Günstige Variante für archäologische Entdeckung

Türkische Bäder auf dem Freiheitsplatz wieder in die Erde hinein

Mittwoch, 19. August 2015

Auf die türkischen Bäder auf dem ehemaligen Paradeplatz sollen demnächst allein Schilder und geometrische Figuren aus Pflastersteinen hinweisen. Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar –  „Es wäre schön, wenn hier eine Art urbanes Freiluftmuseum eingerichtet wird“, sagte vor anderthalb Jahren Dorel Micle, der Leiter der Archäologengruppe am Freiheitsplatz von Temeswar/Timişoara, kurz, nachdem hier die Mauern der noch gut erhaltenen türkischen Bäder ausgegraben wurden. Die Bäder, die in den geschichtlichen Dokumenten mehrmals vermerkt sind, wurden damals als die wohl größte Entdeckung am ehemaligen Paradeplatz erklärt.
Doch nach langer Untersuchung, wie die historische Funde erhalten und in der Neueinrichtung der Temeswarer Altstadt integriert werden soll, kommt nun die Entscheidung. Die Träume der Archäologen werden bestimmt zerplatzen, denn das rumänische Kulturministerium entschied sich letztendlich für die günstigere und viel einfachere Variante. Die türkischen Bäder mit ihren kleinen, etwa drei Quadratmeter großen Räumen, alle mit Hängeböden aus sechseckigen Ziegeln, auf Ziegelpilastern ruhend, anscheinend auch mit einem Badebecken versehen, sollen wieder unter die Erde. Allein Bilder und Pflastersteine von verschiedenen Größen und Farben, die die Konturen der alten Bäder durch geometrische Figuren nachbauen sollen, werden in Zukunft die Geschichte eines vergangenen Zeitalters der Stadt am ehemaligen Paradeplatz erzählen. 

Der Ausschuss von Fachleuten hat diese Lösung genehmigt, nur, um sicherzustellen, dass die Überreste der türkischen Bäder unverändert erhalten bleiben. Dies sei eine Lösung zum Schutz der historischen Funde, meinen die Vertreter des Temeswarer Bürgermeisteramtes in einer Pressemitteilung. Die Bäder könnten so für die Zukunft erhalten werden und wahrscheinlich irgendwann mal in einem Museum ausgestellt werden, heißt es weiter in der Pressemitteilung.  Die Überreste der Bäder seien „nicht so spektakulär“ und würden bloß „einen großen Teil des Platzes umsonst besetzen“, meint auch der Temeswarer Bürgermeister Nicolae Robu, der die neue Entscheidung unterstützt. Ihm widersprechen aber die Archäologen, die als Beispiel ähnliche Bäder in Thessaloniki (Griechenland) oder Budapest (Ungarn) angeben. Dort wurden die einzigartigen türkischen Bäder als touristische Attraktion erhalten.  Temeswar stand 164 Jahre unter osmanischer Verwaltung. Die ausgegrabenen Mauern am Freiheitsplatz von Temeswar sind eigentlich die Wände der Rückseite der ehemaligen türkischen Bäder. Diese waren in der Vergangenheit eng mit der Moschee verbunden, da sie in einem religiösen Ritual für körperliche und geistige Reinigung benutzt wurden. Auch die Mauern der Alten Moschee wurden infolge der Innenstadtsanierung am Sankt-Georgsplatz entdeckt. Auch die Instandhaltung dieser Mauern ist jetzt fraglich, da das Sanierungsprojekt keine Fonds für die historischen Ausgrabungen vorsieht. Die Überreste der alten Bauten stehen schon seit fast zwei Jahren ausgegraben da und sind der Witterung ausgesetzt.

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