Hart umkämpfter Arbeitsmarkt

Arbeit und Leid des rumänischen Grafikdesigners (I)

Freitag, 14. Dezember 2012

Der Grafikdesigner Eduard Jakabházi arbeitete für die Stadt Temeswar an zahlreichen Projekten. Unter anderem an einer neuen Gestaltung für Straßenbahnen.
Foto: privat

Die Grafikdesign-Branche steht in Rumänien Kopf. Feste Regeln, die im Westen seit Jahren gelten, werden in der rumänischen Szene tagtäglich gebrochen. Der Grafikdesigner und Dozent an der Kunsthochschule in Temeswar/Timişoara Eduard Jakabházi ist schon oft gegen die Wand gelaufen, weil dem Kunden das Verständnis und der Geschmack fehlen. Gegen Vorschläge würden sich viele Menschen vehement sträuben. Stattdessen beharren sie auf falschen Vorstellungen darüber, was ein Grafikdesigner ist und welche Rolle er zu erfüllen hat. Oft würde man ihn nur darauf reduzieren wollen, dass er gut im Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop oder Vektorgrafikprogrammen wie Corel Draw ist. Rumänische Kunden suchen meist nicht mehr als eine fähige Hand, die sich von ihnen lenken lässt. Meinungen soll der Grafikdesigner, wenn es geht, für sich behalten und stattdessen lieber brav nicken und alles, was ihm aufgetragen wird, schnell aufs Papier schmieren.

Ein undankbarer Beruf

Darum schlägt auch der Großteil der Studenten, die sich für ein Studium in dem Bereich entscheiden, diesen Berufsweg später nicht ein. Dafür wäre die Arbeit zu viel, das Geld zu wenig und die Wertschätzung nicht da. Diejenigen, die dem Beruf treu bleiben, suchen die Selbstständigkeit und steigen sofort als Freiberufler ein. So könne man den eigenen Arbeitsrhythmus bestimmen, finden die meisten. Den Ansatz findet Jakabházi als erfahrener Designer falsch. Er selbst arbeitet freiberuflich, möchte sich aber ein Büro mieten, weil er zu Hause das richtige Arbeitsumfeld schwer schaffen kann. Da wird er schnell von anderen Dingen abgelenkt. Und ein gewisser Zeitdruck muss vorhanden sein, wenn man Leistung erbringen möchte. Gerade das kann ein Studium den angehenden Grafikdesignern nicht vermitteln. Erst wenn es ums Brot geht und der Kunde einem im Nacken sitzt, nimmt man seinen Beruf ernst.

Und besonders in Rumänien müsste man als Grafikdesigner wissen, wo man selber steht. Denn oft ist es nicht nur schwierig, mit Kunden zu arbeiten, sondern auch mit Arbeitgebern, die einen Verlag oder ein Kommunikationsunternehmen führen. Über schlechten Geschmack verfügen allzu oft auch die Leiter solcher Unternehmen, die letztendlich die Hauptentscheidungsträger sind. Darum müsse man sich auch nicht wundern, weshalb schlecht gemachte Plakate, Internetseiten, Buchumschläge und Broschüren in Rumänien gang und gäbe sind. „Ich habe es persönlich erlebt oder von Kollegen erfahren“, meint Jakabházi, „wenn ein Kunde zu einer Agentur geht, die von jemandem geleitet wird, der selber keinen Geschmack hat, und der Kunde dann verlangt, man solle doch eine nackte Frau neben einen Kamin stellen, wird das ohne Wenn und Aber einfach so hingenommen.“

Selten würde man dann noch versuchen, den Kunden umzustimmen und ihm Gegenvorschläge zu unterbreiten. „Ich hatte Glück“, gesteht der Grafikdesigner. „Ich habe für jemanden gearbeitet, der sich auskannte und auch den nötigen Geschmack besaß. Leider findet man solche Personen in Rumänien selten.“ Als er jünger war, ging er oft auf Kompromisse ein. Heute denkt Jakabházi zweimal darüber nach, ob er den Auftrag annimmt und ihn auch so durchführt, wie der Kunde es haben möchte. Letztendlich riskiert er nicht nur, eine schlechte Arbeit zu liefern, sondern auch seinen eigenen Ruf zu schädigen. Wichtig für einen Grafikdesigner ist sein eigenes Portfolio. Darin sammelt er seine Arbeiten, womit er sich bei Kunden und bei Arbeitgebern vorstellt. Erfahrung und Studium spielen bei Bewerbungen meist eine zweitrangige Rolle. Wenn man dann als Grafikdesigner jeden Auftrag annimmt und sich den Launen und Wünschen der Kunden beugt, ohne jemals Einspruch zu erheben, spiegelt sich das in einem schwachen Portfolio wider.

Nur lassen Kunden nicht mit sich reden. „Bei uns wird die Meinung eines Grafikdesigners nicht respektiert“, erklärt Jakabházi. „Wenn ein Patient zum Zahnarzt geht, trägt er diesem doch nicht auf, wie er seine Arbeit tun muss. Stattdessen vertraut man darauf, dass der Arzt weiß, was er tut. Das fehlt in unserem Beruf.“ Und bei vielen sei auch das ästhetische Empfinden nicht vorhanden. „Sie kommen mit einem schlechten Konzept und verteidigen es dann bis zum geht nicht mehr.“

Der Mangel an gutem Geschmack

Während in westlichen Ländern der Trend in Richtung Minimalismus geht, sollen in Rumänien Arbeiten oft voll beladen sein. Unabhängig davon, ob es sich um ein Logo, um ein Layout, ein Plakat oder eine Visitenkarte handelt. „ Der Kunde möchte, dass das Logo auch meine Arbeit wiedergibt“, erklärt der Grafikdesigner. „Wenn ich ihm etwas Simples vorschlage, glaubt er, dass ich mich vor der Arbeit drücken möchte.“ Besonders bei Logos neigt man in Rumänien dazu, möglichst viel reinzupacken. „Dabei zeichnen sich die besten Arbeiten oft durch Einfachheit und Funktionalität aus.“ Das Logo müsse nicht gleich die ganze Firmengeschichte erzählen und es müsse auch technisch umsetzbar sein. „Die Frage, die man sich als Kunde stellen muss, lautet: Wie schaut das Logo auf einem Kugelschreiber oder auf einem überdimensionalen Plakat aus?“ Solche Fragen würden oft in der Schwebe bleiben, Hauptsache es ist viel drin.
Doch es findet sich auch Qualität in Rumänien und nicht nur in der Hauptstadt, obwohl Bukarest ungeschlagen bleibt, wenn es um die Anzahl der Agenturen und Aufträge geht. Viele Grafikdesigner lockt es nach Bukarest, um sich ein starkes Portfolio zu erstellen. „Dort arbeiten Agenturen mit Großunternehmen wie Vodafone und Coca Cola zusammen“, so Jakabházi.

Er selbst zieht es vor, für ausländische Kunden zu arbeiten. Die Arbeit mit ihnen verliefe reibungslos. „In Deutschland zum Beispiel wird man als Grafikdesigner anders wahrgenommen“, erklärt er. „Wenn man sich dort auf den Preis für ein Logo verständigt, dann bleibt es nur bei der Erstellung des Logos. Für Veränderungen zahlt der Kunde zusätzlich.“ In Rumänien machen Grafikdesigner oft mehr für das gleiche Geld. Besonders Studenten arbeiten zu sehr niedrigen Tarifen. „Das kann ich verstehen, ich habe als Student auch so angefangen“, meint der Designer. „Man muss aber irgendwann einen Schlussstrich ziehen.“ Eine einfache Möglichkeit, als freiberuflicher Grafikdesigner Geld zu verdienen, bieten Internetseiten wie 99designs.com an. Auf der Webseite kann jeder ein Logo oder ein Layout in Auftrag geben, bietet dafür eine bestimmte Geldsumme an und Designer reichen dann ihre Vorschläge dazu ein. Der Auftraggeber entscheidet am Ende, welchen Vorschlag er mag und welcher Designer das Geld erhält. Viele Studenten sammeln so erste Berufserfahrungen. Gewerbeveteranen betrachten Seiten wie 99designs.com eher kritisch.

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