Hände weg von meinen Filmen

Warum Hollywood sein eigenes Grab schaufelt

Montag, 21. Oktober 2013

Symbolgrafik: sxc.hu

Es war eine freudige Überraschung, als Regisseur Ridley Scott ankündigte, er wolle zu dem Genre zurückkehren, das er vor dreißig Jahren revolutionierte. Ja, die Zeit für große Science-Fiction würde wieder schlagen, meinten hartgesottene Fans und stellten schon mal den Champagner kalt. Doch aus dem feierlichen Korkenknall ist dann aber nichts geworden. Denn statt sich um eine originelle Idee zu bemühen, schockte Scott Fans mit der Nachricht, er werde an einer Fortsetzung zu Blade Runner arbeiten und zwar gleich nachdem er die Vorgeschichte zu Alien erzählt. Da liefen manchen schon der Kaltschweiß über den Rücken und die Augen wollten herauspoppen, so wie einst bei Arnold Schwarzenegger in Paul Verhoevens „Total Recall“.

Denn wie würde überhaupt eine Fortsetzung zu einem Film ausschauen, der niemals eine Fortsetzung gebraucht hätte? Blade Runner funktioniert als in sich geschlossener Film. Da müssen keine Fragen mehr beantwortet werden. Mehr Details würden ohnehin einen solchen Film verderben. Das hat auch Scotts Film „Prometheus“ gezeigt. Wobei der inoffizielle Prolog zu „Alien“ eher neue Fragen aufwarf.

Es gibt kaum Gründe für „Blade Runner 2“ außer einem vielleicht ganz offensichtlichen: Geld.

Geld- statt Traumfabrik

In der Traumfabrik „Hollywood“ hat es sich schon vor Jahren ausgeträumt. Der Mangel an frischen Ideen hat dazu geführt, dass in den letzten zehn Jahren Remakes und sogenannte „Reboots“ am laufenden Band produziert wurden. Alles was irgendwie Geld eingebracht hat, soll jetzt fortgesetzt oder in einer neuen, moderneren Variante neu erzählt werden. Besonders auf Genres wie Science-Fiction, Action, Fantasy oder Horror haben es die großen Filmstudios abgesehen.

1999 brachte George Lucas nach 15 Jahren „Krieg der Sterne“ zurück auf die großen Leinwände. Mit „Die dunkle Bedrohung“ wollte er angeblich, die Vorgeschichte zu „Star Wars“ erzählen. Fünf Jahre später schauten Langzeitfans der Sternensaga dumm aus der Wäsche, nachdem Lucas sie gleich dreimal mit minderwertigen, seelenlosen Filmen, die Amerikaner schlicht als „Cash grabs“ bezeichnen würden, alle enttäuschte. Viele gingen so weit und behaupteten, Lucas hätte ihre Kindheit zerstört. Aber auch Kritiker sahen durch die neue „Star Wars“-Trilogie, die alten Filme aus den 1980er Jahren zerstört.

Doch Lucas setzte noch einen drauf und brachte gemeinsam mit Regisseur Steven Spielberg eine Fortsetzung zu der „Indiana Jones“-Trilogie heraus. Eine Fortsetzung, die zwanzig Jahre zu spät kam, mit einem Harrison Ford, der mit seinen 65 Jahren nicht mehr der Jüngste war.

Doch trotz aller Proteste machten diese Filme Millionen Umsatz. Darum haben sich viele Produzenten Lucas als Beispiel genommen und sich dafür entschieden alles was irgendwie geht fortzusetzen.

Inzwischen ist die Liste ellenlang: Die Spider-Man-Filme erlebten vor zwei Jahren einen Neustart. Diese soll nun bis 2018 Fortsetzungen erhalten. Conan - Der Barbar wurde mit neuem Darsteller ebenfalls neu gestartet. Nun plant Hollywood eine Fortsetzung der alten Filme mit Arnold Schwarzenegger. Genau wie Ford soll auch der „Terminator“ erneut den Barbaren Conan spielen. Paul Verhoevens Science-Fiction-Klassiker aus den 1980er Jahren sind auch nicht verschont geblieben. Der auf der Kurzgeschichte von Philip K. Dick basierende Film „Total Recall“ wurde vor zwei Jahren mit Colin Farell neu interpretiert. Im nächsten Jahr soll ein „Robocop“-Reboot erscheinen. Und auch neuere Filme, wie etwa die „Herr der Ringe“-Trilogie erhält mit „Der Hobbit“ eine Prequel-Trilogie. Besonders frech: Ein 200-Seiten Buch wurde von Regisseur Peter Jackson zu drei jeweils zwei- bis dreistündigen Filmen aufgebauscht. Zudem werden die Filme in 48 FPS (Bild pro Sekunde) und in 3D gezeigt, nur damit das Studio mehr für die Eintrittskarten verlangen kann. Auch „Avatar“ – die große Science-Fiction-Sensation von James Cameron – soll in den nächsten Jahren zwei bis drei Fortsetzungen erhalten.

Zu viele Fortsetzungen

Es gibt kaum noch einen Film, der von der Geldmaschine Hollywood nicht ausgebeutet wird. Nachrichten von einem „Brazil 2“ werden genauso erwartet, wie der bereits angekündigte siebte Teil von „Krieg der Sterne“. Wenn Ideen ausgehen, macht sich Hollywood an den früheren Erfolgen zu schaffen. Diese Taktik wurde übrigens schon immer angewandt: In den 1980er Jahren mit Actionfilmen wie „Stirb Langsam“, „Karate Kid“, „Rambo“, „Rocky“ usw. Inzwischen werden aber auch anspruchsvollere Filme von Produzenten ausgebeutet.

So etwa Filme wie „Blade Runner“, die doch einen gewissen Anspruch haben. Nichts ist mehr der amerikanischen Filmindustrie heilig. Es wird geborgt, kopiert und uminterpretiert, wie es gerade passt. Manchmal passieren noch nette Unfälle, wie etwa J.J.Abrams „Star Trek“-Remake von 2009 und oftmals passieren kleine bis große Katastrophen wie etwa „Stirb Langsam 5“.

Wohin soll das führen, fragen sich Cineasten? Zumindest wenn man sich 2015 anschaut, kann man mit Sicherheit sagen, dass es nicht Richtung Originalität geht: Die größten, angekündigten Filme des Jahres sind „Die Rächer 2“ (eine Fortsetzung), „Star Wars Episode VII“ (eine Fortsetzung), „Superman vs. Batman“ (eine Fortsetzung), Jurassic World (eine Fortsetzung), „Die fantastischen Vier“ (ein Reboot) uvm.   

Erschütterndes Fazit

Man mag nostalgisch sein, aber es scheint, dass es früher irgendwie besser war: Wo bleiben heute junge Regisseure, die ein Risiko eingehen und einen originellen Film liefern, der auch in zwanzig Jahren  unvergesslich sein wird. Es gibt einige wie Christopher Nolan oder Neill Blomkamp, die noch überraschen. Doch gegen die zahlreichen Remakes, Reboots und Fortsetzungen kommen selbst sie nicht an. Originalität geht in einem Meer von Cash grab-Filmen unter. Hollywood schaufelt sein eigenes Grab, indem es aus seiner eigenen Vergangenheit stiehlt und für die fast gleichen Filme das doppelte Eintrittsgeld verlangt.

Wie kann man sich auf Ridley Scotts Rückkehr zu dem Genre, das er geprägt hat, freuen, nachdem man „Prometheus“ gesehen hat. Wo sind die authentischen Schauspieler, die glaubwürdige Geschichte, die aus einem B-Movie ein A-Movie machten. Heute scheint es umgekehrt zu sein: Trotz Millionen von Dollarn erscheinen mittelmässige Filme, die aber den Anspruch erheben, großes Kino zu sein. Leider müssen wir Zuschauer die Traumfabrik aufwecken und ihr sagen: Dem ist nicht so.

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