Goethe-Institut im Aufbruch

Leiterin Dr. Evelin Hust erläutert Projekte von der Leipziger Buchmesse bis zum Umzug ins neue Domizil

Mittwoch, 14. März 2018

Dr. Evelin Hust (Mitte, grauer Pullover) als neugewählte Präsidentin des Eunic-Clusters Rumänien
Foto: Goethe-Institut

Das Goethe-Institut schickt dieses Jahr Lavinia Braniște und Bogdan Coșa auf die Leipziger Buchmesse

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Vor allem dominieren 2018 zwei Ereignisse die Aktivitäten des Goethe-Instituts Bukarest: Die morgen beginnende und bis Sonntag geöffnete Leipziger Buchmesse, auf der Rumänien dieses Jahr Gastland ist (die ADZ berichtete, 4. März 2018) und die Vorbereitung auf den heuer anstehenden Umzug in das neue Quartier an der Calea Doroban]i 32. Dr. Evelin Hust, die Leiterin des Goethe-Instituts Bukarest hat sich Zeit genommen, um die verschiedenen Vorhaben des Instituts in einem Gespräch mit der ADZ-Redakteurin Angelika Marks zu erläutern.

Bei den verschiedenen Veranstaltungen der letzten Zeit tauchte das Thema der Leipziger Buchmesse 2018 immer wieder auf. Wie genau sieht die Unterstützung des Goethe-Instituts aus?

Wir haben uns lange vorbereitet, vor allem lässt sich dies auf unserem Literaturblock DLITE verfolgen. In den letzten Wochen haben wir Texte rumänischer Autoren vermehrt ins Deutsche übersetzen lassen. Nicht zuletzt, um die, die nach Leipzig fahren, auch dem deutschen Publikum zugänglich zu machen.

Eine zweite Aktivität, die bereits im Herbst des letzten Jahres anlief, ist die einwöchige Reise von Jan Böttcher (u. a. „Das Kaff“, 2018) durch Rumänien. Er hat zunächst mit Autoren in Bukarest gesprochen und ist dann noch nach Kronstadt und Klausenburg gefahren. Darüber hat er ein Essay geschrieben, was wir seit dem 1. März nach und nach auf dem DLITE-Blog auf Deutsch und Rumänisch veröffentlichen. Das sind 15 Kleinstkapitel unter dem Titel „Aber-das-muss-nicht-stimmen“. Eindrücke, Impressionen, zum Teil nur wenige Zeilen, in denen er die einzelnen Autoren beschreibt, jedoch ohne ihren Namen zu nennen. Darüber hinaus hat er auf Zeit-Online am 28. Februar einen Reisebericht „Engel und Emigranten“ veröffentlicht, in dem er diese jungen Autoren detaillierter charakterisiert.

Auf der Messe selbst wird das Goethe-Institut zusammen mit dem rumänischen Kulturministerium und dem europäischen Literatur- und Übersetzungs-Netzwerk Traduki als Veranstalter bei einigen Auftritten, wie Round-Table-Gesprächen (z. B.: 15. März: Gespräch: Tortenböden und Entführungen aus dem Serail; etc.) fungieren. Vor allem haben wir die Teilnahme zweier rumänischer Gegenwartsautoren, Lavinia Braniște und Bogdan Coșa, auch finanziell unterstützt, mit denen wir im Rahmen des Literatur-Blogs schon länger zusammenarbeiten. Bogdan Coșa ist u. a. bekannt durch seine Roman-Trilogie „Poker“ und seine Interviews auf dem Blog, u. a. auch mit Lavinia Braniște. (Erstmals ins Deutsche übersetzt ihr Roman: „Null Komma Irgendwas“, 2018) Unser Anliegen als Goethe-Institut war es, vor allem junge, noch nicht so bekannte Autoren dem deutschen Publikum näherzubringen.

Gibt es denn auch nach der Buchmesse eine Nachlese, wo Eindrücke und Ergebnisse besprochen werden?

Eine Sache ist geplant, zeitnah im Anschluss an die Buchmesse wollen wir alle Verleger und Autoren einladen, um einerseits ein wenig die geleistete Arbeit zu feiern, aber auch um zu fragen, wie wird das Verhältnis zum deutschen Markt gesehen. Eventuell soll im Herbst eine Lektorin aus Deutschland eingeladen werden, um zu besprechen, wonach guckt man als Lektor, oder wie sind die Entscheidungsprozesse bei einem deutschen Verlag. Also, welches sind die Prioritäten, und umgekehrt, könnten so Vorurteile und Klischees über Rumänien aufgebrochen werden. Insofern ist die Messe für Rumänien eine Chance über das Ereignis hinaus.

Bisher sind in Deutschland die rumänischen Autoren, die sich mit dem zeitgenössischen Rumänien befassen, nur wenig bekannt. Anderseits zeigt es sich, wie sehr die junge Generation sich als Europäer fühlt, oft sind die Unterschiede, was Wünsche und Vorstellungen angeht, gar nicht so groß. Die Situation für junge Schriftsteller ist ja allerdings nicht sehr positiv. Jan Böttcher hat es sehr beschäftigt, wie viele dieser jungen Autoren auf Grund der Verhältnisse über Auswanderung reden. Obwohl dieser Schritt, da sie sich ja nicht mehr in ihrer Sprache ausdrücken können, sehr schwierig ist. Auch wenn es in Einzelfällen positive Gegenbeispiele gibt: z. B. Katja Petrowskaja mit „Vielleicht Esther“, die, obwohl sehr spät ausgewandert, das geschafft hat. Um dieser Auswanderungstendenz entgegenzuwirken, ist es uns ein Anliegen, dass diese Literatur auch in Deutschland Leser gewinnt. Bei einer eventuellen Neugestaltung unseres Blogs würden wir dies gerne berücksichtigen, d. h. mehr Texte auf Deutsch bringen, um eben den Bekanntheitsgrad der rumänischen Literatur in Deutschland zu erhöhen.

Der nächste wichtige Punkt wäre Ihr Umzug auf die Calea Dorobanți. Zunächst, wann ist es denn soweit?

Der Plan ist, dass wir in der Sommerschließung, also Ende Juli, umziehen wollen und dann möglichst bereits unsere Sommerkurse dort anbieten. Die offizielle Eröffnung soll dann Anfang Oktober stattfinden, dann sind auch die Studenten wieder da und wir haben uns schon in dem neuen Haus eingearbeitet. Eigentlich sind es ja drei Gebäude. In dem D‘OR Business Center – Büroturm haben wir die erste Etage angemietet, in der sechs nach modernsten Kriterien eingerichtete Klassenräume, das Lehrerzimmer und in der Lobby das Einschreibbüro untergebracht sind. Dann gibt es das alte Haus, das dem einen oder anderen noch als deutscher Kindergarten bekannt ist, und in dem die Verwaltungsbüros als auch die Rezeption für das gesamte Institut untergebracht sind. Schließlich gibt es den Kultur-Pavillon, der die Bibliothek und einen Veranstaltungsraum von ca. 100 Quadratmetern beherbergt, in dem Ausstellungen, Lesungen etc. stattfinden können, eventuell können wir dort auch Filme zeigen. Gleich zur Eröffnung werden wir auch eine Ausstellung haben, die nennt sich „Games and Politics“ und wurde vom Goethe-Institut zusammen mit dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe entwickelt.

Wie darf man sich denn diese Ausstellung vorstellen?

Dabei geht es um Computerspiele, denn wir wollen dieses Jahr den Fokus auf Spiele in Kombination mit einem Anliegen legen. Es geht um das künstlerische Element dieses neuen Genres. Aber auch politische und gesellschaftliche Fragestellungen, wie z. B. Genderfragen, kommen hier zum Zuge. Allmählich wird anerkannt, dass die „Games“ nicht nur unterhaltend wirken müssen, sondern ebenso wie gute Bücher oder Filme durchaus künstlerisches Potenzial haben. Es werden 18 internationale Indie-Computerspiele vorgestellt, die man auch selbst spielen kann. Inzwischen gibt es eine breite Indie-Szene, z. B. in Berlin das „A MAZE. Festival“, das Alternativen zu den gängigen Ego-Shooter-Spielen aufzeigt. Das ZKM Karlsruhe hatte bereits vor drei Jahren eine dementsprechende Ausstellung konzipiert, die die politischen und künstlerischen Qualitäten von Computerspielen thematisierte. Mit dem Goethe-Institut wurde sie zu ihrer jetzigen Form, als internationale Wanderausstellung, die bereits in Nowosibirsk gezeigt wurde, weiterentwickelt. Dem Goethe-Institut geht es darum, auch die Chancen der Digitalisierung zu zeigen und den Kreativen in der Industrie eine Plattform zu geben. In Bukarest soll ein Begleitprogramm zusammen mit CINETic entstehen, gedacht haben wir dabei an einen Hackathon, bei dem dann Apps mit einem bestimmten Anspruch kreiert werden sollen.

Im Prinzip geht unser Angebot mit der Digital Concert Hall, d. h. den Konzerten, die man als Live-stream an der Musikhochschule sehen kann, bereits in diese Richtung. Letztes Jahr hatten wir einen Workshop zu „game music“ für junge Komponisten organisiert. Und in diesem Jahr, am 4. Mai, werden wir mit dem Radiossinfonieorchester ein Konzert in der Sala Radio haben, bei dem das Orchester sowohl die Melodien bekannter Computerspiele spielt, als auch der Gewinner des deutschen „game music awards“ präsentiert wird. Als Höhepunkt werden dann die Stücke von drei Teilnehmern des rumänischen Workshops vorgestellt, von denen eines an diesem Abend vom Publikum zum Gewinner gekürt werden kann. Dies als Einstieg in die Welt des Spielens und um zu zeigen, dass dies auch sehr anspruchsvolle sinfonische Musik ist.

Das sind ja alles sehr internationale Projekte. Gibt es vor Ort Kooperationen mit anderen Instituten in Bukarest in dieser Hinsicht?

Ja, unser neuer Standort eröffnet uns auch vermehrt Möglichkeiten der Kooperation. Außerdem bin ich hier seit Januar Präsidentin des EUNIC-Clusters (Gemeinschaft der europäischen Kulturinstitute), das z. B. das europäische Filmfestival oder demnächst vom 18.-22. April das Roma-Filmfestival organisiert. Mit dem Französischen Institut arbeiten wir in drei Städten, in Klausenburg, Temeswar und eben Bukarest, eng in einem Projekt zusammen. Im Rahmen des Programms „Jahr des kulturellen Erbes“ geht es darum, einen Prototyp einer „augmented reality application“ (AR-App: z. B. Pokemon-go) zum deutschen und französischen Architekturerbe zu entwerfen. Dabei sollen Rekonstruktionen, Erklärungen usw. zu ausgesuchten Häusern als Inhalt für diese App zusammengestellt werden. Für den deutschen Teil in Bukarest werden wir das Bauhaus thematisieren. Dies alles nicht zuletzt in Hinblick auf das Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019. Das wird im Herbst vielleicht bereits im Rahmen der Ausstellungseröffnung angekündigt werden. Die Digitalisierung, ihre Chancen und wie wir damit richtig umgehen können, ist also dieses Jahr als zukunftsweisendes Thema eines unserer Hauptanliegen.

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