Gregor von Rezzoris „Tanz mit dem Jahrhundert“

Internationale Tagung in Frankreich zum 100. Geburtstag

Samstag, 28. Juni 2014

Der Journalist Ezzelino von Wedel (am Pult), Gregor von Rezzoris jüngster Sohn, und Fried Nielsen, Kulturattaché der Deutschen Botschaft in Paris, im Gespräch.

Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers, Journalisten, Übersetzers, Drehbuchautors und Schauspielers Gregor von Rezzori (1914-1998) fand unter dem Titel „Tanz mit dem Jahrhundert“ ein internationales Symposium in Paris statt. Die Vorträge wurden auf Deutsch, der Runde Tisch über die Rezeption Rezzoris in Frankreich auf Französisch mit deutscher Simultanübersetzung gehalten.Fried Nielsen, Kulturattaché der Deutschen Botschaft in Paris, eröffnete eine Ausstellung mit Rezzori-Erstausgaben und stellte drei jüngst aus gegebenem Anlass erschienene Bücher von oder über Rezzori vor. Im Rahmen des Literatursalons wurde der Film „Der fröhliche Ketzer“ (1994), ein Porträt von Georg Madeja, gezeigt.

Anschließend fanden eine Lesung von Rezzori-Texten auf Deutsch und Französisch und ein Musikprogramm statt.Tagungsveranstalter waren die Deutsche Botschaft in Paris und das Centre de Recherches et d’Ètudes Germaniques der Université de Toulouse 2 (CREG) mit Unterstützung des Goethe-Instituts und des Österreichischen Kulturforums in Paris. Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Jacques Lajarrige inne. Die Referierenden kamen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn. Aus Rumänien hielten Vorträge Prof. Dr. Andrei Corbea-Hoişie (Universität Jassy) und Prof. Dr. Mariana-Virginia Lăzărescu (Universität Bukarest).Anwesend auf der Tagung war auch der jüngste Sohn Gregor von Rezzoris, der Journalist Ezzelino von Wedel (Bremen), mit dem Mariana Lăzărescu ein Gespräch für die ADZ führte.


Herr von Wedel, würden Sie bitte den Leserinnen und Lesern der ADZ die Geschichte des Namens Rezzori kurz schildern?

Als der junge Rezzori während des Zweiten Weltkriegs seine ersten Romane veröffentlichte, schrieb er noch unter seinem richtigen Namen Gregor von Rezori, mit einem Zett. Kurz danach füllte er den Namen mit einem zweiten Zett auf und hängte auch noch ein erfundenes „d’Arezzo“ an. Das mit dem zweiten Zett kann ich gut verstehen. Er wollte nicht mehr „Resori“ genannt werden, wie es ihm bislang oft geschehen war. Das „d’Arezzo“ war offensichtlich der künstlerische Versuch, seinen Namen und seine Herkunft zu veredeln – ein etwas abenteuerliches Unternehmen, da die amtlichen Dokumente seiner Familie ja jedermann öffentlich einsehbar waren. In dem sehr korrekten Nachkriegsdeutschland hat ihm das den Ruf eines Hochstaplers eingebracht.

Welches ist Ihre liebste Erinnerung an den Vater Gregor von Rezzori?

Am schönsten war es mit ihm, wenn er erzählte. Als wir noch Kinder waren, hat er uns die großen Geschichten der griechischen Mythologie erzählt. Er konnte jede Einzelheit unglaublich plastisch und lebendig darstellen. Ich werde nie vergessen, wie mein Bruder bei der Episode vom Tode des Achilles in Tränen ausbrach.

Glauben Sie, dass die internationale Tagung in Paris neue Perspektiven für die Rezzori-Exegese eröffnet hat?

Den Eindruck hatte ich schon. Ich denke da an zwei wichtige Punkte, die auch Gegenstand der Diskussion waren. Zum einen: In seinem Schlüsselroman „Der Tod meines Bruders Abel“ thematisiert Rezzori immer wieder die Frage nach dem Sinn oder dem Unsinn der Existenz. Seine eher pessimistischen Antworten sollten einmal theologisch und gleichzeitig tiefenpsychologisch genauer unter die Lupe genommen werden. Man würde da auf hochinteressante Zusammenhänge stoßen. Zum anderen: Uns fehlt immer noch ein Gesamtüberblick über das breite Spektrum von Rezzoris Arbeit. Wir wissen noch viel zu wenig etwa über den Rundfunkpionier oder den Tagesjournalisten Rezzori. Da gibt es noch viel zu entdecken.

Vielen Dank für das Gespräch.

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