Geschichten aus der (Hermann)Stadt

Erfahrenswertes über Plätze, Bauten und Einrichtungen in einem Buch zusammengefasst

Mittwoch, 30. Mai 2012

Hermannstadt - Ist es möglich, ein Buch über Hermannstadt/Sibiu zu verfassen, das anders als  die vielen bisher veröffentlichten ist, und Neuigkeiten bietet? Die Journalistin Sorina Bota aus Neumarkt/Târgu Mureş hat dies mit ihren „Stadtgeschichten“ geschafft. In Rumänisch (unter dem Titel „Poveştile oraşului“) und in der deutschen Übersetzung von Isolde Huber erschienen, wurde das Buch im Heltauer InfoArt Media Verlag gedruckt und im Rahmen der BOOKenthal-Messe am Freitag vorgestellt. Moderiert hat die Präsentation der Historiker Răzvan Pop, über das Buch gesprochen haben Ion M. Ioniţă, der Chefredakteur der Zeitschrift „Historia“ (und „Foreign Policy“), und Winfried Ziegler, studierter Historiker und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen in Rumänien (ADJ).

Die „Stadtgeschichten“ durchbrechen die Kette der Bücher, in denen entweder das deutsche oder das rumänische Hermannstadt vorgestellt werden, stellte Ziegler fest. Die Autorin verwendet Interviews und also die oral history als Grundlage, da ihre Interviewpartner aber Fachleute sind, verlieren die Aussagen den rein subjektiven Charakter. Bota hatte zuvor ein derartiges Buch über Neumarkt verfasst, in dem Geschichten und die repräsentativen Bauten aller Gemeinschaften vorgestellt sind. Es gibt jenseits der Ungarn, Rumänen oder Juden in Neumarkt die „Neumarkter“, sagte die Autorin.

Für die Hermannstädter allesamt hat Sorina Bota nun das auch graphisch sehr schön gestaltete Buch verfasst. „Um die Stadt kennenzulernen und zu wissen, warum man sich mit ihr rühmt,“ so Răzvan Pop. Das Buch beinhaltet Geschichten über öffentliche Einrichtungen, Plätze und Bauten verschiedener Art. Die Autorin hat 20 Personen, darunter Historiker, Archäologen, Architekten und Pfarrer befragt und aus den Interviews die wichtigsten und interessantesten Aussagen zusammengefasst. Von subjektivem Charakter geprägt – und der Titel „Mein Hermannstadt“ deutet darauf – ist allein das letzte Gespräch mit der pensionierten Biologielehrerin Marga Grau. In der rumänischen Fassung sind die bearbeiteten Gespräche als CD beigelegt.  
Erzählt wird zuerst von der „unterirdischen Stadt“, d. h. von einstigen Anlagen, Bauten und Denkmälern, deren Existenz dank Archäologen bekannt und markiert sind, wie die das Narrenhäuschen oder die Korngruben. Geschildert werden sodann die einstigen öffentlichen Einrichtungen – darunter der Ratturm aber auch Gasthöfe – und danach elf Gotteshäuser.

Vorgestellt hat die Autorin die Brukenthalschule und das Gheorghe-Lazăr-Kolleg und sodann das Brukenthal- und das Astra-Palais, die für die Identität wichtigen Bildungs- und Kulturhorte der beiden großen Hermannstädter Gemeinschaften. Erfahrenswertes ist über fünf Museen abgedruckt und sodann über mehrere Häuser von Sachsen (Haller-, Hecht-, Schaserhaus usw.) und Rumänen.    

Bemerkenswert sind die Abbildungen: Über die alten Fotos mit Ansichten vom Beginn des 20. Jahrhunderts sind auf Kalkpapier Fotos mit dem heutigen Aussehen gelegt, wodurch man sehr leicht die architektonischen Veränderungen erkennen kann.  

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