Glanzlichter der Barockkunst im Banat

Temeswarer Kunsthistorikerin auf der Suche nach Johann Nepomuk Schöpf und Michelangelo Unterberger

Montag, 28. März 2016

Der Generalsekretär der Rumänischen Akademie, Ioan Păun Otiman (stehend), beglückwünscht die Autorin Rodica Vârtaciu-Medeleţ (2. v. r.) für ihre gründliche Untersuchung des Barocks im Banat.
Foto: Zoltán Pázmány

„Oben, in einem höheren Register, die hl. Rosalia in weißen Gewändern, darüber ein grüner Schal, ihr zu Füßen ein Rosenstrauß, ein ihr charakteristisches Symbol, ihre rechte Hand ist in die Richtung des hl. Rochus ausgestreckt, als würde sie ihn der hl. Jungfrau vorstellen wollen“, zitiert, sichtlich beeindruckt, Ioan Păun Otiman, Generalsekretär der Rumänischen Akademie, aus dem Buch „Valori de artă barocă în Banat“ (Werte der Barockkunst im Banat) der Temeswarer Kunsthistorikerin Rodica Vârtaciu-Medeleţ. So lautet ein Teil der Beschreibung eines Altarbildes im Hohen Dom zu Temeswar, das den Altar ziert, der den Schutzpatronen gegen die Pest – die hl. Rosalia, der hl. Sebastian und der hl. Rochus – gewidmet ist. In der Temeswarer Zweigstelle der Rumänischen Akademie wurde der Kunstband von Rodica Vârtaciu-Medeleţ unlängst vorgestellt.

Ioan Păun Otiman ist nicht nur vom literarischen Stil der Barockexpertin, sondern auch von der Reichhaltigkeit der Thematik des Kunstbands begeistert. So umfasst das gehaltvolle Schriftwerk nicht nur Beiträge über die religiöse und weltliche Malerei im 18. Jahrhundert, sondern auch über die Militär- und Zivilarchitektur sowie die Sakralbauten und die Plastik im Banat. Außerdem enthält der rigoros gegliederte Band noch ein Kapitel über den Einfluss des Barocks auf die rumänische Kirchenmalerei sowie wertvolle Archiv- und Dokumentationsquellen. Der Generalsekretär der Rumänischen Akademie hebt gleichzeitig die 2016 gefeierten Jubiläen hervor: 300 Jahre seit der Befreiung des Banats durch die österreichischen Kaisertruppen, unter dem Kommando von Prinz Eugen von Savoyen, 150 Jahre seit dem Bestehen der Rumänischen Akademie und 65 Jahre seit der Gründung ihrer Temeswarer Zweigstelle.

Barockzeitalter und Habsburger Monarchie

Die Vorsitzende der Triade-Stiftung in Temeswar, Sorina Jecza, in deren Verlag die rumänische Originalfassung des Buches von Rodica Vârtaciu-Medeleţ 2015 veröffentlicht wurde, bezieht sich ebenfalls auf das 300-jährige Jubiläum, die Präsenz des Prinzen Eugen von Savoyen in Temeswar, den Barock, die damalige Hauptstadt Wien und all das, was die Beziehung des Banats und Temeswars zum Kaiserreich für die Entwicklung der Region bedeutet hat. Sorina Jecza verweist zugleich auf die Buchreihe über das regionale Kulturerbe, in der dieses Buch erschienen ist und die von zwei Bänden des aus dem Banat stammenden und derzeit in Deutschland lebenden Journalisten, Ethnologen und Fotografen, Walther Konschitzky, „Temeswarer Tore“ und „Die Volksarchitektur im Banat: Stil und Ornamentik“, eingeleitet wurde.

Über die Geschichte und Vorgeschichte des Buches äußerte sich in ihrer Ansprache die Kunsthistorikerin Ruxandra Demetrescu, Professorin an der Nationalen Kunstuniversität in Bukarest. Als Rodica Vârtaciu-Medeleţ´ „Lebenswerk“ bezeichnete sie den Band, da er die Ergebnisse einer Forschungsarbeit von mehreren Jahrzehnten zusammenfasst und verwertet, die sich „auf die kulturellen und künstlerischen Werke, die durch die `Etablierung` des Barocks nach der habsburgischen Eroberung zu Beginn des 18. Jahrhunderts zustande kamen, konzentrieren und denen gewidmet sind“. Nicht nur Kunstwerke und Bauten aus der Hauptstadt des kaiserlichen Banats, sondern auch aus anderen Städten der Region, wie Lugosch, Großsanktnikolaus, Orawitza, Karansebesch bis hin zu Maria Radna/Lippa werden im Buch behandelt, sodass die Reise der Autorin eine „kulturelle und geistige Landkarte“ in den kolonisierten Gebieten der Habsburger Monarchie wiederherstellt, die das Banat als Kronland konsekrierte und somit eine Politik der Beschleunigung der wirtschaftlichen, administrativen, konfessionellen, kulturellen Entwicklung einsetzte. In diesem Kontext erwähnt Demetrescu auch „die Rolle des Barocks als effizientes Propagandamittel im Dienste der triumphierenden katholischen Kirche“.

Barockeinflüsse in den Heiligenbildern

Die Bukarester Kunsthistorikerin betont auch die ausgewogene Sicht bei der Behandlung der westlichen Einflüsse in der orthodoxen traditionellen Malerei, wobei sich die Autorin ohne Vorurteile mit den Formen der religiösen Kunst in der Region auseinandersetze. Als Beispiel dafür wird das wohl ausdrucksvollste Heiligenbild angeführt, das der Jungfrau Maria aus der Basilika Minor Maria Radna, dem bedeutendsten römisch-katholischen Wallfahrtsort im Banat, das die Mutter Gottes in orthodoxer Ikonografie – als Glykophilousa, mit der Geste einer Mutter, die ihr Kind liebkost – darstellt. Aus Ruxandra Demetrescus „subjektiver Sicht“ begann die Geschichte dieses Buches 1992 in Temeswar, fuhr fort 1998 in Regensburg und endete 2000 in Berlin: „Eine glückliche Schicksalswende trug dazu bei, dass diese Landkarte einen mittelosteuropäischen Weg einschlug, in Übereinstimmung mit den Wegen, die die Autorin selbst beschritt, als sie sich auf die Suche nach Johann Nepomuk Schöpf und Michelangelo Unterberger begab.“

Dies, da die Bukarester Kunsthistorikerin 1992, während einer internationalen Tagung über den mittelosteuropäischen Barock in Temeswar, Rodica Vârtaciu-Medeleţ` Ausstellung über den Banater Barock sah. 1998 wurde sie von der Banater Kunsthistorikerin zu einem den deutschen Barockmalern Adam und Johann Nepomuk Schöpf gewidmeten internationalen Kolloquium in Regensburg eingeladen. Und 2000 schloss sich der Kreis, als Ruxandra Demetrescu, während ihrer Amtszeit als Leiterin des Rumänischen Kulturinstituts in Berlin, nun ihrerseits Rodica Vârtaciu-Medeleţ zu einer Tagung einlud, um über das historische Temeswar zu referieren. Letztere präsentierte zu diesem Anlass auch eine fotografisch-dokumentarische Ausstellung, in der Temeswar als plurikultureller Raum präsentiert war.
Eine deutsche Fassung von Rodica Vârtaciu-Medeleţ‘ Buch ist unter dem Titel „Barock im Banat. Eine europäische Kulturlandschaft“ bereits 2012 in der Übersetzung von Stefan Melwisch, ehemaliger Österreich-Lektor an der West-Universität in Temeswar, und Simina Melwisch-Birăescu, bei der Verlagsgruppe Schnell & Steiner in Regensburg/Deutschland erschienen. Für einen passenden musikalischen Rahmen der Buchpräsentation sorgten Alexandra Gu]u (Cello) und Vlad Colar (Querflöte) von der Staatsphilharmonie „Banatul“ in Temeswar, die Barockmusik interpretierten.

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