Hat die „Wusch“ eine Zukunft?

Rundtischgespräch identifizierte mögliche Strategie zur Wiederbelebung der Schmalspurbahn

Donnerstag, 26. September 2013

Die Schmalspurbahn laufe Gefahr, durch den Zahn der Zeit und die Untätigkeit der öffentlichen Verwaltung zerstört zu werden, meint Mihai Blotor vom Verein „Freunde der Wusch“, der das Treffen organisierte.
Foto: Mihai Blotor

Hermannstadt – Ein Rundtischgespräch zum Thema „Wie weiter mit der Wusch?/Mocăniţa încotro?“ fand am vergangenen Donnerstag in Corăţel statt. Ziel des Treffens war es, Strategien zur Reaktivierung der Schmalspurbahn durch das Harbachtal/Valea Hârtibaciului zu identifizieren. Organisiert wurde das Gespräch vom Verein „Freunde der Wusch/Prietenii Mocăniţei“ und der Hermannstädter Kreiskulturdirektion aus Anlass des Internationalen Tages des Denkmals.

Unter den Teilnehmern des Gesprächs war eine der Schlüsselpersonen für die Zukunft der Bahn, nämlich George Vladimir Duhan, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verwaltung der Eisenbahn-Aktiva (Societatea de Administrare Active Feroviare/SAAF). Das Tochterunternehmen der staatlichen Eisenbahngesellschaft CFR bestimmt über die Verwendung der Gleise der Schmalspurbahn sowie die entsprechenden Konditionen. SAAF-Geschäftsführer Duhan erklärte laut Pressemitteilung, dass er das Projekt zur Entwicklung der Region unterstütze, ebenso wie den möglichen Transfer der Streckenverwaltung in die Obhut des Kreisrates Hermannstadt. Dieser Transfer wurde als wichtigster Schritt zur Lösung der derzeitigen Probleme identifiziert. Nötig dafür ist die Initiierung einer entsprechenden Regierungsverordnung durch beide Parteien.

Blotor bedauerte, dass kein Vertreter des Hermannstädter Kreisrates an dem Gespräch teilnahm. Der Kreisrat könnte eine entscheidende Rolle bei der Lösung der schwierigen rechtlichen Fragen spielen. Andere interessierte Personen und Institutionen waren jedoch anwesend, darunter der  Leiter der Kreiskulturdirektion, Răzvan Pop, der PNL-Abgeordnete Ioan Tâmăian, oder die Mitglieder des Konsortiums für Interregionale Entwicklung Hermannstadt/Sibiu-Agnetheln/Agnita – vertreten durch die Bürgermeister diverser Ortschaften im Harbachtal, des derzeitigen Konzessionsnehmers der Strecke.

Neben den Genannten interessierten sich auch Vertreter verschiedener Institutionen und Vereine für die Zukunft der „Wusch“, beispielsweise Octavian Udri{te, Ehrenvorsitzender des Eisenbahnclubs, der Sekretär der Lokalen Aktionsgruppe Mikroregion Harbachtal, Ilarion Bârsan, der Vorsitzende des Vereins „Mioritics“, Mihai Dragomir, oder der Vorsitzende des Vereins zur Bewahrung der Schmalspurbahnen in Rumänien, Georg Hocevar. Die Organisatoren begrüßten auch zehn Gäste vom britischen Verein „SARUK“, der die Bemühungen zur Wiederbelebung der „Wusch“ seit Jahren unterstützt.

Die Schmalspurbahn laufe Gefahr, durch den Zahn der Zeit und die Untätigkeit der öffentlichen Verwaltung zerstört zu werden, meint Mihai Blotor, der Vorsitzende des Vereins „Freunde der Wusch“. „Das Hauptproblem ist, das ab 1. Januar 2014 der Konzessionär der Strecke gemäß des Vertrages mit der SAAF verpflichtet ist, eine Nutzungsgebühr von monatlich 18.180 Euro zu zahlen.“ Diese Summe ist laut Blotor „absurd“ und gefährdet das gesamte Wiederbelebungsprojekt. Darüber hinaus würde eine Gebühr in solcher Höhe jeden Versuch zur Gewinnung von europäischen oder privaten Fördermitteln blockieren. „Es wäre unter diesen Bedingungen unmöglich, die Nachhaltigkeit des Projektes darzustellen“, erklärt Blotor. Keine realistische Kalkulation kann die Abdeckung von jährlich mehr als 200.000 Euro garantieren, wobei Kosten für Unterhalt der Strecke sowie Betrieb noch hinzu gerechnet werden müssten.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 27.09 2013, 02:04
die Bürokratie wird individuelle Projekte verhindern, die Konzessionsgebühr ist irrwitzig hoch, es wird also nichts passieren in Richtung Revitalisierung, kein Investor ist so blöd, mit der Zeit werden nächtens immer mehr Schienen und andere verbliebende Teile gestohlen und landen beim Fier Veche, alte Stationsgebäude werden erst zur Schatra, dann zur Ruine, dann werden die Ziegel verhökert und irgendwann ist gar nichts mehr da vom Wusch. So wird es sein.

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