„Gott hat uns geholfen“

Ehemalige Russlanddeportierte erinnern sich

Dienstag, 21. Januar 2014

Sathmar - Zwölf ehemalige Russlanddeportierte aus dem Kreis Sathmar nahmen an der Gedenkfeier, die vom DFDR Sathmar am 19. Januar veranstaltet wurde, teil. Die Jüngsten von ihnen sind 87 Jahre alt und zwei Frauen kamen während der Zeit der Deportation ihrer Eltern zur Welt. Der 87-jährige Ioan Jeromos stammt aus Madratz/Mădăraş. Zweieinhalb  Jahre verbrachte er in einem Lager in Krivoyrog in der ehemaligen Sowjetunion. Eben am 3. Januar an seinem Geburtstag wurde er mit rund 70 anderen Landsleuten aus seiner Heimatgemeinde verschleppt. „Zwei Wochen verbrachten wir im sogenannten Dabosi-Haus in Sathmar, neben dem Bahnhof. Danach wurden wir in Viehwaggons nach Jassy/Iaşi transportiert, Männer und Frauen zusammen. Nach einem Monat wurden wir nach Krivoyrog gebracht. Es gab Familien wo beide Eltern der Kinder mitgenommen wurden und die uns auf die Listen aufgeschrieben haben, begannen bereits unsere Häuser unter sich zu verteilen“, erinnert sich der ehemalige Deportierte. Zusammen mit Sachsen und mit Polen wohnten sie in einer heruntergekommener Kaserne, die sie nach ihrer Ankunft selbst renoviert haben. Die meisten von ihnen arbeiteten im Bergwerk.

Ioan Jeromos hatte Glück, denn als Tischler musste er nicht ins Bergwerk hinuntergehen, sondern arbeitete im Lager. „Unser einziges Interesse war, dass wir zu essen bekommen, denn nur so konnten wir am Leben bleiben“, erzählt Jeromos. Die 92-jährige Ilona Berendi, geborene Kaiser, war 18 Jahre alt als sie aus Terebesch/Terebeşti mitgenommen wurde. Rund fünf Jahre verbrachte sie in der Deportation. Zusammen mit ihrem Bruder wurde sie verschleppt. „Fünf Jungen aus unserem Dorf starben dort und konnten nicht mehr mit uns in die Heimat zurückkehren. Wir mussten im Bergwerk schwere Arbeit leisten. Wir Mädchen haben die Grubenwagen geschoben“, ruft die ehemalige Russlanddeportierte ihre Erinnerungen aus der damaligen Zeit wach. Maria Szilágyi, geborene Kaiser, ist heute 87 Jahre alt. Sie stammt aus Petrifeld/Petreşti. Im zweiten Deportationsjahr starb ihr Onkel im Februar und ihr Cousin im Mai. „Die Männer brauchten mehr zu essen als die Frauen. Deswegen starben in unserem Lager mehr Männer als Frauen. Wir pflückten Spinat und aßen ihn roh mit Salz. Mein Cousin wurde davon krank und am darauffolgenden Tag war er schon tot“, berichtet Frau Silágyi. „In den letzten zwei Jahren mussten wir nicht mehr hungern. Da gab es auch Brot, Kraut und Kartoffeln zu essen“, erinnert sie sich.

Die ebenfalls 87-jährige Maria Rist wurde aus Craidorolţ nach Russland verschleppt. „Man hat mich mit dem zweiten Transport mitgenommen und so hatte ich das Glück, dass ich bessere Bedingungen hatte als die anderen“, sagt Maria Rist, die fünf Jahre lang in einer Nickelfabrik arbeitete. Maria Melega und Eva Novak sind in Russland während der Zeit der Deportation geboren. Die Deportation hatte auch auf ihr Leben wie auch aufs Leben ihrer Eltern ihre Auswirkung. „Meine Eltern wurden noch in ihren Jugendjahren nach ihrer Rückkehr krank, und meine Gesundheit hat auch darunter gelitten, dass ich die ersten sechs Monate meines Lebens unter unmenschlichen Bedingungen verbringen musste“, sagt Eva Novak. Auf die Frage, ob sie noch Hass gegenüber den Verantwortlichen, die an ihrer Verschleppung schuld sind, empfinden würde, antwortet Maria Szilágyi: „Ich bin auf niemanden böse. Gott sei Dank, hat Gott mir geholfen und ich konnte in meine Heimat zurückkehren“.

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