Hausdurchsuchungen bei Parteiensponsoren

Verdacht auf Fälschung, Steuerhinterziehung und Geldwäsche

Mittwoch, 16. Juli 2014

Reschitza - Der Karasch-Severiner Bauunternehmer Ion Bejeriţă und der Forstunternehmer und Grundstücksspekulant Axente Obrejan, genannt Arabela, sind gegenwärtig im Visier der Staatsanwälte des Hohen Kassations- und Justizhofs ÎCCJ sowie der Polizisten der Direktion zur Untersuchung von Veruntreuungen im Rahmen des Generalinspektorats der Rumänischen Polizei, IGPR. In der Nacht von Montag auf Dienstag sind bei ihnen Hausdurchsuchungen und Durchsuchungen ihrer Firmensitze durchgeführt worden. Bis zur Stunde der Niederschrift dieses Berichts sind die Resultate und Folgen der Staatsanwalts- und Polizeiaktion noch nicht bekannt gegeben worden. Laut dem ursprünglichen Kommuniqué der ÎCCJ-Staatsanwälte wurden neun Wohnungen und Firmensitze aufgrund eines Verdachts auf Steuerhinterziehung durchsucht. Ion Bejeriţă und Axente Obrejan, genannt Arabela, werden verdächtigt, Steuerhinterziehung, Fälschungen offizieller Geschäftsdokumente und Geldwäsche betrieben zu haben.

„Es gibt den begründeten Verdacht, dass die beiden Geschäftsleute in der Zeitspanne 2009 – 2014 in den Buchhaltungen ihrer Firmen Dokumente über fiktive Geschäftsabwicklungen registriert und den Staat um geschätzte fünf Millionen Lei betrogen haben“, heißt es im bisher einzigen Kommuniqué der Staatsanwaltschaft zu dieser Causa. Brisant wird der Fall, wenn man das Umfeld und den Bekanntenkreis der beiden Verdächtigten kennt: Der Bauunternehmer Ion Bejeriţă ist ein Intimus des PSD-Abgeordneten und -Westrumänienverantwortlichen sowie Vizepräsidenten des Verteidigungsausschusses der Abgeordnetenkammer, des Karansebeschers Ion Mocioalcă (er selber einer der größten Forstunternehmer im Banater Bergland). Bejeriţă ist auch Vizepräsident der PSD Karasch-Severin, während der Forstunternehmer Axente Obrejan als Intimus des Stellvertreters von Sorin Frunzăverde bei der Kreisratspräsidentschaft, des Forstbesitzers und -unternehmers und PNL-Vizepräsidenten auf Kreisebene, Ionesie Ghiorghioni, gilt.

Zudem ist Obrejan auch derjenige, der von Iosif Armaş, dem zwielichtigen ehemaligen PSD-Abgeordneten und Schwiegersohn des Ceauşescu-Leibarztes Iulian Mincu (derselbe, welcher die zynischen „Richtlinien zur rationellen Ernährung der Bevölkerung” ausarbeitete, die Grundlage des Ticketsystems für den Kauf von Grundnahrungsmitteln in der Ceauşescu-Zeit), den historischen Teil des Badekurorts Herkulesbad sowie das Gelände des Flughafens Karansebesch abgekauft hat. Und aus dieser Richtung scheinen auch die ersten Tipps für die ÎCCJ-Staatsanwälte gekommen zu sein, denn der aus dem Raum Mehadia stammende Iosif Armaş (ein ehemaliger Kellner und Bodyguard des Herkulesbader Hotels „Roman“) befindet sich in einem anderen großen Betrugsfall in Untersuchungshaft, dem Fall des Versicherungsbetrügers Adamescu. Andere Hinweise scheinen aus den Verhören des inzwischen auf sein endgültiges Urteil wartenden ehemaligen Bürgermeisters von Glimboca und von Ferdinandsberg zu kommen, des „Kaisers des Bistratals“ Iancu Simion-„Simi“, eines weiteren ehemaligen Frunzăverde und Ghiorghioni-Vertrauten, der engste Beziehungen zu „Arabela“ pflegte.

Der PSD-Mann Bejeriţă und der PNL-(vormals PDL-)nahe Obrejan gelten im Banater Bergland als wichtige Geldspender ihrer Parteien und auch als extrem gut informiert in Sachen der Planung von (öffentlich finanzierten) Kreisratsprojekten. Die Öffentlichkeit des Banater Berglands spekuliert gegenwärtig auch über die Intensität der Nähe der beiden Unternehmer zum geschäftsführenden Direktor der Verwaltungsdirektion öffentlicher und privater Liegenschaften des Kreisrats Karasch-Severin, Ianăş Roşeţi, der auf der ordentlichen Kreisratstagung kommenden Freitag suspendiert werden soll, weil er sich in der Untersuchungshaft der DNA-Staatsanwälte in Temeswar befindet und ihm Korruption in der Vergabe von mit öffentlichen Geldern finanzierten Aufträgen des Kreisrats vorgeworfen wird. Das Vorgehen der ÎCCJ-Staatsanwälte und der IGPR-Polizisten „erfreut sich der technischen und informativen Unterstützung des Rumänischen Nachrichtendientes SRI“ heißt es im zitierten Kommuniqué.

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