Hatzfelder St.-Wendelin-Kirche sanierungsbedürftig

HOG Hatzfeld, Stadtverwaltung und Pfarre für gemeinsames Bestreben

Mittwoch, 12. August 2015

Der Festgottesdienst anlässlich des 18. Hatzfelder Stadtfestes wurde vom Temeswarer Generalvikar Johann Dirschl zelebriert.
Foto: Theophil Soltesz

Die St.-Wendelin-Kirche in Hatzfeld steht nicht unter Denkmalschutz.
Foto: Sergiu Dema

„Wir wollen gemeinsam mit der Stadtverwaltung Hatzfeld, dem Pfarramt und der HOG unsere Heimatkirche restaurieren“, sagt Josef Koch, der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Hatzfeld/Jimbolia. „Es ist schon sehr viel geschehen, beginnend mit dem Dach und mittlerweile wird auch an der Außenfront sehr fest gearbeitet. Trotzdem braucht man noch sehr viel Geld“, fügt Koch hinzu, denn die Sanierung der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Wendelin in Hatzfeld ist noch lange nicht bendet.

Die Renovierungsarbeiten am Sakralbau in der Hatzfelder Innenstadt haben 2013 mit der Dachsanierung begonnen. Drei Förderer - jeder mit einem Beitrag von 10.000 Euro – haben sich dafür eingesetzt: die HOG Hatzfeld, die Stadtverwaltung und die römisch-katholische Pfarrei ebenda. Zurzeit wird an der Sanierung der Kirchenfassade gearbeitet, die bis zu etwa 30 Prozent fertiggestellt ist. Und erste Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen.

Außer den Arbeiten an der Außenfront steht noch der Innenputz an. Dass dieser dringend notwendig ist, zeigen die freigelegten Ziegeln in der unteren Hälfte des Mauerwerks, die auf den ersten Blick in das Kircheninnere zu erkennen sind. Die Sanierung des Innenraums kann aber erst nach Abschluss der Außenarbeiten beginnen. Wann dies stattfinden soll, ist noch ungewiss, so der Hatzfelder römisch-katholische Pfarrer Davor Lucacela. „Über 3.000 Quadratmeter Außenputz sind das“, erklärt der Priester. Ein wesentlicher Punkt war die Entwässerung der gesamten Kirche, betont Lucacela, sichtbar zufrieden mit dieser Leistung. In einer Gegend, wo die Bauten stark von Feuchtigkeit befallen sind, ist das ein Muss. Die Entwässerungsarbeiten an der Hatzfelder Stadtpfarrkirche konnten mithilfe einer Spende von 10.000 Euro vonseiten des Landwirts Erwin Zappe aus Hatzfeld zustande kommen.

28.700 Euro stellte die HOG Hatzfeld bislang für die Renovierungsarbeiten an der Stadtpfarrkirche in der „alten Heimat“ zur Verfügung. Auch ein neues Kirchenfenster in Wert von 2.000 Euro hat die HOG Hatzfeld für die Kirche gestiftet. Das in Temeswar hergestellte Glasfenster wurde unlängst im Rahmen einer feierlichen Messe innerhalb des 18. Hatzfelder Stadtfestes eingeweiht. Für die Sanierung der Kirche überwies auch die Merkel-Stiftung aus Deutschland 7.500 Euro, führt Lucacela an, der sehr präzise über alle Geldspenden in seinem Pfarramt Buch führt.

„Wir sind dem Hatzfelder katholischen Pfarrer Davor Lucacela sehr dankbar, weil er sich dieser Aufgabe angenommen hat“, so der HOG-Vorsitzende. Laut Aussagen des Stadtpfarrers wären noch 20.000 Euro notwendig, um die Restaurierungsarbeiten an der Kirchenfassade zu beenden. Er erwähnt auch, dass das Bürgermeisteramt Hatzfeld in diesem Jahr erneut eine Zuwendung für die Sanierungsarbeiten zugesichert habe. Der finanzielle Beitrag der römisch-katholischen Kirche umfasst auch die Spenden der Mitglieder der Hatzfelder Glaubensgemeinschaft, darunter die der Landwirte Tibi Casa, Georg Rakoczi und Oswald Zachari.

Hatzfelder römisch-katholische Kongregation schrumpft

Seit März 2013 hat Davor Lucacela die Seelsorge in der römisch-katholischen Pfarre Hatzfeld übernommen. In sieben Kirchen hält er Gottesdienste ab: in der Stadtpfarrkirche in Hatzfeld und in der Kirche in Futok, dem nordwestlichen Stadtteil Hatzfelds, sowie in den Kirchen in Ketscha/Checea, Tschene/Cenei, Gertianosch/Cărpiniş, Großjetscha/Iecea Mare und Ostern/Comloşu Mic. In der letztgenannten Temescher Ortschaft hat ebenfalls die Sanierung der römisch-katholischen Kirche begonnen. Die dazu notwendigen Fonds wird das Staatssekretariat für Kulte beisteuern.

In Hatzfeld steht Davor Lucacela einer Glaubensgemeinschaft von 2.000 Personen vor, davon 30 Deutsche, 100 Rumänen, 800 Roma und 1070 Ungarn. Dass die Gemeinde nur noch 30 deutsche Mitglieder zählt, ist längst kein Wunder mehr, denn in Hatzfeld leben - laut dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen ebenda, Hans Jirkowski - nur noch 100-110 Deutsche, die meisten davon im fortgeschrittenen Alter. 70 Bestattungen und elf Taufen im Jahr bezeugen den starken Rückschritt der hiesigen Gemeinde, was dem Hatzfelder Priester Besorgnis bereitet. Trotzdem fanden sich in diesem Jahr 40 Kinder bei der Erstkommunion und 35 Kinder bei der Firmung ein, die innerhalb des Festgottesdienstes anlässlich des Hatzfelder Stadtfestes veranstaltet wurde.

Zur Tätigkeit des Seelsorgers gehören auch die zwei Religionsstunden, die Lucacela wöchentlich im neu sanierten Religionsraum der Kirche und in der Hatzfelder Schule abhält. „Mit sehr viel Geld und Fingerspitzengefühl wurde der Raum so hergerichtet, dass es wirklich eine Freude ist, auch nur hereinzuschauen. Es bereitet richtig Herzklopfen, so wunderschön ist der Saal“, sagt Josef Koch mit bewegter Stimme. „Besonders interessant ist das Bild an der Frontseite: ein Riesenbild, ungefähr 4x5 Meter groß, von einer Hatzfelder Kirchweih aus den 1970er Jahren, eine wunderschöne Kirchweihszene“, schwärmt der HOG-Vorsitzende.

2016: Kirche St. Wendelin feiert 250-Jahre-Jubiläum

„Das Kirchenfest wird am 20. Oktober gefeiert“, so Davor Lucacela. Dies, da die römisch-katholische Stadtpfarrkirche in Hatzfeld dem Heiligen Wendelin geweiht ist. Der Sakralbau kann dem romanischen Baustil zugeordnet werden, auch wenn einige architektonische Elemente diesem nicht entsprechen (A.P. Petri, „Heimatbuch des Heidestädtchens Hatzfeld im Banat“). Das erste hiesige römisch-katholische Gotteshaus wurde 1766 anlässlich der Niederlassung der eingewanderten Banater Schwaben in den Ortschaften Hatzfeld und Landestreu errichtet. Die ursprüngliche Kirche wurde allmählich zu klein für die zunehmende Glaubensgemeinschaft. So fand 1876 eine Erweiterung und die komplette Sanierung des Baus statt. 1911 wurde der Turm auf 41 Meter, beziehungsweise 45 Meter, falls das Kreuz auf der Kirchturmspitze mitgerechnet wird, erhöht.

Der dem Hl. Wendelin geweihte Hauptaltar stellt ein Madonnenbild dar; die Madonnengestalt mit dem Jesukind auf dem Arm wird vom Hl. Wendelin rechts im Bild angebetet. Das Gemälde ist von Pállik Bé(la) signiert und 1877 datiert. Vier Seitenaltäre schmücken noch den Kircheninnenraum: der Matthäus-Altar, der Nepomuk-Altar, der Maria-Altar und der Herz-Jesu-Altar. Der aus Marmorstuck angefertigte Nepomuk-Altar entstammt der Kapelle des Csekonics-Schlosses und wurde in den 1930er Jahren, als die ehemalige Residenz des Grafen geschleift wurde, in der Stadtpfarrkirche aufgestellt.

Die ursprüngliche Orgel in der St.-Wendelin-Kirche wurde mit einer Orgel der Firma Leopold Wegensteins Söhne in Temeswar ersetzt. Im Mittelschiff des Kirchenbaus befand sich ein Werk des Malers Stefan Jäger, eine Spende der Hatzfelder Gymnasialschüler des Jahrgangs 1921-1924, das eine biblische Szene, den „Heimkehrenden Jüngling“, darstellt. „Nach der Restaurierung wurde das Bild als Leihgabe dem ´Stefan Jäger´-Museum in Hatzfeld übergeben“, schließt der Stadtpfarrer.

 

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