Gezielte Förderung für lokale Kulturwerte

Rumänisches Kulturinstitut Banat-Crişana: Frisches Blut für die Kulturszene West

Donnerstag, 07. Februar 2013

Eröffnung der ICR-Filiale Banat-Crişana im Arader Stadttheater: Lucian Alexiu, stellvertretender Direktor der Filiale (Sprecher), ICR-Vorsitzender Andrei Marga (rechts daneben) und Gheorghe Schwartz, Direktor der Filiale (rechts). Foto: ICR

Ein seit Jahren festgefahrener Karren soll nun flottgemacht werden: Allerhand Vorsätze, neue Chancen und ein schönes Zukunftsbild für die seit Jahren kränkelnde und spärlich finanzierte Kulturlandschaft der Westregion versprach kürzlich die neue Leitung des Rumänischen Kulturinstituts ICR anlässlich der Eröffnung ihrer Zweigstelle in Arad.

Im Beisein von ICR-Vorsitzendem Andrei Marga und zahlreichen Kulturschaffenden sowie Vertretern der Politik und Verwaltung wurde der neue Sitz der Filiale Banat-Crişana, nicht ohne einige Unstimmigkeiten mit der Stadtverwaltung und erwartungsgemäß mit etwas Unmut aus Richtung Temeswar/Timişoara, dem Banater Stadtrivalen, im ehrwürdigen Arader Stadttheater „Ioan Slavici“ eingeweiht. 

Übrigens: Die Entscheidung für den Sitz der Zweigstelle, deren Betätigungsfeld sich fast mit dem des historischen Banats deckt – ihr Wirken soll die Landkreise Temesch/Timiş, Arad, Karasch-Severin, Mehedinţi, Hunedoara und Bihor umfassen – begründete der Schriftsteller Gheorghe Schwartz, Leiter der ICR-Filiale, unter anderem damit, dass Arad doch einen Fuß im Banat und einen in der Crişana hätte, sich zudem in nächster Nachbarschaft zu Ungarn befinden würde. Mit dem Nachbarland – ICR hat da gar zwei Zweigstellen, eine in Budapest und eine in Szegedin – soll eine verstärkte kulturelle Zusammenarbeit angestrebt werden.

Die Filiale Banat-Crişana ist eine der sieben ICR-Zweigstellen, die das Kulturinstitut im Rahmen seiner Neuorganisierung im Land gezielt in den alten historischen Regionen des Landes zu Jahresbeginn eröffnet: Dies ist schon geschehen mit den Filialen Moldau (Jassy/Iaşi), Oltenien-Gorj (Târgu Jiu), Dobrudscha (Tulcea), in Kürze sollen die Zweigstellen Oltenia (Craiova), Siebenbürgen (Klausenburg/Cluj-Napoca) und Maramuresch (Baia Mare) hinzukommen.

Die Geschicke der Leitung von ICR Banat-Crişana haben zwei bekannte und angesehene Banater Schriftsteller übernommen: Zum Direktor wurde der in Arad lebende Prosaautor Gheorghe Schwartz (geb. 1945 in Lugosch/Lugoj, Kreis Temesch), auch Arader Hochschullehrer und seit 2003 Dekan der lokalen Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, ernannt.

Das Amt des stellvertretenden Direktors hat der Temeswarer Lyriker, Literaturkritiker und Verleger Lucian Alexiu (geb. 1950 in Temeswar), Mitglied im Vorstand des Rumänischen Schriftstellerverbandes, übernommen. Über das Personal, unter anderem einen Referenten, soll nächstens entschieden werden.

Obwohl vieles, unter anderem exakte Zahlen die vitale Finanzierung von Tätigkeit und Projekten betreffend, noch nicht geklärt ist, konnte man bei der Eröffnungsfeier in der Maroschstadt die grundsätzliche Marschrichtung wie auch Teilstücke des Programms für 2013 erfahren.

Laut ICR-Vorsitzendem Andrei Marga wird diese Filiale, mit tatkräftiger Unterstützung der ICR-Zentrale, die kulturellen Kräfte der Region identifizieren und bündeln, gezielt die lokalen Kulturwerte fördern, um diesen zu internationaler Geltung zu verhelfen. Zwecks Finanzierung aller Filialen soll die Stiftung für Rumänische Kultur – nach dem Vorbild der ehemaligen, so erfolgreichen rumänischen Königsstiftungen aus den Enddreißigern – ins Leben gerufen werden. Die Einrichtung wird sich auf staatliche Finanzierungen sowie auf Mittel von Unternehmen, Institutionen, Organisationen und von Privatpersonen stützen.

ICR, laut Satzung ein Institut, das die rumänische Kultur und Zivilisation im In- und Ausland fördern soll, wurde bekanntlich 2003, initiiert von der Rumänischen Kulturstiftung und dem Stiftungsverlag, als Institut von nationalem Interesse gegründet. Das Institut befand sich bis 2012 unter der Schirmherrschaft des rumänischen Präsidenten, diese Rolle wurde nun vom rumänischen Senat übernommen.

Wenn Hauptziele wie auch die in der Amtszeit von H.-R. Patapievici sehr großzügige Finanzierung von Millionen Euro bisher klar nach außen, beziehungsweise fast ausschließlich auf die 17 Institute weltweit, unter anderem in Berlin, Wien, Budapest, London, Paris, Rom und New York, orientiert waren, so verspricht die neue ICR-Leitung ein Umdenken in allen Belangen und ein verstärktes Augenmerk auf die Kultur im Lande, auf die wahren lokalen Kulturwerte.

Laut Lucian Alexiu, stellvertretender Direktor der Filiale Banat-Crişana, wird dieses erste Tätigkeitsjahr in vielerlei Hinsicht, vor allem aus finanzieller Sicht, bestimmt kein leichtes werden. Als guter Kenner der Kulturszene der Westregion zeigt sich Alexiu jedoch zuversichtlich um die Internationalisierung der rumänischen Kultur aus der Westregion, da etliche Kulturträger seit Jahren schon in gut laufenden, internationalen Projekten mitmachen, einen engen Kontakt zu Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden aus Ungarn, Serbien, aus Mitteleuropa, bis hin nach Wien und Berlin, pflegen.

Vorerst soll im gesamten Raum, von Oradea bis zur Donau, ohne eine Überlappung der Kulturtätigkeit hervorzurufen, eine beiderseitig nützliche Partnerschaft mit den Kommunal- und Kreisverwaltungen, den Kulturinstitutionen und Kulturpersönlichkeiten aus allen Bereichen angestrebt werden.

Kulturell wirksame Standorte gäbe es laut Alexiu genug in dieser Region, unter anderem in Herkulesbad/Băile Herculane, Reschitza, das Huniadeschloss, das Schloss von Matscha/Macea und den sanierten Arader Wasserturm, das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar und so weiter.

Als Vorpremiere eines internationalen Kulturevents im Banat können die im April 2012 in Herkulesbad veranstalteten „Reflex-Kolloquien“ mit Vertretern der europäischen Lyrik angesehen werden. Heuer, vom 25. bis 28. April, ist ebenso ein Kolloquium zum Thema des europäischen Romans mit Romanautoren und Kritikern aus mehreren Ländern Europas schon fest eingeplant.

Aus dem Programm für 2013 ist noch ein internationales Lyrikfestival in Kooperation mit dem Serbenverband und dem Demokratischen Forum der Deutschen im Banat, ein Kongress der Übersetzer aus dem Balkan und Osteuropa, Begegnungen mit Autoren der Nachbarländer Serbien, Ungarn aber auch der internationale Konferenzzyklus „Rumänien XXI“ mit monatlichen Konferenzen bedeutender Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland hervorzuheben.

Etliche Veranstaltungen in internationalem Kontext sind den bildenden Künsten der Region gewidmet: So ein Bildhauer-Plein air in der Arader Festung von April bis Juni 2013 und die Programme Land Art in den Festungen des Kreises Arad oder in der Maroschau. Die neue Leitung der Filiale hat jedoch auch angekündigt, wichtige regionale Kulturevents wie das Wolfsberger Jazz-Festival, das sinfonische Konzert in der Româneşti-Höhle, das internationale Festival des Underground-Theaters in Arad oder das traditionelle Schaffenslager für Jungautoren von Săvârşin zu unterstützen.

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