HARALD ZIMMERMANN – 90. Geburtstag

Ehrungen und Würdigungen für den verdienstvollen Historiker

Donnerstag, 29. September 2016

Prof. Dr. Dr. Harald Zimmermann zu Besuch in unserer Redaktion in der Goldschmiedgasse Nr. 3 (1991). Foto: Dieter Drotleff

Am 12. September 2016 beging Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Harald Zimmermann in Tübingen seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlaß gab es verschiedene Ehrungen und Würdigungen für den verdienstvollen Historiker, denen wir – gewissermaßen post festum – noch eine subjektive und selektive Würdigung hinzufügen wollen, weil der Jubilar eine besondere Beziehung auch zu Kronstadt hatte und hat. Seine Großeltern und früheren Vorfahren stammten aus Kronstadt aus den Familien Teutsch und Rhein.

Harald Zimmermann wurde am 12. September 1926 in Budapest geboren, seine Familie zog 1929 nach Wien, wo er aufwuchs und Theologie und Geschichte studierte und seine Studien jeweils mit dem Doktortitel abschloß. Die Doktorarbeit in Geschichte war dem mittelalterlichen Historiker Thomas Ebendorfer gewidmet, dem Zimmermann auch in seinen späten Jahren mehrere Editionen gewidmet hat. Weitere Forschungsgebiete waren die Papsturkunden und Reichsurkunden, über die der Historiker grundlegende Quellenpublikationen und Darstellungen veröffentlicht hat. Ein dafür stellvertretender Titel ist „Das dunkle Jahrhundert“, das zehnte Jahrhundert unserer Zeitrechnung, das Zimmermann durch seine Arbeiten sehr „erhellt“ hat.

Im Jahre 1958 heiratete Harald Zimmermann seine Frau Gerlinde geb. Wegscheidler, die ihm drei Töchter schenkte: Andrea (1959); Bärbel (1962) und Ute (1965). In den Jahren 1967–1978 war er Hochschulprofessor in Saarbrücken und von 1978–1994 in Tübingen.
Im Jahre 1973 kam Prof. Zimmermann erstmals nach etwa 40 Jahren wieder nach Kronstadt zu den Feierlichkeiten anläßlich der 475. Wiederkehr der Geburt des großen Kronstädter Humanisten und Reformators Johannes Honterus. Am 27. September 1973 hielt er einen Vortrag über Honterus, über den ich in meinen Kalender nur schrieb, dass er ein „Hochgenuß“ war. Auch seine späteren Vorträge sind Kabinettstücke besonderer Art und es ist ein Vergnügen, sie auch immer wieder zu lesen und sich daran zu freuen.

Auch in den folgenden Jahren weilte Prof. Harald Zimmermann wiederholt in Siebenbürgen und auch besonders in Kronstadt, sowohl mit seinen Studenten, als auch mit Verwandten, denen er die Heimat seiner Vorfahren zeigen wollte.
Nach mehreren kleineren Arbeiten und Vorträgen über den Deutschen Orden im Burzenland brachte er dann im Jahre 2000 in der Reihe der „Studia Transylvanica“ (Band 26) des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde den Band „Der Deutsche Orden im Burzenland“ heraus, der die gründlichste „diplomatische Untersuchung“ zum Thema darstellte. Nach etwa einem Jahrzehnt kam dann die zweite erweiterte Auflage heraus, gerade zur 800-Jahrfeier der ersten urkundlichen Erwähnung des Burzenlandes 1211–2011. Bei der Tagung des Arbeitskreises aus diesem Anlass in Kronstadt hielt Prof. Harald Zimmermann einen wichtigen und schönen Vortrag zu diesem Thema.

Schon früh wandte Dr. Zimmermann seine Zuwendung auch dem jüngeren Kronstädter Historiker Gernot Nussbächer zu, dessen Frau seine Kusine war. Es kam zu guten wissenschaftlichen Gesprächen, Korrespondenz und Publikationstausch.
Nach der Wende von 1989 war die Familie Dr. Zimmermann wiederholt ein großzügiger Gastgeber in Tübingen. Durch die Vermittlung von Prof. Zimmermann wurde der Schreiber dieser Zeilen zur Tagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte auf der Insel Reichenau am Bodensee im Jahre 1994 eingeladen. Im folgenden Jahr 1995 erhielt er dann ein Forschungsstipendium in Wien, wo er erstmals nach Herzenslust ohne Dienstauftrag forschen konnte (Vgl. KR Nr. 51 und 52/1995).

Ein Höhepunkt der großherzigen Förderung war dann im Jahre 1998 die von Prof. Zimmermann vorgeschlagene Verleihung des Georg-Dehio-Preises der Künstlergilde Esslingen. Die Laudatio auf „seinen“ Kandidaten hielt natürlich Prof. Dr. Harald Zimmermann im Festsaal des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart. Dazu kamen in der Folge auch weitere Zuwendungen, für die ich der Familie Zimmermann besonders dankbar bin.

Die Kronstädter „Karpatenrundschau“ hat seit 1973 Prof. Dr. Harald Zimmermann auch journalistisch begleitet. So berichtete sie über seinen ersten Besuch in Kronstadt (Nr. 40 und 41/1973), dann über die Studienreise 1982 (Nr. 50/1982), über seine Ehrendoktorate in Klausenburg (1991) (Nr. 13/1991), Fünfkirchen/Pécs (1999) (Nr. 50/1999) und Bukarest (2003) (Nr. 14/2003), über die Familienreise 2009 (Nr. 25/2009) u. a.

In den vergangenen Jahren hatte Dr. Zimmermann verschiedene gesundheitliche Probleme zu überstehen, in denen ihm seine Frau Gerlinde treu zur Seite stand und steht. Seinen 90. Geburtstag verbrachte der Jubilar in Tübingen im Kreise seiner Familie, die fast vollzählig angereist war. Am Vortag war noch eine dritte Urenkelin zur Welt gekommen. Wir danken Gott, der uns diesen wunderbaren Menschen geschenkt hat und wünschen ihm auch weiterhin Gottes reichen Segen.

Neben seiner europäischen Dimension als Historiker hat Prof. Dr. Harald Zimmermann auch zur Geschichtsschreibung der Siebenbürger Sachsen wichtige Beiträge erbracht und sie in breiten Kreisen bekannter gemacht, wofür wir nur sehr dankbar sein können. Besonders dankbar bin ich persönlich auch für die reiche Förderung durch einen der großen Wohltäter meines Lebens.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 29.09 2016, 17:49
Bei jemand der 1926 geboren wurde, würde ich auch gerne lesen, was er 1944 und 45 gemacht hat und danach. War er in der Wehrmacht (Wo?), war er in der Waffen-SS (Wo?), war er danach in Gefangenschaft (Wo?), wie ist er wieder heim gekommen? Wie war das mit der Vertreibung aus Ungarn? Warum ist er in die BRD gegangen und wie? Fehlt das alles, les ich gar nicht weiter.

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