Goldsuche im Bergland

Karansebescher Firma verfügt über zweijährige Ausbeutungslizenz

Donnerstag, 10. Juli 2014

Naidăş - Reisende aus dem Habsburgerreich, die im 18. Jahrhundert das Südbanat bereist und beschrieben haben, erwähnen an der Bersau/Bârzava im Raum der heutigen Bokschaner Stadtviertel Alt- und Neuwerk, an der Nera zwischen Nera-Klamm und Donaueinmündung, an der Karasch im Raum zwischen Gerlischte/Gârlişte und der Orawitzaer Ebene und an der Temesch ober- und unterhalb von Karansebesch, aber auch am Pogoniş-Bach Zigeuner, die aus den Alluvionen Gold wuschen. Die letzten Nachrichten über goldwaschende Zigeunerclans an den Ufern fließender Gewässer des Banater Berglands gibt es in mündlichen Überlieferungen aus den 1920er Jahren, aus Bokschan, unterhalb der Ruinen der mittelalterlichen Burg Kövésd/Cuieşti.

In den 1980er Jahren hat das seinerzeitige Unternehmen für Schürf- und Prospektionsarbeiten IPEG Karansebesch in der von den Flüssen Minisch, Nera und Rudăria modellierten Almăj-Senke intensiv nach goldhaltigen Sanden und sonstigen abbauwürdigen Alluvionen geforscht und ein Projekt ausgearbeitet, das zur Genehmigung bis auf den Schreibtisch des „Kabinetts Nr.1“ ( Nicolae Ceauşescu) gelangt ist – ohne seine Zustimmung zu erhalten. Laut damaligen Aussagen der Karansebescher Geologen hätte man, gestützt auch auf die alten Prospektionsarbeiten, die unter den Habsburgern von Tirolern durchgeführt wurden, deren Karten in Karansebesch aufbewahrt waren, „durchaus abbauwürdige“ Goldlager mit einem durchschnittlichen Goldgehalt von zwei Gramm/Tonne identifiziert.
Im Raum der 20 Kilometer langen, malerischen und unter Naturschutz stehenden Nera-Schlucht, die von der Almăj-Senke ausgeht und Richtung Donau führt, halten sich zahlreiche Erzählungen über „das Gold der Nera“, das zu Niedrigwasserzeiten (vor allem im Spätsommer) zum Vorschein kommen soll. Und diese Erzählungen ziehen hier alljährlich Goldsucher an, die – in vollkommenster Illegalität – ihr Glück versuchen. Bisher ohne einen bekannt gewordenen Erfolg.

Nun ist aber das Projekt einer Karansebescher privaten Schürf- und Prospektionsfirma (bestehend u. a. auch aus ehemaligen IPEG-Arbeitnehmern) bekannt geworden, die im Umfeld der Gemeinde Naidăş versuchen wird, Gold zu fördern. Die Firma hat die Schürf- und Prospektionslizenzen für ein 1,2 Quadratkilometer großes Areal auf dem Gebiet der Gemeinde erworben und hat vor, hier die Nera-Alluvionen nach Gold zu durchsuchen. „Binnen eines Jahres werden nun spezifische Feldbegehungen zwecks Probenentnahmen und Laboruntersuchungen organisiert sowie mehrere Untersuchungsschächte mittels Aushubmaschinen angelegt, um die Tiefenstruktur des vermuteten Goldlagers zu untersuchen“, heißt es vom Unternehmen in der Begründung des Ansuchens um Genehmigung seitens der Agentur für Umweltschutz APM Karasch-Severin.

Das Schürf- und Prospektionsprogramm betitelt sich pragmatisch-prosaisch und ziemlich sperrig: „Prospektionsarbeiten nach Goldvorkommen aus Alluvionen, Nera-Tal, Verwaltungskreis Karasch-Severin“. Durch die 17 geplanten Prospektionsschächte werden, laut Notifizierung für die Umweltgenehmigung, im ersten Prospektionsjahr „leichte Bergbauarbeiten“ nahe dem Flussbett der Nera durchgeführt, die Transversalprofile des vermuteten Goldlagers, bzw. der Alluvions-Au der Nera schaffen sollen. In den zwei Jahren, während denen die Prospektionslizenz gilt, sollen insgesamt 28 geologische Untersuchungsschächte entstehen, die zwischen sieben und zehneinhalb Meter tief sein werden. Die Prospektionsschächte sollen in Fließrichtung der Nera auf dem genehmigten Areal entlang des Flussufers entstehen.

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