Großscheuerner Altar nach 112 Jahren heimgekehrt

Bedeutendes Kulturgut wieder an angestammtem Platz

Samstag, 17. Oktober 2015

Der wiedererrichtete Altar der evangelischen Kirche in Großscheuern aus dem Jahr 1712

In der evangelischen Kirche zu Großscheuern (Kreis Hermannstadt) hat der 1903 abgebaute Barockaltar kürzlich seinen alten Platz eingenommen. Damit kehrt ein bedeutendes Kulturgut nach 112 Jahren an seinen Heimatort zurück.

Der aus dem Jahr 1712 datierende Altar musste seinen Platz einem neuen Retabel überlassen, das dem geänderten Zeitgeschmack weit besser entsprach. Warum der verdrängte Altar aber umgehend nach Hermannstadt transportiert und der dortigen Schwestergemeinde auf unbestimmte Zeit überantwortet wurde, verrät das Übergabeprotokoll vom 30. November 1903. Festgehalten wurde dort, „dass es dem Hermannstädter Presbyterium zustehe, den Altar auch ohne besondere Einwilligung des Groß Scheuerner Presbyteriums dem Brukenthalischen Museum in Verwahrung zu übergeben (…).“ Kein geringerer als Friedrich Teutsch, der spätere Sachsenbischof, war es, der kraft seines Amts als Ortspfarrer seitens der Gemeinde Großscheuern signierte.

Offenkundig hatte die Hermannstädter Gemeinde als Besitzerin des Brukenthalmuseums den Altar mit der Absicht übernommen, ihn demselben zuzuführen. In jener Epoche der massiven Kirchenrenovierungen drohte außer Mode oder Gebrauch gekommenen Ausstattungsgegenständen zahlreicher siebenbürgisch-sächsischer Kirchen der Totalverlust; zumindest für einen Teil von ihnen durfte das Brukenthalmuseum zum rettenden Hafen werden. Der Großscheuerner Altar war für die Räume des Brukenthalpalais‘ am Großen Ring, wo man ihn wohl am liebsten gesehen hätte, allerdings viel zu hoch. So fand er von Beginn an in der „Neuen Kirche“ – der heute als Ferula bekannten Westvorhalle der Hermannstädter Stadtpfarrkirche – neben zahlreichen anderen „kirchlichen Altertümern“ aus unterschiedlichen Gemeinden wirksamen Unterschlupf. Zuletzt hatte er in mehreren Metern Höhe auf dem monumentalen Betonsockel des Kirchturms eine Bleibe gefunden und war dadurch den Blicken etwas entzogen.

Infolge eines Kurzschlusses in der Großscheuerner Kirche am 28. November 2013 brannte – einzig und allein – der neue Altar restlos ab und ging unwiederbringlich verloren. Die Gemeinde, der Kirchenbezirk Hermannstadt und die Heimatortsgemeinschaft kamen daraufhin überein, den alten Altar aus der Hermannstädter Stadtpfarrkirche zurückzuholen. Die konservatorische Behandlung und behutsame Wiedererrichtung am 1. und 2. Oktober 2015 wurde von einem erfahrenen Fachrestaurator vorgenommen. Eine Restaurierung im engeren Sinne erübrigt sich, da der Altar die 303 Jahre seines Bestehens in gutem Zustand bewältigt hat und sein festliches, vor allem aber auch authentisches Erscheinungsbild durch geringfügige Spuren der Zeit keineswegs beeinträchtigt wird. Es bleiben noch die brandgeschwärzte Altarmensa und der einzigartige Treppstein vor dem Altar konservatorisch zu betreuen. Einem feierlichen Einweihungsgottesdienst steht somit nichts mehr im Wege.

Kommentare zu diesem Artikel

ernst, 22.10 2015, 14:30
Sehr geehrte Frau Lieselotte,
jedweder polemischen Ton lag mir bei mein r Anmerkung fern - Sie meinen "Treppstein" ist sinnvoll und ich meinte halt -Altarstufe- sei angebrachter . Im übrigen freuen wir uns über den neuen Altar und alles andere wird sich zeigen.
Lieselotte, 22.10 2015, 08:52
Herr Ernst,
mit "Altarstufe" hätte der Autor den Stein abgewertet, "Treppstein" ist neutral und sinnvoll. Der Wert der von Ihnen mitgeteilten Information über den Stein, die im Rahmen des Artikels nicht notwendigerweise benötigt wird, aber für uns Leser willkommen wäre, wird allerdings durch Ihren polemischen Ton mit Sicherheit abgewertet.
ernst, 22.10 2015, 00:02
zum Thema "Kultur" - der "einzigartige Treppstein (wenigstens Altarstufe ) vor dem Altar" ist das älteste Grabstein-Fragment eines Siebenbürger Sachsen aus dem Jahre 1378.

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