Großflächige Putti-Patterns

Cătălin Bălescu stellt in Temeswar aus

Montag, 21. März 2016

Cătălin Bălescus Gemälde im Kunstmuseum Temeswar
Foto: Ştefana Ciortea-Neamţiu

Putti, Putti und abermals Putti mit lächelnden Kindergesichtern, aber auch mit seriösen, von Altersfalten und Tristesse durchfurchte Erwachsenenbilder – auf großen Leinwänden präsentierte der Bukarester Gegenwartskünstler Cătălin Bălescu einige seiner Werke im Temeswarer Kunstmuseum. Nebenher auch kachelartige Werke, wie etwa das Gemälde mit dem ungewöhnlichen Titel „Porträt in der Gruppe“ oder „Nach San Ignazio“, wo Dutzende kleine Bilder wie Fotos vom Passbild-Automaten oder wie kleine Apps anklickbereit brav nebeneinander in kleinen Quadraten angeordnet sind. Das Motiv wird aus einzelnen Bildern wie auch aus dem Nebeneinander ersichtlich.

Cătălin Bălescu hat in Bukarest und im Ausland öfter ausgestellt als in Temeswar. Zurzeit bietet das hiesige Kunstmuseum die Ausstellung „Studien über Manierismus“ an (so auch die Namen, die viele der Exponate tragen), die das Publikum noch bis zum 26. April besuchen kann. Dabei ist der Künstler im Nachbarkreis Hunedoara geboren und sollte allein schon deshalb den Temeswarern näher stehen. Studium und Karriere brachten ihn aber schon in jungen Jahren in die Hauptstadt, wo er neben der Künstlerlaufbahn auch eine akademische Laufbahn aufgenommen hat; zurzeit bekleidet er das Amt des Rektors der Nationalen Kunstuniversität UNARTE.

Bei der Vernissage in der vergangenen Woche hat die Bukarester Kunstkritikerin Ruxandra Demetrescu das Wort ergriffen, die das Werk des Künstlers im Kontext des Museums, eines „barocken Palastes am Rande des Habsburgerreiches“, als dem Barock verpflichtet entzifferte: „Ich werde in dem Versuch, die Werke zu entschlüsseln, mit der künstlerischen Dimension des Autors beginnen. Was hier in dieser Ausstellung zu sehen ist, ist der Weg in die Welt der Malerei: eine gewundene Straße, die zu Kompositionen führt, die von einer unleugbaren barocken Seele berührt sind.“ Berechtigterweise, erklärte die Kritikerin, sollten sowohl die Exponate als auch der Ausstellungsort aufmerksam analysiert werden, wobei sie noch einmal darauf hinwies, dass die Werke ohne Titelschildchen in den Saal hineinwachsen; dem aufmerksameren Besucher ist es überlassen, ob er die auf einer Liste beim Eingang jeden Saales angeführten Titel der Gemälde lesen will oder nicht.

Vorgestellt wurde die Ausstellung auch von dem Kunstkritiker Cristian Robert Velescu, der es vorzog, sich auf Cătălin Bălescus Begegnung mit dem Werk Andrea Pozzos in der römischen „Sant’ Ignazio“-Kirche zu beziehen: mit den berühmten perspektivischen Fresken sowie mit der Scheinkuppel in der Trompe-l’ Œil-Technik, die einen besonderen Eindruck auf den Künstler hinterlassen haben.
Eine Ausstellung, die dem hiesigen Besucher eine Perspektive über die gegenwärtigen Ansätze in der Bukarester Kulturszene bietet.

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