Gottlober Melonen in aller Munde

Anbauer hatten für das jährliche Gemeindefest keine Ware mehr

Mittwoch, 22. August 2012

Die Wasser- und Zuckermelonen aus Gottlob sind in Rumänien und dem Ausland gefragt.

Das Melonenfest aus Gottlob ist inzwischen eine traditionsgebundene Veranstaltung, die allmählich von ihrem Kerngedanken abweicht. Nur sechs Melonenhersteller stellten in diesem Jahr ihre Produkte aus. Dafür fanden sich Adidas-Imitate, Billigprodukte aus Asien und Ramsch unterschiedlichster Sorte an allen Ecken. Kapitalistisches Gespür beweisen auch die Einwohner aus Gottlob. Das Melonenfest ist für viele Händler inzwischen eine Goldmiene. Nur der wichtigste Importgegenstand schien im Jahrmarkttrubel und hinter den rauchigen Grillbuden unterzugehen. Dabei ist der Melonenanbau für viele Bauern die wichtigste Einkommensquelle. Auch die Verwaltung profitiert davon. Rund 80 Prozent des Kommunalhaushalts wird aus der Besteuerung der Melonenanbauer gewonnen. Der Bürgermeister schätzt die Zahl der Hersteller auf 100. Dagegen enttäuscht die Zahl der Festivalteilnehmer. Der Zeitpunkt habe nicht gestimmt. Denn für die gottlober Melonenanbauer war 2012 ein erntereiches Jahr gewesen. Die begehrte afrikanische Frucht war auf den rumänischen Obstmärkten schnell vergriffen. Viele hatten für das Melonenfest keine Ware mehr. „ Wir haben in den ersten zwei Augustwochen alles verkauft“, sagt Anneliese Wambach. Sie und ihr Mann bauen seit rund acht Jahren Wasser- und Zuckermelonen an. Aufgrund der Rekordhitze in diesem Jahr reiften die Früchte schneller als erwartet. In nur zwei Wochen verkaufte Wambach mehrere hundert Tonnen. Zu den größten Kunden gehörten vorwiegend Händler aus Oltenien. „Sie kamen direkt aufs Feld, um ihre Frachtautos zu füllen“, so Wambach. Wichtige Handelszentren für die begehrte Sommerfrucht sind neben Temeswar/Timi{oara auch Reschitza/Re{i]a, Frauenbach/Baia Mare und Sathmar/Satu Mare. Quantitativ fiel die Ernte für viele Bauern kleiner aus. Dafür stimmte die Reife der Melonen. Besonders aufgrund der Qualität der Früchte, sprechen die Anbauer von einem Erfolgsjahr. „Mein Mann hat gesagt, dass man nur alle vier oder fünf Jahre mit so einer Ernte rechnen kann“, so Wambach.

Es ist ein kostspieliges und daher besonders riskantes Geschäft: Die Investitionssumme beläuft sich auf 100 Millionen Lei pro Hektar. Die Familie Wambach besitzt acht Hektar, somit kostete der Anbau in diesem Jahr rund 800 Millionen Lei. Wenn sich die Melonen verkaufen, lohnen sich die Kosten. Damit der Preis möglichst hoch ausfällt, müssen dagegen die Melonen groß und schön ausfallen. In den ersten Tagen gingen die Wassermelonen für 1,5 Lei pro Kilogramm. In den letzten Verkaufstagen sank der Preis auf 60 bis 80 Bani.

Wambach baut die Wassermelonen in geschützten Lagen im Freiland an. Die Melonen werden mit einer besonderen Folie abgedeckt und künstlich bewässert. Die Bewässerung erfolgt während der Nacht. Anders als andere Gemüse- und Obstsorten verlangen Melonen hohe Temperaturen und viel Sonne. Niedrigere Temperaturen im Sommer können die Ernte verzögern und gefährden. In diesem Jahren waren die kühlen Mainächte ein großes Problem. Zwei Wochen lang sanken die Temperaturen unter zehn Grad. Einzige Rettung für die Bauern war die hohe Hitzewelle im Juni und Juli.

In der Region konkurriert Gottlob noch mit den Gemeinden Periam und Lovrin. Besonders periamer Bauern schnappten sich viele Handelsverträge mit Händlern aus den Großstädten, weil ihre Melonen früher reifen. „Der Boden ist in Periam sandiger“, sagt Wambach. „Darum werden die Melonen dort früher angebaut.“ Im Nachhinein hätten viele Händler es bedauert, dass sie nicht auf die gottlober Melonen umgestiegen sind. „Nicht umsonst heißt dieser Ort ‚Gottlob’“, meint einer der Anbauer, der sich am Festival beteiligte. „Die Erde ist besonders fruchtbar und für Melonen einfach perfekt.“

Die Familie Wambach hat inzwischen einen festen Kundenstamm. Sie arbeitet auch mit einem ungarischen Händler zusammen, der ihre Ware im Westen verkauft. Für den Anbau wird alles importiert: von den Bewässerungsanlagen zu den Schutzfolien bis hin zu den Früchtesamen. Diese stammen aus Holland.

Bürgermeister Gheorghe Nastor möchte im nächsten Jahr die Marke „Original Gottlob“ sichern. Weiterhin will er ein Handelszentrum in Gottlob eröffnen und eine Zusammenarbeit mit Serbien starten. 

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