Grundnahrungsmittel auf rumänischem Markt durchwegs verteuert

Starke Preisanstiege unter dem Deckmantel: Es herrscht Krise

Freitag, 30. August 2013

Am teuersten wurden, selbst in ihren wichtigsten Erzeugungsgegenden Rumäniens, die Kartoffeln. Zwischen 2008 und 2013 sind 14 der 15 von den in Rumänien als Grundnahrungsmittel geführten Lebensmittel massiv im Einzelhandelspreis gestiegen, stellt die Online-Publikation „EconText“ fest. Damit seien auch die Lebensunterhaltskosten massiv gestiegen und es hat Änderungen im Ranking der Verwaltungskreise in dieser Hinsicht gegeben. Letztendlich sind im Vergleich der Verwaltungskreise aufgrund der Lebenshaltungskosten auch neue Diskrepanzen aufgetaucht.

Im Szeklerland sind Grundnahrungsmittel teurer

Die Preisvergleiche gelten für die Preise auf den Bauernmärkten – unabhängig davon, ob sie von Direktproduzenten oder den „professionellen Zwischenhändlern“ eingefordert werden. 2008, bevor Westeuropa und der Rest der Welt den Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise konstatieren und darauf reagieren mussten, war der teuerste Verwaltungskreis hinsichtlich der Grundnahrungsmittel Harghita. In Rumänien allerdings gab es damals noch nahezu zwei weitere Jahre ohne jede Krise, das behaupteten zumindest der damalige Premierminister Emil Boc und sein Vorredner, Präsident Traian Băsescu, steif und fest. Auf dem Bauernmarkt kostete im Kreis Harghita im Juli 2008 je ein Kilogramm Kartoffeln, Tomaten und Kraut zusammen 7,55 Lei, den Höchstpreis in Rumänien. Im Juli 2012 war der Nachbarkreis Covasna Spitzenreiter mit 8,72 Lei für dieselben Quantitäten und Waren. Kronstadt/Braşov hingegen, ganz in der Nähe, befand sich 2008 auf Rang zwei im Top der teuersten Verwaltungskreise bei diesen drei einheimischen Sommerprodukten, landete aber im Juli 2012 auf Platz 16, mit 6,89 Lei, hat „EconText“ errechnet. Ähnlich der Verwaltungskreis Klausenburg/Cluj, der reichste, also einkommensstärkste siebenbürgische Verwaltungskreis, der von Rang drei im Jahr 2008 auf Rang zwölf vor einem Jahr rückte, mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis der Kartoffeln von 1,5 Lei/kg, des Krauts von 2 Lei das Kilo und der Tomaten von 3,65 Lei/kg, also einem Gesamtpreis von 7,15 Lei für die Mustermenge der drei Grundprodukte des bäuerlichen Umfelds, die auf dem Bauernmarkt gehandelt werden.

Gemüsebauertraditionen verlagern sich

Andere Verwaltungskreise, wie beispielsweise Bihor, die 2008 im unteren Teil des Klassements standen (auf Rang 21) schnellten hoch auf der Kostenskala, auf Rang vier im Jahr 2012 (mit 1,66 Lei/kg die Kartoffeln, 2 Lei/kg das Kraut und 4,66 Lei/kg die Tomaten – macht zusammen 8,32 ein Einkauf). Etwas überraschend kam der Rang des (ehemaligen?) Gemüsebauerkreises Arad im Jahr 2012. Mit Rang sieben auf der Skala und 1,75 Lei/kg Kartoffeln, 1 Leu/kg Kraut und 5 (!!) Lei/kg die Tomaten, sowie Gesamtkosten des Einkaufs von 7,75 Lei hatte Arad zwar Rang vier der Skala von 2008 verlassen, lag aber immer noch unverhältnismäßig weit oben gegenüber dem, was man im Banat so erwartet hätte. Ob das allein auf die im Banat üblich gewordenen „Binnenimporte“ aus Südrumänien oder auf „richtige Importe“ aus der Türkei zurückzuführen ist und auf die Auswanderung der Deutschen, etwa aus Neuarad, dem Gemüsebauzentrum früherer Zeiten, das müsste mal eigens untersucht werden.

Karasch-Severin kletterte von Rang 17 (2008) auf Rang 13 (2012), mit Gesamteinkaufskosten für die Mustermenge von 7,08 Lei, während Hermannstadt von Rang 14 (2008) auf Rang 20 (2012) gelangte, mit Gesamteinkaufskosten von 6,26 Lei für die Mustermenge. Sathmar hingegen lag 2012 auf Rang 9 (mit 7,49 Lei/Mustermenge), wohin der Verwaltungskreis von Rang 15 gelangt ist.

Die „billigsten“ Verwaltungskreise hinsichtlich des Kaufs der genannten Mustermengen und -sortiments auf dem Bauernmarkt waren der nach der Wende zur Blüte gekommene Gemüsebauerkreis Dolj (4,41 Lei und Rang 41 unter den Verwaltungskreisen Rumäniens), Bacău (5,05 Lei – Rang 40) und Buzău (5,26 Lei – Rang 39), hart bedrängt von Brăila (5,27 Lei/Mustermenge) und Gorj (5,35 Lei). Bukarest belegte 2012 Rang 19 in diesem Klassement, mit 1,04 Lei/kg Kartoffeln, 2,02 Lei/kg Kraut und 3,48 Lei/kg Tomaten, wobei der gute Ruf von Bukarest als Verkaufsort für Gemüse wohl eher auf der abzusetzenden Menge in der Zwei-Millionen-Stadt beruht, denn auf der besonderen Kaufkraft und -freudigkeit der Bevölkerung oder den herausragenden Preisen auf Bukarester Bauernmärkten. Wie ersichtlich, sind diese im Vergleich gar nicht so hoch.

Nur das Kraut ist billiger geworden

2008 kostete ein Kilogramm Kartoffeln im Landesdurchschnitt laut Statistikamt 0,98 Lei. 2013, im Juni, kostete das Kilogramm Kartoffeln im Landesdurchschnitt 2,08 Lei. Das ist die höchste Teuerung (+112 Prozent) binnen fünf Jahren, die ein Grundnahrungsmittel nach der Wende erlebt hat.
Enorme Teuerungen erlebten auch 13 weitere Grundnahrungsmittel, mit einer einzigen Ausnahme: das Kraut (Weiß- oder Süßkraut, nicht eingesäuertes Kraut!), das von einem Landesdurchschnitt von 2,31 Lei/kg im Jahresdurchschnitt 2008 im Jahr 2013 auf 2,18 Lei/kg sank, also um 6 Prozent günstiger wurde.

All das geschieht unter Umständen, wo das Realeinkommen der Bevölkerung und die Kaufkraft in den vergangenen fünf Jahren spürbar gesunken sind.
Im Detail betrachtet, beträgt die Teuerung bei Schaf- und Lammfleisch zwischen 2008 und 2013 102 Prozent (für das Lebendgewicht, es ist von 4,46 auf 9,01 Lei/kg gestiegen), bei trockenen Bohnen 67 Prozent (von 5,2 auf 8,66 Lei/kg), beim Rindfleisch 62 Prozent (Lebendgewicht, von 3,61 auf 5,84 Lei/kg), bei Honig 57 Prozent (von 12,97 auf 20,33 Lei/kg der Großeinkaufspreis, im Landesdurchschnitt), bei Hähnchenfleisch 41 Prozent (Lebendgewicht, von 3,16 auf 4,45 Lei/kg) oder bei Schweinefleisch 26 Prozent (von 4,57 auf 5,74 Lei/kg Lebendgewicht). Selbst Hühnereier und Möhren stiegen um jeweils 16 Prozent und die Teuerung bei Zwiebeln und frischen Gurken lag bei 20 bzw. 22 Prozent. Milch (+37 Prozent) und Milchprodukte (Käse: +45 Prozent) machten keine Ausnahme bei der massiven Teuerung, die mit den Krisenjahren einherging. Sogar der mit relativ geringen Investitionen und Arbeitsaufwand anzubauende Blattsalat verteuerte sich binnen fünf Jahren um 57 Prozent. 

Lohnwert verringert oder stagnierend

Was mit den enormen Teuerungen nicht Schritt hielt – obwohl bei einem ehrlichen Handel auch die Unternehmens- und Staatseinkommen parallel zur Teuerung gestiegen sein müssten – das waren die Löhne. Einerseits sollte es deshalb nicht verwundern, dass die Verschuldung der Bevölkerung durch Kreditnahmen parallel zur Verteuerung der Grundnahrungsmittel angestiegen ist – auch wenn es ziemlich schwierig sein dürfte, einen ursächlichen Zusammenhang herzustellen. Andrer-seits ist statistisch erwiesen, dass sich die Ausgaben der Bevölkerung umorientiert haben, etwa dahingehend, dass weniger Verbrauchsgüter erworben werden und dass der Nutzungszyklus der vorhandenen notgedrungen länger wird, weil mehr Geld für die Grundnahrungsmittel ausgegeben werden muss. Auch ist das Phänomen der Ausweitung der Netzwerke der Second-hand-Läden (betrieben etwa von Glaubensgemeinschaften, wie den Baptisten oder den Pfingstlern) und die in manchen (als reicher eingestuften) Städten auffallend vielen Neueröffnungen von Pfandläden mehr oder weniger mit der Verteuerung der Grundnahrungsmittel in Zusammenhang zu stellen. Nicht in letzter Linie ist auch das Überziehen der Konten, über das die Banken ein Lied singen können, eine mehr oder weniger direkte Folge der Verteuerung der Grundnahrungsmittel.
In der Bevölkerung wird das Geld immer knapper.

Kommentare zu diesem Artikel

Norbert, 31.08 2013, 21:01
Da immer mehr Chinesen in Deutschland urlaub machen,wird sich das Problem mit der rumänischen Landwirtschaft alleine lösen.Bei so vielen Chinesen machen die beim Überflug an der richtigen Stelle die Toilette auf.Landwirtschaftliche Produkte aus Rumänien.Wenn das außerhalb von Rumänien zur jetzigen Zeit irgendwo nur draufsteht fressen das noch nicht einmal die Tiere. Das rumänisch steht im Moment für Vorsicht ,was könnte da drin sein. Es wird sich keine Handelskette eine eigene Handgrante zur eigenen Vernichtung in den Laden legen.
sraffa, 30.08 2013, 16:28
Ich habe zunehmend den Verdacht daß neben der Verknappung von Anbauflächen die zunehmende landwirtschaftliche Produktion zur Energiegewinnung, die verfeinerten Methoden der Nahrungsmittelspekulation und die zunehmende internationale Fleischproduktion ( China ) verantwortlich sind.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*