Gott bewahre vor der CARD

Samstag, 25. August 2012

Bild: sxc.hu

Dass schwarze Katzen Unglück bringen, schwarze Rauchfangkehrer hingegen Glück, ist hinreichend bekannt und gleich in mehreren Kulturkreisen gültig, was vermuten lässt, dass dieser Aberglaube mindestens auf die Daker, die Römer und die Alten Ägypter zurückdatiert. Die Farbe schwarz ist überhaupt sehr zwiespältig: Ihr Symbolwert reicht von minimalistischer, weiblicher Elégance – etwa das „kleine Schwarze“ von Coco Chanel – zur betont unweiblichen Nicht-Elégance wie Kittel und Kopftuch von Lelea Floarea. Dass man Blumen in Rumänien an Lebende nur in ungerader Zahl, an Tote jedoch in gerader verschenkt, wirft für den Liebhaber bunter Bauernsträuße ungeahnte Probleme auf: Zählt man nun die Stängel oder die Blüten? Als was gilt eine geschlossene Knospe? Wertet man das unscheinbare Vergissmeinnicht genauso wie die prachtvolle Rose? Und ist das bizarre Gebilde des Aronstabes nun Blatt oder Blüte?

Auch dass man an Sonn- und Feiertagen nicht nähen und keine Wäsche waschen darf, war mir lange Zeit unbekannt. Unglaublich, wie ich dies jahrzehntelang unbeschadet überstand, ohne dass es mir so erging wie der alten Nuți, die mir mit unheilschwangerer Flüsterstimme gestand, dass sie sich nur wenige Tage nach einem solchen Regelverstoß einmal das Bein gebrochen hatte. Hatten sich die abgerissenen Knöpfe meines bisherigen Lebens vielleicht zufällig auf andere Tage verteilt? Doch sicher nicht die Dreckswäsche, die man als berufstätiger Mensch die Woche über sammelt und sich je nach Wetterlage samstags oder auch sonntags vorknöpft. Wenn sie dann  frisch-fröhlich im Wind flattert, schleicht die Nachbarin zur Schwiegermutter und beschwört sie hinter vorgehaltener Hand, die „Domnița“ möge doch bitte nicht wieder am Sonntag waschen. Ob denn Unglück wie ein Floh auch auf andere überspringt?

Doch selbst der Staat ist vor Aberglauben nicht gefeit. So soll auf Intervention religiöser Einrichtungen auf den bald einzuführenden Gesundheitskarten nicht CARD stehen, weil das umgekehrt gelesen DRAC, also Teufel, ergibt. Krass! Doch wer weiß...? Ging’s nicht schon den Griechen mit ihren DRAChmen übelst an den Kragen? Vielleicht verdanken wir das hartnäckige wirtschaftliche Chaos ja dem unvorsichtigen Zulassen der EuroCARD, der MoneyCARD und der CreditCARD? Münzen gelten als Auge des Teufels, doch in den Geldkarten kommt der Satan gleich höchstpersönlich daher, wenn auch mit dem Rücken voran: CreditDRAC wäre wohl zu dreist. Vorsicht auch vor dem CARDiologen, vor der RiCARDa und der walisischen Hafenstadt CARDiff, die, Gott sei Dank, weit weg ist. Oft steckt der Teufel im Detail, sagt ein alter Spruch. Manchmal sogar im Fisch – dem SeeTEUFEL nämlich! Oder in der französischen Theatergattung VauDEVILle, englisch getarnt als „devil“. Auch beim DRAChenfliegen geht es trotz Himmelsnähe ganz offensichtlich mit dem Bösen zu. Wieso haben wir das nicht längst gemerkt und diese höllischen Wörter aus dem Wörterbuch gestrichen? Der Duden – Hilfe, ein Teufelswerk! Gott bewahre uns. Wenigstens vor der CARD...

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