Haare ab!

Wohltätigkeitsaktion für krebskranke Kinder

Montag, 24. August 2015

Ioana Maria Andrioaie (links) hat die Kampagne im März mit eigenem Beispiel gestartet. Vier Monate später wurde die erste Perücke verschenkt. Ein Mädchen aus einer Klinik in Jassy muss nun kein Kopftuch mehr tragen.

Nicht nur Frauen ließen ihre haarige Pracht fallen – auch Männer wollten die Kampagne unterstützen.

Eine Studentenorganisation sammelt abschnittenes Haar, um Perücken für krebskranke Patienten zu fertigen.

Mindestens 17 Zentimeter lang muss der Zopf sein. Haar für Haar wird er in eine Echthaar-Perücke eingearbeitet, die kostenlos an Kinder und Jugendliche, welche ihr Haar infolge der Chemotherapie verloren haben, verschenkt wird.
Fotos: privat

Schnipp! Schnapp! Und die lange Mähne ist ab. Mit eigenem Beispiel voran hat sie begonnen. Ioana Maria Andrioaie ist 20 Jahre alt, Medizinstudentin und Initiatorin einer landesweiten Haarspendekampagne. Nach dem Muster von „Little Princess Trust“ (LPT) in Großbritannien wollte die junge Frau auch in Rumänien eine Kampagne zur Haarspende für die Herstellung von Perücken für krebskranke Kinder starten. Im März dieses Jahres ging ihre Initiative, die sich hierzulande „Donează păr copilaşilor“ (DPC) nennt, los. Ioana Maria war die erste, die es getan hat. Ihr langes Haar wurde in einem Zopf zusammengeflochten. 26 Zentimeter davon hat sie schneiden lassen. Ihr Zopf sollte zusammen mit weiteren passenden Haarsträhnen in eine Perücke umgewandelt und krebskranken Kindern, die ihre Haare infolge der Chemotherapie verloren haben, geschenkt werden.

Die Idee von LPT ist nun auch in Rumänien zu einem Erfolgskonzept geworden. Ioana Maria Andrioaie hat auch an die Hilfe ihrer Kollegen des Medizinstudentenvereins in Jassy/Iaşi apelliert. Zusammen machten sie nach britischem Muster die Kampagne in ganz Rumänien bekannt, so dass in nur einigen Monaten insgesamt 23 rumänische Städte mitmachten. Zig Leute - Frauen, Mädchen aber auch Männer - haben ihre Mähne für einen guten Zweck geopfert. Hierfür existiert in jeder teilnehmenden Stadt ein Partnersalon, wo das Haar kostenlos gestutzt wird. Mitmachen darf jeder. Nur die Haarlänge ist wichtig: Die gespendeten Strähnen sollen idealerweise mindestens 17 Zentimeter lang sein. Haardicke, Textur und Farbe sind unwichtig, soweit es sich um die natürliche Färbung handelt.

Mit neuem Haarschnitt Gutes tun

Das Schneiden der Haare ist relativ einfach –  es kann in einem Salon oder zu Hause durchgeführt werden, solange folgende  Schritte eingehalten werden: Das Haar muss gewaschen, getrocknet und in einem Zopf zusammengeflochten werden, mit einem Elastikband oben und unten abgebunden, geschnitten wird oberhalb des ersten Gummirings. Der abgeschnittene Zopf kommt in einen sauberen Plastikbeutel. Gut verpackt kann er so von einem der Partnersalons in den jeweiligen Städten eingereicht oder persönlich per Post direkt an die Organisation gesendet werden - Adresse: Societatea Studenţilor Medicinişti Iaşi, Strada Universităţii Nummer 16, Jassy, Rumänien, mit der Anschrift „für DPC“. Die Kontaktdaten der Spender sind für die Freiwilligen der Organisation wichtig - die Ankunft kann so bestätigt werden und dabei kann auch eine Datenbank mit den Spendern erstellt werden, lässt Initiatorin Ioana Maria wissen. Wer sich aber das Haar in einem der Partnersalons schneiden lässt, bekommt den neuen Haarschnitt kostenlos. Das anschließende Styling kann, je nach Salonangebot, sowohl gratis, als auch zu einem ermäßigten Preis durchgeführt werden.

Spendenkampagne in 23 Städten

„Fast von einer Woche zur anderen ist die Kampagne landesweit gewachsen“, freut sich die 20-jährige Initiatorin. Etwa hundert Zöpfe hat Ioana Maria in Jassy gesammelt, weitere 120 wurden in Temeswar und rund 20 in Haţeg abgeschnitten. „Eine klare Übersicht sollten wir demnächst haben, wenn alle Zöpfe in Jassy ankommen“, sagt die Medizinstudentin. 30 Haarzöpfe sind schon in Galatz/Galaţi und warten darauf, in Perücken umgewandelt zu werden. Die Anfertigung der Perücken ist sehr aufwändig und gleichzeitig auch kostspielig. Zwischen 600 und 1400 Lei kostet eine Perücke, wobei Perückenmacherin Stela Chiriloiu ermäßigte Preise zur Unterstützung der Kampagne verlangt. Die Zweithaarspezialistin und Gründerin der Manufaktur in Galatz lässt schon seit 20 Jahren Echthaar-Perücken unter anderem auch für Chemotherapie- und Haarausfallpatienten entstehen. Perücken kann man auch auf der Webseite www.peruci.ro bestellen. Für eine einzige Perücke werden fünf bis sieben Haarzöpfe mit ähnlicher Haarfarbe benutzt. Die ersten drei Perücken wurden schon angefertigt. Mitte August haben sie bereits ihre neuen Besitzer erreicht. Eine der drei ist auch in Temeswar/Timişoara angekommen, eine weitere wird in Klausenburg/Cluj-Napoca verschenkt. In ihrem Vorhaben werden die Mediziner aus Jassy und alle Freiwilligen vom rumänischen Little-People-Verein unterstützt. Der Verein hilft krebskranken Kindern und Jugendlichen in Rumänien. „Wir kümmern uns darum, dass die Perücken an die Personen, die sie am meisten nötig haben, gelangen“, sagt Laura Răducan, Vertreterin des Vereins in Temeswar.

Unterstützer auch in Temeswar

Auch in Temeswar gibt es bereits zwei Salons, die mitmachen – Breathless in der Temeswarer Iulius Mall ist Partner im Projekt, vor Kurzem ist auch L´Studio (in der Mureş-Straße Nr.49) dazugekommen. Beide Friseursalons bieten kostenlose Haarschnitte für die Unterstützung der Kampagne an. Einen dritten Interessenten für die Kampagne in der westrumänischen Stadt gibt es bereits. „Als ich von der wundervollen Initiative der Leute in Jassy erfuhr, konnte ich nur an eines denken: Ich bin dabei!“, sagt Alina Mihalache, Besitzerin des Breathless-Hairstyling-Salons in Temeswar. „Der Haarschnitt ist gratis. So sage ich den Leuten immer wieder, dass sie das Geld, das sie für einen Haarschnitt und Frisur ausgegeben würden, der Kampagne spenden könnten“, sagt die Hairstylistin. „Die billigste Echthaar-Perücke kostet mindestens 600 Lei und sie brauchen viele Perücken!“ lautet ihre Aufforderung auch auf der Facebookseite des Salons.

Allein in Temeswar haben sich bereits 120 Frauen und Mädchen auf den Friseurstuhl gesetzt und freiwillig von ihren langen Haaren getrennt. „Wir freuen uns sehr darüber. Leider ist unser größtes Problem nicht der Mangel an Haar – sondern das Geld“, sagt Anca Sîrbu. Die junge Programmiererin ist Freiwillige für das Programm in Temeswar. Ihr Haar ist zu kurz, um es zu spenden, lässt die Frau wissen, dafür engagiert sie sich, dass immer mehr Menschen über die Kampagne erfahren und helfen. „Jede Geldspende ist uns wichtig. Denn auch, wenn uns ein erheblicher Rabatt bei der Perückenfertigung gemacht wurde, ist es für uns schwer, die Kosten für die angefertigten Perücken zu begleichen“, sagt Ioana Maria Andrioaie. Ihr Verein plant, im Herbst mehrere Geldspendeaktionen landesweit zu organisieren. Jeder, der schon vorher Geld spenden möchte, kann auf folgendes Konto einzahlen oder überweisen: Societatea Studenţilor Medicinişti Iaşi 2511.1-10805.1/RON IBAN: RO84RNC B0178011166540001 Fiscal code: 8740489 BCR, Iaşi, Al. I. Cuza, Str. Ştefan cel Mare, Nr. 8A. Details dazu kann man von der Facebookseite facebook.com/doneazaparcopilasilor abrufen.

Vorbild aus Großbritannien

Der „Little Princess Trust“ wurde 2006 in Großbritannien ins Leben gerufen. Die Eltern von Hannah Tarplee haben die Kampagne als Andenken an ihre Tochter, die den Kampf mit dem Krebs verloren hat, gestartet. Die Eltern erinnern sich, wie schwer es für sie war, eine qualitativ hochwertige Kinderperücke für ihre Tochter zu finden, nachdem die Kleine infolge der aggressiven Behandlung ihr Haar verloren hatte. Erst nach langer Suche fanden sie schließlich ein Unternehmen, das eine geeignete Perücke für Hannah fertigte. „Hannah liebte ihr Haar. Es zu verlieren war sehr traumatisch. Die Kleine genoss es aber sehr, ihre Perücke zu tragen, vor allem zu besonderen Anlässen“, erzählen die Eltern auf der Webseite www.littleprincesses.org.uk. Nachdem Hannah starb, entschieden sie sich, auch anderen betroffenen Kindern zu helfen. Die Wohltätigkeitsorganisation beschäftigt sich nun damit, Echthaar-Kinderperücken zu verschenken. Seit mehreren Jahren werden im Rahmen dieser Kampagne Haare geschnitten, gespendet und daraus Echthaar-Perücken gefertigt. Die Tätigkeit der britischen Organisation diente als Inspiration für die erste Initiative dieser Art in Rumänien.

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