Gewünschte Einsamkeit

21. Folge des Internationalen Kolloquiums „Emil Cioran“

Dienstag, 17. Mai 2016

Die Aufführung „Emil Cioran, Bewunderungsübungen“ der Theatergruppe „Become“ auf den Straßen in Răşinari.
Foto: Eveline Cioflec

Hermannstadt – Die 21. Folge des Internationalen Kolloquiums „Emil Cioran“ brachte vergangenes Wochenende im Zentrum für Akademische Zusammenkünfte der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt/Sibiu und im Rathaus Răşinari Literaturwissenschaftler und Philosophen, Forscher und Kenner des Werks Emil Ciorans, zusammen. Das Kolloquium wurde von der Abteilung für Romanische Studien an der Fakultät für Literaturwissenschaften der Lucian-Blaga-Universität sowie von der Gemeinschaft für Französische und Francophile Studien und dem Französischen Lektorat organisiert, unter der Leitung der Lektorin Dr. Mihaela-Genţiana Stănişor. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Kulturprojektes „Hermannstadt – Universitäre Hauptstadt“ statt und wurde vom Kreisrat Hermannstadt und dem Rathaus Răşinari unterstützt.

Die Teilnehmer am Kolloquium kamen aus verschiedensten Orten in Rumänien, aber auch aus Frankreich, Spanien, Italien, den USA, Polen und Tunesien. Den Eröffnungsvortrag hielt der französische Germanist und Kulturwissenschaftler, Prof. Jacques Le Rider. Die Präsentationen und Vorträge zum diesjährigen Thema „Einsamkeit“, Leitthema im Denken Ciorans, wurden hauptsächlich auf Französisch gehalten, wenige auch auf Rumänisch. Französisch ist die Wahlsprache des 1911 in Răşinari geborenen Philosophen, Kulturkritikers und Aphoristikers. 1937 zog er nach Paris um und ab 1945 verfasste er seine Texte in der Landessprache.

Ciorans unermüdliche Suche nach der Einsamkeit wurde als Motiv der Moderne gedeutet, als Selbstbezug, aber auch – verknüpft mit der Stille, die der Einsamkeit anhaftet – als Quelle philosophischen und schriftstellerischen Schaffens. Arten der Einsamkeit – relational in der Gesellschaft und der Familie, oder existenziell als Verlassenheit –,  ihr Bezug zu Sprache und Schrift, das Leid in der Isolation, und, im positiven Sinne, die Fähigkeit, alleine zu sein, wurden diskutiert und somit ein zentrales Motiv in Ciorans Denken perspektivisch gedeutet. Im Rahmen des gelungenen Übersetzungsworkshops zu Texten Ciorans fand auch ein Wettbewerb für Gymnasialschüler statt. Zum Abschluss des Kolloquiums lud das Theaterunternehmen „Become“ mit der Aufführung „Emil Cioran, Bewunderungsübungen“, Regie Cătălin Grigoraş, die Teilnehmer ein, Ciorans Weg von der Dorfschule nach Hause zu folgen und seine Erinnerungen aus der Kindheit zu verinnerlichen.

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