Hatschi!

Dienstag, 20. Januar 2015

Jedes Jahr kommt sie wieder – so sicher wie Weihnachten. Und doch trifft sie einen immer wieder völlig überraschend – genau wie Weihnachten. Obwohl sie sich durch insistente Niesattacken tagelang zuvor ankündigt, will man sie bis zuletzt nicht wahrhaben: „Neibn, ihb bin nibbt erkältet! Das gehbt bbieder bbeg. Hatschi!“ Bestimmt nur eine Allergie! In der trügerischen Hoffnung, dass es diesmal schneller geht, bis die lästige Attacke nachlässt, schüttet man sich literweise heiße Zitrone in den Rachen, wahlweise mit Kurkuma, japanischem Pfefferminzöl oder meinetwegen auch waffengrädigem Uranium-235 angereichert. Schmeckt jetzt sowieso alles gleich. Oder Salbeitee mit Schnaps, der je nach Leidensdruck in Schnaps mit Salbeitee übergeht. Die Handtasche mutiert zum Feuchtbiotop für tausend angeschnäuzte Tüchlein, an denen das Robert-Koch-Institut seine helle Freude hätte. Bloß nicht ins Bett legen, sonst wird man wirklich noch krank!

Niesattacken und Triefnase sind lästig genug, doch muss einen der Körper ausgerechnet jetzt auch noch mit Karnickelaugen und Glühbirnennase sabotieren? Soll ein abschreckendes Äußeres – als Selbstschutzmechanismus der Natur – weitere Bazillen und Viren in die Flucht schlagen? Oder nur die lieben Mitbürger dazu bewegen, gefälligst Abstand zu halten? Im Bus erntet man statt mitleidiger Blicke nun eher bitterböse: Kann dieses Bazillenmutterschiff nicht einfach zuhause bleiben? Ich räche mich mit einem dreifachen Niesanfall und die Mörderblickewerfer ziehen rasch den Kopf ein. Mittlerweile bin ich so schlimm dran, dass nur noch die Katze mit mir ins Bett will. Also... vielleicht doch bloß eine Katzenallergie?
Weg mit dem Selbstmitleid, jetzt ist positives Denken gefragt: Ich bin völlig gesund, mir geht’s von Tag zu Tag besser! Zur Vorsicht darf trotzdem die Klorolle mit aufs Kopfkissen...  Vom aufrecht schreitenden Homo Sapiens zum zähfließenden primordialen Schleimbeutel zurückmutiert, hilft irgendwann nur noch ein Wannenbad, am Besten knapp unter dem Siedepunkt. Und während ich im mentholdampfenden Hexenkessel bibbernd meine Gänsehaut bestaune, sickert es langsam – gaaanz langsam – ins Bewusstsein ein: Mist, nun hat‘s mich wohl doch erwischt!

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