Grandiose Aussichten, Sardinen und gelbe Trams

Warum Lissabon das perfekte Urlaubsziel für 2018 ist

Samstag, 27. Januar 2018

Der märchenhafte Torre de Belem beim Sonnenuntergang

Eine Fahrt mit dem Elevador da Gloria bleibt unvergesslich.

Muss man unbedingt aus Lissabon mitbringen: bunt verpackte Sardinen
Fotos: die Verfasserin

Die Sonne brennt, die Leute liegen auf ihren Handtüchern am Strand, von irgendwo aus der Ferne ertönt Gitarrenmusik, es riecht nach Sonnencreme und nach frisch gebackenem Lebkuchen. Der Atlantische Ozean ist dunkelgrün und komplett wellenlos. Ein paar Kinder spielen im Wasser. Eine riesige weiße Möwe versucht, aus meinem Pappbecher Galao zu trinken. Das ist portugiesischer Milchkaffee. Schließlich gelingt es ihr, den Becher umzukippen. Der Galao fließt in den Sand.

Es ist ein heißer Montagnachmittag im portugiesischen Cascais. Man würde am liebsten den ganzen Tag am Strand faulenzen und Sonne tanken. Doch der Tag ist kurz. Der Himmel färbt sich schon um 18 Uhr rosarot, die Sonne geht unter, es wird dunkel. Es ist der 1. November.

Die bezaubernde Kleinstadt Cascais liegt knapp 50 Minuten mit dem Zug von Lissabon entfernt. Bis zur nächsten Stadt am Ozean, Estoril, kann man in 40 Minuten auf einer Strandpromenade spazieren. Es ist einer der schönsten Spaziergänge dort. Cascais und Estoril eignen sich perfekt für einen Tagesausflug, wenn man in Lissabon weilt. Dort spürt man das Urlaubsgefühl am stärksten.

Seit Juli 2017 fliegt die Fluggesellschaft TAP Portugal sechsmal pro Woche von Bukarest nach Lissabon. Der Preis für Hin-und Rückflug beginnt bei 100 Euro, falls man früh bucht. Besonders praktisch ist, dass man am Morgen hinfliegt und der Rückflug spät in der Nacht erfolgt. Auch die Billigfluggesellschaft Blue Air verbindet die rumänische und die portugiesische Hauptstadt. Einen Kurzurlaub in Lissabon plant man am besten, wenn es in Rumänien kalt und düster ist. Am 1. November 2017 fiel in den rumänischen Karpaten der erste Schnee, bei Cascais lud der Ozean zum Baden ein.

Leicht erreichbare Stadt

Viereinhalb Stunden dauert der Flug von Bukarest in die portugiesische Hauptstadt, dabei erklärt der Pilot, dass wir über Rom und Barcelona fliegen werden. An den Flughafen ist die Stadt perfekt angebunden - durch die U-Bahn. Eine Fahrt kostet 1,60 Euro, eine Tageskarte 6 Euro. Mit der kann man auch mit der Tram und allen Standseilbahnen in Lissabon 24 Stunden lang fahren. Hotels und Pensionen findet man für 60 Euro pro Zimmer/Nacht in Top-Lage. Am besten bucht man eine zentral gelegene Unterkunft, dann sind die meisten Attraktionen zu Fuß erreichbar.

Frühstücken sollte man in Lissabons berühmten Cafes und Patisserien. Und dort unbedingt „Pasteis de nata“ bestellen – süße Eiersahnecreme auf knusprigem Blätterteig. Das Rezept ist nach fast 180 Jahren noch immer geheim. Dazu passt ein Becher Galao. Am besten, man verbringt den Vormittag im A Brasileira in der Rua Garrett. Das vielleicht berühmteste Cafe der Stadt steht heute unter Denkmalschutz, wurde in der Spätzeit der Belle Epoque errichtet und gilt als Geburtsort der Bica, der portugiesischen Variante des Espressos. Zu den Stammgästen gehörte einst der Schriftsteller Fernando Pessoa, an den eine Bronzestatue vor dem Cafe erinnert. Auch heute hat A Brasileira seine Stammgäste: alte Herren, elegant gekleidet, die Kaffee trinken und Zeitung lesen. Neben ihnen sitzen Touristen in Markenturnschuhen, die in ihre Smartphones starren. Es sind zwei Welten, dicht nebeneinander.

Die gelben Trams

Wer während des Urlaubs nicht mit einer gelben Tram oder Standseilbahn gefahren ist, war nicht wirklich in Lissabon. Den Charme der Stadt entdeckt man am besten auf diese Weise. Die Straßenbahn (portugiesisch: Carros eléctricos de Lisboa) existiert seit 1873. Sie wurde zunächst als Pferdestraßenbahn eröffnet und wird seit 1901 elektrisch betrieben. Bei Touristen besonders beliebt ist die Linie 28. Man macht damit praktisch eine Stadtrundfahrt, viel authentischer als mit den touristischen Doppeldeckerbussen. Und achtmal günstiger.

Die Tram 28 verbindet die unterschiedlich geprägten Stadtviertel Alfama, Baixa und Lappa der Lissaboner Innenstadt mit dem Stadtteil Prazeres. Es geht fast eine Stunde ratternd rauf und runter durch steile und schmale Altstadtgassen. Falls man spontan etwas Sehenswertes entdeckt, kann man jederzeit aussteigen. Oder man merkt sich den Ort für später vor. Die Tram 28 nimmt man am besten von der Station Praca Martim Moniz aus. Dort bilden sich schon früh am Morgen lange Touristenschlangen. Man muss etwa eine Stunde warten, aber es lohnt sich auf jeden Fall.

Über den Dächern der Stadt

Auch mit den drei Standseilbahnen sollte man unbedingt fahren. Die „Ascensores de Lisboa“ verbinden tiefer gelegene Teile der Altstadt mit höher gelegenen. Die Seile sind vollständig unter der Straßenoberfläche verborgen.

Mit dem Elevador da Gloria (1885 eröffnet) steigt man hinauf zum Miradouro de Sao Pedro de Alcantara, wo man einen wunderschönen Blick von oben auf die Stadt genießen kann. Mit dem Ascensor da Bica (1892 eröffnet) kommt man zum Miradouro de Santa Catarina, einem beliebten Treffpunkt für junge Leute. Auch von hier blickt man auf die Stadt und den Tejo-Fluss. Der Elevador do Lavra (1884 eröffnet) ist die älteste Standseilbahn der Stadt. Oben angekommen, trifft man auf den Campo dos Martires.

Doch der spektakulärste Aufzug ist der Fahrstuhl Elevador do Santa Justa. Sein unterer Halt befindet sich in der Nähe der Metro-Station Baixa-Chiado in der Rua Santa Justa. Er ist kaum zu übersehen: Von morgens bis abends bilden sich hier riesige Touristen-Schlangen. Man zahlt fünf Euro, dann fährt man in einer der beiden mit Holz vertäfelten Kabinen mit Fenstern und Messingbeschlägen in die Höhe. In jede Kabine passen 24 Personen. Oben beim Convento do Carmo angekommen, hat man die ganze Stadt vor den Füßen und kann sich an ihr nicht sattsehen. Man blickt auf das gegenüberliegende Castelo de Sao Jorge und über die Dächer des Stadtteiles Baixa. Für zwei Euro Eintritt kann man über eiserne Wendeltreppen noch zwei Etagen erklettern. Hoch auf dem Dach des Lifts befindet sich eine Aussichtsplattform mit einem Cafe, wo man zu erstaunlich niedrigen Preisen essen kann.

Zeitgenössische Kunst, märchenhaftes Schloss und Picknick

Etwas weiter gelegen ist der Turm von Belem an der Mündung des Flusses Tejo. Mit der Tram braucht man etwa eine halbe Stunde bis hin - die Station befindet sich gegenüber dem Mercado da Ribeira - ein Markt, in dem es von morgens bis abends bunt zugeht und der auch einen Besuch wert ist. Den Torre de Belem, eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons, fotografiert man hundertmal, er sieht aus wie ein Märchenschloss aus vergangenen Zeiten. Die oberste, 35 Meter hohe, freiliegende Etage des Turms ist eine Aussichtsplattform. Das Innere des Turms diente bis zum 19. Jahrhundert als Gefängnis und Waffenlager. Seit 1983 zählt der Torre de Belem zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Falls man Belem an einem besonders schönen Tag besucht, kann man unter den Pinien im Park vor dem Turm picknicken, ein Buch lesen, oder einfach auf einer Decke sitzen und den vielen Touristen zuschauen, die sich hier fotografieren lassen.

Ebenfalls sollte man sich das Museu Colecao Berardo nicht entgehen lassen. Dieses beherbergt die Kunstsammlung des Millionärs Jose Berardo. Von Picasso bis Warhol kann man hier alles finden - in den Räumlichkeiten sind Werke zum Kubismus, Surrealismus, zu Pop Art, Hyperrealismus, Minimalismus und zur Konzeptkunst ausgestellt. Bis vor Kurzem war der Eintritt frei, jetzt kann man die beeindruckende Kollektion für nur fünf Euro besichtigen.

Stadt der Sardinen

Wenn man das erste Mal in Lissabon ist, staunt man über die vielen Sardinen, die überall anzutreffen sind. Es gibt T-Shirts, mit Sardinen-Motiven bedruckt, Kühlschrankmagnete in Sardinenform, Tischdecken, die mit bunten Sardinen bestickt sind, Sardinen-Ohrrringe und natürlich Sardinenkonserven mit origineller Verpackung. Nie waren die gefüllten Blechbüchsen so stark im Trend wie heute. Man sollte Lissabon nicht verlassen, bevor man nicht ein paar Konserven als Souvenir gekauft hat. Ein absolutes Muss ist ein Besuch in der Conserveria de Lisboa auf der Straße der Stockfischhändler (Rua dos Bacalhoeiros), einem Geschäft, das seit 1930 existiert und das den Charme vergangener Zeiten nicht verloren hat. Man steht lange Schlange, dann verpacken eine ältere Frau und ihr Sohn die Sardinen in braunes Einkaufspapier und schnüren es fest zu. Ein wundervolles Geschenk! Eine Konserve habe ich auch für mich behalten. Zu Hause angekommen, stelle ich fest, dass es eben eine normale Sardinenkonserve ist, die man in jedem Supermarkt kaufen kann. Heutzutage ist Verpackung alles. Wer wirklich köstliche geräucherte Sardinen in Lissabon essen will, sollte zu „Grapes and bites“ im Barrio Alto-Viertel gehen. Nur die Erinnerung an diesen Geschmack lässt einem schon das Wasser im Mund zusammenlaufen.

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