Glogowatz: Banatschwäbische Traditionen weitergeführt

Nach 20 Jahren wieder ein Maibaum bei der Kirchweih

Mittwoch, 13. Mai 2015

„In der Zukunft wird es sicher anders sein als jetzt, denn auch jetzt ist es anders als früher, aber es wird sein“, behauptet Michael Szellner (rechts im Bild), der Forumsvorsitzender in Arad. Links im Bild Vizekonsul Siegfried Geilhausen und in der Mitte der Bürgermeister Ioan Crisan.

Teodora Mateoc, Mitglied des Banater Rosmareiner, in einer Guttenbrunner Kirchweihtracht. Was diese kennzeichnet kann nur eine Kennerin wie die Guttenbrunnerin Grete Weidmann feststellen: „Die Guttenbrunner Kirchweihtracht ist immer diejenige mit weißer Schürze und zwei Bändern.“

Die Banater Rosmareiner, die Trachtengruppe des Demokratischen Forums der Banater Jugend (DFBJ), führten innerhalb des Kulturprogramms im Glogowatzer Kulturhaus, den beliebten Bändertanz vor. Zum Programm gehörten noch die Auftritte der Trachtenpaare aus Neuarad/Aradul Nou, die auch zusammen mit den Trachtenpaaren aus Glogowatz tanzten, der Warjascher Spatzen aus Warjasch/Varias und der Tanzgruppe „Edelweiß“ aus Detta/Deta. Auch drei Trachtenpaare aus der Arader Ortschaft Hellburg/Siria beteiligten sich an der Kirchweih in Glogowatz. In Hellberg wird am Samstag zum ersten Mal nach etwa 30 Jahren wieder Kirchweih gefeiert.

Die Kirchweihmesse wurde in drei Sprachen – Deutsch, Ungarisch und Rumänisch – vom Neuarader Priester Mathias Dirschl in der 1884 errichteten römisch-katholischen Kirche in Glogowatz gehalten. Auf der Kirchenbank ein Glogowatzer geschmückter Kirchweihhut. Die 100 Jahre alten Kirchweihhüte in Glogowatz wurden von einem Glogowatzer hergestellt. Nur einige Details des Kirchweihschmucks sind neu.

Zunächst war Baumaufstellen angesagt...

....dann folgte der Aufmarsch durch die Straßen des Gemeindezentrums. Der Zug wird von Glogowatzern in ihrer traditionellen Tracht angeführt.

Für die musikalische Untermalung des Kirchweihfestes in Glogowatz sorgte die Blaskapelle „Nadlacanka“ aus Nadlak/Nadlac, die zu jeder Kirchweih in den Arader Ortschaften eingeladen wird. „Nadlacanka“ feiert am 23. Mai ihren 160. Geburtstag und ihre Mitglieder gehören der slowakischen Minderheit, die bis zu 75 Prozent der Bevölkerung in Nadlak einnimmt, an.
Fotos: Zoltan Pázmány

„Heute sind wir alle ein wenig Schwaben“, so Michael Szellner, der Vorsitzende des Deutschen Forums Arad (DFDA), in seiner feierlichen Ansprache bei dem unlängst über die Bühne gegangenen Kirchweihfest in der Arader Gemeinde Glogowatz/Vladimirescu. Der Forumsvorsitzende bezog sich damit auf die etwa 70 am Fest teilnehmenden Trachtenpaare, von denen nur ganz wenige noch Deutsche sind. Ein Beweis der heutigen multikulturellen und -konfesionnellen Vielfalt ist auch die heutige Bevölkerungssubstanz von Glogowatz – bis vor einigen Jahrzehnten noch von einer vorwiegend deutschen Bevölkerung geprägt.

Laut dem Glogowatzer Bürgermeister, Ioan Crisan, leben derzeit in der mit den drei dazugehörenden Ortschaften Horia, Mândruloc und Cicir größten Arader Gemeinde Rumänen (die Mehrheit), Deutsche, Ungarn, Serben, Roma, Slowaken, Russen, Juden und Araber. Sie sind orthodoxen, römisch-katholischen, reformierten, pentikostalen, baptistischen, adventistischen, mosiaschen und muslimischen Glaubens.

Veranstalter des Kirchweihfestes in Glogowatz waren das DFDA und der Arbeitskreis Banat-JA Rumänien. Unterstützt wurde das Unterfangen vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, dem Department für Interethnische Beziehungen am Generalsekretariat der Regierung in Rumänien, dem Bürgermeisteramt und dem Lokalrat Glogowatz sowie verschiedenen Partnern und Sponsoren.

„Es ist das einzige Fest, das noch unsere Tradition bewahrt“, sagt der Ortforumvorsitzende in Glogowatz, Cristian Sebin. Trotzdem sei es keine „richtige Kerwei, aber es beginnt danach auszusehen“, meint Sebin und erinnert, dass ein richtiges Kirchweihfest zwei Tage dauert: am ersten Tag wird der Maibaum aufgestellt und am zweiten Tag findet die Kirchweihmesse, eine Tombola und der Ball statt. Das veranstaltete Kulturprogramm sei eine „moderne Zugabe“.

„Neu ist das Aufstellen des Maibaums“, unterstreicht Adelheid Simon, die Geschäftsführerin der AK Banat-JA, „das Herz und die Seele von all dem hier“, so Ioan Crisan, der Bürgermeister von Glogowatz, zum Einsatz der Geschäftsführerin. Adelheid Simon erwähnt auch die anstehende Teilnahme der Trachtengruppe aus Glogowatz an den Heimattagen der Glogowatzer in Deutschland, ein Fest, das am kommenden Wochenende in Deutschland stattfinden wird. Um den Heimattagen beiwohnen zu können, wurde auch die Glogowatzer Kirchweih auf den 9. Mai, vorverlegt.

Dennis Schmidt, Vorstandsmitglied der HOG Glogowatz in Deutschland, ist zum ersten Mal bei der Kirchweih im Heimatort seiner Eltern. Er sagt mit Freude und Stolz: „Es ist sehr schön für uns zu sehen, dass deutsche Trachten hier durch unsere Gassen gehen – ein Bild, an das wahrscheinlich keiner mehr gedacht hat, es jemals in Glogowatz wiederzufinden.“ Auch für den Vorsitzender des Jugendverbands der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Harald Schlapansky, ist die Kirchweih in Glogowatz eine Premiere:  „Ich finde es toll, wie schön die Gemeinschaft in Glogowatz, egal welcher Völkergruppe sie angehört, dieses Ereignis unterstützt und die alten Traditionen, das Brauchtum der Banater Schwaben von hier pflegt.“

Zu den vielen Kirchweihgästen gehörte auch der deutsche Vizekonsul in Temeswar, Siegfried Geilhausen. „Für mich ist die Pflege der banatschwäbischen Traditionen hier in Glogowatz und in anderen Banater Ortschaften unheimlich schön, unheimlich wichtig.“ Die Pflege aller Traditionen vermisst er in seiner Heimat, in der Nähe von Köln und „somit genieße ich das banatschwäbische Leben hier,“ so Geilhausen der BZ gegenüber. Der Vizekonsul erhielt zu diesem Anlass eine Ehrung seitens der West-Universität „Vasile Goldis“ in Arad, die ihm der Rektor der Hochschule, Univ.-Prof.-Dr. Aurel Ardelean, überreichte.

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