen. Es ist eine eingehende und gut dokumentierte Arbeit entstanden, die auch auf die Beihilfe von Zeidnern baut, eine inhaltsreiche Illustration umfasst und die Entwicklungen des Waldbades bis auf den heutigen Stand erforscht.

Im ersten Teil „Das Zeidner Waldbad – die Fakten vom Anfang bis heute“ geht Helmuth Mieskes auf die in Siebenbürgen nach 1848 stattgefundene Entwicklung ein. Dabei betont er die Bedeutung des Vereinslebens in Zeiden das sich einer regen Tätigkeit erfreute. Am 27. November 1889 fand dann auch die Gründungsversammlung des Zeidner Verschönerungsvereins statt, der sich mehrere Vorhaben zum Ziel setzte, darunter auch die Einrichtung eines Waldbades. Als Termin wird der 26. Mai 1904 festgehalten als bei der Ausschusssitzung die Errichtung einer Badeanstalt ins Gespräch gebracht wurde.

Ein Becken von 20 m Länge, 10 m breit und 1,5 m tief wurde durch viel freiwilligen Einsatz ausgehoben, Umkleidekabinen wurden aufgestellt. Bereits am 4. Juli 1904 konnte die Eröffnung „mit großer Begeisterung gefeiert werden“ wie der Autor festhält. Man blieb aber nicht dabei. Nach Jahren kam eine Gastwirtschaft hinzu. 1921 wurde dieses in „Carmen Sylva“ nach dem Namen der ersten rumänischen Königin Elisabeth umbenannt. Weiterhin geht der Autor auf die verschiedenen organisatorischen Änderungen im Verschönerungsverein ein, auf weitere Arbeiten, die an dem Waldbad vorgenommen wurden. 1932 wurde die Erweiterung des Waldbades beschlossen, und auch vorgenommen die unter anderen einen Sprungturm mit Wendeltreppe erhielt.

Während der Kriegsjahre stand das Waldbad den Badegästen offen. Auch zwei Seen wurden eingerichtet, die Anglern und Sportlern auch heute zur Verfügung stehen. In den kommunistischen Jahren wurde das Waldbad enteignet, von verschiedenen  Tourismusagenturen oder sogar Konsumgenosssenschaften betrieben. Nach der Wende von 1989 konnten die Eigentumsverhältnisse bis heute nicht geklärt werden. Nach einem zeitlichen Rückgang kam es 2002 in den Besitz von Marius Pavel. 2005 leitete das Bürgermeisteramt  von Zeiden ein gerichtliches Verfahren ein wegen unrechtmäßigem Verkauf des Waldbades, das bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Auch gibt es ein neues Projekt seitens des Bürgermeisteramtes, ein modernes Schwimmbad auf dem unteren Schulfestgelände zu errichten. Ob es auch verwirklicht wird, bleibt offen.

Sehr ansprechend sind die im zweiten Teil enthaltenen „Waldbadgeschichten“ die von unterschiedlichen Autoren dem Verfasser zur Verfügung gestellt wurden. Darunter auch die bezüglich der da vom  Verbrecher Ion Bălan am 20. August 1928, verübten drei Morde, die das ganze Burzenland in Entsetzen versetzen.

Im dritten Teil ist ein Anhang mit einer Namensliste der Vorstände des Verschönerungsvereins von 1889 bis 1939 einzusehen.  Es folgt ein Quellenverzeichnis  und ein reicher Bildanhang mit zum Teil Archivfotos beginnend mit dem Baujahr 1904  bis zum Stand von 2011. Desgleichen ist ein Porträt mit Lebensdaten des Autors einzusehen. Helmuth Mieskes hat mit dem aufliegenden Band einen weiteren Baustein zu der Zeidner Ortsgeschichte gelegt, aber auch einen Bestandteil zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Siebenbürgens.

Kommentare zu diesem Artikel

Jörg R., 10.06 2015, 11:07
Zum 70.habe ich von meinen Söhnen dieses schöne und informative Buch erhalten und in Erinnerungen meiner Kinder-und Jugendzeit ge-schwärmt.Meine Schwester Ully war eine der wenigen Mädchen in Zeiden die einen Kopfsprung von der Fahnenstange wagten.

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