Hallyu in Rumänien – ein Phänomen aus Südkorea

Essen, Filme und koreanische Lebensart finden auch hier steigenden Zuspruch

Donnerstag, 14. Juli 2011

„Hallyu“ ist der Name für ein Phänomen, das als „koreanische Welle“ beschrieben wird und sich auf die Verbreitung der südkoreanischen Kultur rund um die Welt bezieht. Der Begriff wurde irgendwann 1999 in China von Journalisten aus Beijing erwähnt, die erstaunt waren, dass es einen großen Zuspruch für koreanische Unterhaltung in China gab. Langsam verbreitete sich die Welle im gesamten asiatischen Raum, was für Korea sehr hohe Gewinne (Milliarden von Dollars) bedeutete, sowie mehr Geschäft für die Film- oder die Musikindustrie. Auch der Tourismus boomte dank des Hallyu seitdem und der Zuwachs des Phänomens jedes Jahr ist erstaunlich.

Zuerst waren die sogenannten K-Dramas da, TV Serien mit hohem kulturellen Inhalt, danach kam der K-Pop (Korean Pop), der eine wichtige Komponente des Hallyu geworden ist, später wurde das Interesse auch für andere kulturelle Gebiete geweckt, sowie allgemein für die koreanische Kultur, inklusive Gastronomie, Mode, Videospiele und natürlich die Sprache.

Im August 2009 begann mit der Ausstrahlung der Serie „Dae Jang Geum“ (Giuvaerul palatului) die koreanische Welle auch in Rumänien. Einen Monat später war diese Serie die Nummer Drei auf nationaler Ebene. Im Dezember 2009 startete das Blog Projekt Koreafilm.ro, eine Plattform, die ursprünglich nur Inhaltsangaben und Meinungen zu den ausgestrahlten Serien liefern sollte, die sich aber langsam auf mehreren Ebenen entwickelt hat und jetzt einen kompletten kulturellen Inhalt zu Südkorea und Hallyu in Rumänien bietet, sowie eine Plattform für Informationsaustausch zwischen den Koreafans. 

Im Mai 2010 wurde durch das koreanische Filmfestival in Klausenburg/Cluj-Napoca und Bukarest dem rumänischen Publikum die Möglichkeit geboten, sich auch mit der zeitgenössischen südkoreanischen Filmproduktion vertraut zu machen. Zum Anlass des 20-jährigen Jubiläums der rumänisch-südkoreanischen diplomatischen Beziehungen fand im Juni 2010 eine Show mit traditioneller koreanischer Musik und Tanz (Coreea, suflet r²sun²tor) in Bukarest statt. Am siebenten August fand dann die erste nationale Versammlung der rumänischen Koreafans im Studentenkulturhaus in Bukarest statt, als Antwort auf das wachsende Hallyu-Phänomen in Rumänien. In der Zwischenzeit wurden weiterhin Serien auf TVR1 und TVR2 ausgestrahlt, von denen viele als Nummer 1 in den TV Ratings im Primetime wurden.

Im November 2010 fand auch der erste gastronomische Workshop statt, wo Kandidaten, die sich per Internet dafür beworben hatten, die Chance bekamen, koreanische Gerichte selber zu kochen und zu essen. Das Ganze fand in einem koreanischen Restaurant in Bukarest statt und wurde von KoreaFilm organisiert. Man kochte ein Nudelgericht, genannt Chapchae, und man lernte noch dazu, wie man Kimpap zubereitet – eine Art Sushi Maki, bei dem aber kein Fisch benutzt wird. An dem Tag waren auch zwei koreanische Studenten dabei, die in Rumänien die rumänische Sprache studieren. Seit dem Treffen sind schon einige schöne Freundschaften entstanden und der kulturelle Austausch erfolgt in zwei Richtungen. Seuli Lee will zum Beispiel mit dem Studium der rumänischen Sprache weitermachen und liebt Gedichte von Mihai Eminescu oder Texte von Caragiale. Sie hat schon vieles von Rumänien gesehen und genießt auch das rumänische Essen.

Im Dezember 2010 feierte Koreafilm.ro einjähriges Jubiläum und verkündete neue Projekte für das Jahr 2011 – weitere Gastronomieworkshops, Treffen, ein Sprachkursangebot und viel mehr.
Wie geplant, folgte dann im April 2011 der zweite Gastronomieworkshop, wo das Nationalgericht der Koreaner, Kimchi, eine Art von sehr scharf gewürztem und eingelegtem Kohl, zubereitet wurde. Auch der Sprachkurs für Anfänger hatte im April seine erste Unterrichtsstunde und Ende April wurde bei der Buchmesse das koreanisch-rumänische Wörterbuch in zwei Bänden vorgestellt, für das die Verfasserin, Frau Georgeta Mircioiu, ungefähr 16 Jahre gearbeitet hatte. Im Herbst 2011 sollen weitere drei Sprachkurse angeboten werden, für Kinder und Erwachsene zugleich.

Univ.-Prof. Valentina Marinescu führte eine Studie durch, welche die Konsumwahl koreanischer Kulturprodukte (TV-Serien, Musik usw.) von Rumänen erklären sollte, sprich, wieso sich das Hallyu-Phänomen in unserem Land so schnell entwickelt. Die implizite Grundannahme des Forschungsprojekts war das Bestehen einer Reihe von Werten, die durch koreanische TV-Serien vermittelt werden und beim Publikum und den Anhängern des Hallyu auf Resonanz stoßen. Dabei konnte man eine Vorherrschaft von „spirituellen“ Werten feststellen, im Gegensatz zu den „materialistischen“. Werte wie „eine Welt voller Schönheit“, „innere Harmonie“, „Weisheit“, „Ehre“, „tiefgründige Liebe“, „Tugend“, „Wissbegier“, „Respekt“ oder „Loyalität“ sind nur einige, in denen sich die Befragten wiederfanden. Aber auch der allgemeine Inhalt der koreanischen TV-Serien faszinierte die Rumänen. Im Vergleich zu den amerikanischen Serien (materialistisch, Geld, stupide), den südamerikanischen (Telenovela, Liebe, lächerlich), den rumänischen (Lokales, Liebe, Kitsch), den europäischen (seltsam) oder den türkischen (halbexotisch, Liebe, Imitation) werden die koreanischen TV-Serien mit den Worten „historische Relevanz“, „überraschend“, „Komplexität“ oder „Volkskultur“ beschrieben.

Eins steht fest: Die koreanische Kultur gefällt und wird mehr und mehr über Hallyu in Rumänien verbreitet. „Unsere Leidenschaft und unseren unabhängigen Geist“, erklärt Lee Yong-il, Berater und Generalkonsul der Botschaft der Republik Südkorea in Rumänien, in einem Interview für KoreaFilm, „werden den Rumänen helfen, die koreanische Kultur zu verstehen und sie als Alternative oder Teil ihres Lebensstil anzunehmen. Dies ist mein Wunsch für die Zeit, in der ich als kultureller Diplomat in Bukarest arbeite.“

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