Ghiorghioni im Konpossesorat entmachtet

Sonntag finden in Băuţar/Bucova zwei parallele Generalversammlungen statt

Freitag, 10. Juli 2015

Karansebesch – Noch in Untersuchungshaft, in Temeswar, hat Ionesie Ghiorghioni in seiner Eigenschaft als Präsident des Konpossesorats Bucova – eines der schönsten und gesündesten Buchenwaldgebiete des Banater Berglands, das auch das etwa 300 Hektar große Auerhahn-Reservat Bucova umfasst – einen Rechtsanwalt, einen gewissen Silvăşan aus Karansebesch, bevollmächtigt, ihn in den Angelegenheiten des Konpossesorats zu vertreten. Knapp danach, das war vor einem Monat, hat er durch Abwahl sein einträgliches Präsidentschaftsamt im Konpossesorat verloren.
An seine Stelle wählten die Waldbesitzer, die ihre Wälder in Form eines Konpossesorats, also gemeinschaftlich verwalten, einen gewissen Romeo Răduţă, einen Landsmann und alten Kontrahenten Ghiorghionis, der nun feststellen muss: „Ionesie Ghiorghioni kann sich nicht abfinden mit der Idee, nicht mehr Präsident zu sei und er anerkennt die neugewählte Leitung des Konpossesorats nicht. Aus diesem Grund hat er auch, noch im Gefängnis, den Rechtsanwalt Silvăşan bevollmächtigt, zum selben Zeitpunkt, wenn wir am kommenden Sonntag unsere Generalversammlung abhalten, die Generalversammlung der Aktionäre einzuberufen, was im Falle eines Konpossesorts in etwa dasselbe ist wie eine Generalversammlung der Mitglieder des Konpossesorats.“ Das tat Ghiorghioni durch Silvăşan, weil er selber unter Justizkontrolle gestellt ist und an keinen öffentlichen Versammlungen teilnehmen darf.

Bis dahin hatte Ghiorghioni unaufhörlich von den Gerichten gefordert, eine Unterbrechung der Justizkontrolle für einen Tag, diesen Sonntag, genehmigt zu bekommen, um durch persönliches Erscheinen doch noch die Dinge zu seinen Gunsten wenden zu können. Der Holzunternehmer Ghiorghioni ist nämlich vital daran interessiert, die Kontrolle über je größere, alte und gesunde, also aus seiner Sicht schlagreife Waldparzellen zu haben, weshalb er auch seinerzeit als Abgeordneter nahezu seine gesamte Zeit dafür investiert hat, die in der Zwischenkriegszeit blühenden „Konpossesorate der ehemaligen k.u.k. Grenzer“ durch Rückerstattung der Besitztümer und Neugründung wiederzubeleben – und möglichst deren Kontrolle zu übernehmen. Was ihm nur in Băuţar/Bucova, seiner Herkunftsgegend, gelungen ist.
Im Konpossesorat Bucova/Băuţar schwelt schon lange der Konflikt zwischen den Parteigängern Ghiorghionis und jenen von Răduţă (ADZ berichtete). Ob dem Konflikt nun, in Abwesenheit von Ghiorghioni, beigelegt werden kann – zumal auch in seiner Abwesenheit am Sonntag praktisch zeitgleich zwei Generalversammlungen der selben Mitglieder einberufen sind (...) – das ist unwahrscheinlich. Es sei denn, an einer der Versammlungen beteiligt sich niemand, was hieße, dass alle Mitglieder des Konpossesorats kompakt in eines der Lager übergelaufen sind. Auch das ist, bei der oft am Rand der (zumindest verbalen) Gewalttätigkeit ausgeübten Willensbekundung des Ghiorghioni-Clans in Băuţar/Bucova, unwahrscheinlich.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 11.07 2015, 08:15
Geht ein Dieb am Gemeinschaftseigentum Rumäniens ins Gefängnis, springen schon 10 wartende weitere Diebe in sein Geschäft rein..

Der Wald dort wird auch nicht mehr lange stehenbleiben. Überall in Rumänien wird täglich Wald illegal vernichtet, ohne daß die Staatsbediensteten dagegen was tun.
Warum auch, sie kassieren meistens ja auch oft was ab.
Und da meistens die Kultur und das Wissen um die langfristig miserablen Auswirkungen des Waldrodens fehlen, geht es munter weiter mit der Vernichtung des Waldes, die eigentlich eine Selbstvernichtung der eigenen Lebensgrundlagen in Rumänien ist...
Zukunft Wüste, Oligarchie und Armut.... anstatt Natur, Arbeitsplätze und Wohlstand für die Bürger.

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