Gscheite, Ochsen und die Sahara

Mittwoch, 01. Oktober 2014

Eine 38köpfige Rüpelgruppe der PSD-Parlamentarier (genauer: 37 PSD-Abgeordnete und –Senatoren und ein PC-Mandl) will Rumänien unter dem Deckmantel des Patriotismus und der europäischen Gleichschaltung ein neues Forstgesetzbuch mittels der komfortablen Mehrheit ihrer Partei(enkoalition) im Parlament aufzwingen. Und hat dabei über einen ihrer Wortführer das Maß ihrer Rüpelhaftigkeit gezeigt, indem sie Doina Pan², die Ministerin für Gewässer, Forste und Fischzucht, die am neuen Forstgesetzbuch Zweifel geäußert hat, so abkanzelte: „Die soll mal in Kenntnis der Tatsachen sprechen, denn die hat keine Ahnung, wovon sie spricht. Der müssen wir mal erklären, wie die Dinge stehen. Und die muss verstehen... Es gibt auch viele Ochsen in der PSD. Wir sind nunmal nicht alle gescheit, es gibt auch Dumme, und Böswillige unter uns...“ Worauf der Abgeordnete Catalin Radulescu sie „in die Sahara“ schickte. Nur gab sich der arme Gescheite wohl überhaupt nicht Rechenschaft, dass ein Besuch der Ministerin in der Sahara, bei konsequenter Anwendung des novellierten Forstgesetzbuchs, bald nicht mehr nötig sein dürfte, weil durch die dann gesetzlich nicht mehr gehemmten Abholzungen die Sahara in absehbarer Zeit Bukarest erreichen könnte. Auf Gnaden einer Gruppe Gescheiter aus der PSD, denen die Mitgliedsherde der Staatspartei handhebend folgen dürfte.

Gegenwärtig liegt Rumänien offiziell bei einem Kahlschlagrhythmus von zehntausend Hektar jährlich. Die Umweltkatastrophen, die daraus folgen, waren in diesem Jahr besonders hart, dürften aber bloß Vorboten dessen sein, was uns erwartet. Unter anderen haben die 38 – in ihrer überwiegenden Mehrheit Forstingenieure, also Leute des Waldes, die sehr wohl wissen (müssten), um was es geht – die Regelung geändert, dass man, um im eigenen oder gekauften/konzessionierten Staatswald ein Haus zu bauen, egal zu welchem Zweck, bloß fünf Prozent der Waldparzelle oder höchstens 200 Quadratmeter Wald roden darf. Wer eine Waldparzelle besitzt, darf sie nach den neuen Regeln kahlschlagen, wenn er, real oder fiktiv, darauf ein Ferienhaus mit Schwimmbecken und Tennisplätzen, eine Pension oder egal was sonst zu bauen beabsichtigt. Die Begründung der Gescheiten aus der PSD/PC: Rumänien muss sich touristisch profilieren und das Forstgesetzbuch soll dem nicht im Weg stehen. Tourismusprofil durch Kahlschlag also. Am Rande bemerkt: zehn der 38 Initiatoren der Novellierung des Forstgesetzbuchs sind Waldbesitzer.

Alle Expertisen der mit der späteren Umsetzung des novellierten Forstgesetzbuchs Betrauten haben die Vorlage mit Argumenten zurückgewiesen: Ministerin Doina Pana sagte Njet! Selbst der Fachausschuss des Parlaments sagte Nein. Ja sogar der eigentliche Gesetzesinitiator, der Abgeordnete Catalin Radulescu, schien nach seiner Novellierungsinitiative verdattert: „Ich glaube nicht, dass jemand so verrückt ist, dass er einen ganzen Wald fällt, wir machen doch keine Gesetze für Verrückte!“

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