Haushaltsmüll vor Sitz des Kreisrates kippen

60 Temescher Ortschaften von Einstellung der Müllabfuhr betroffen

Samstag, 09. Februar 2019

Temeswar (ADZ) – Seit mehreren Tagen wird in weiten Teilen des Kreises Temesch der Haushaltsmüll durch die zuständigen Unternehmen nicht mehr eingesammelt. Betroffen sind die Kleinstädte Detta/Deta, Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare, Fatschet/Făget und die Gemeinden in ihrem Umland. Insgesamt handelt es sich um etwa 60 Ortschaften, wo der Müll seit voriger Woche liegen geblieben ist.

Das Müllentsorgungsunternehmen Brai Cata, das von dem mehr schlecht als recht funktionierenden gesetzlich vorgeschriebenen Abfallentsorgungsverband (ADID) per Ausschreibung ausgewählt wurde, soll mindestens 800.000 Lei Schulden bei Polaris, dem Betreiber der Zwischendeponie Hatzfeld/Jimbolia, angehäuft haben, so dass dieser keinen von Brai Cata gesammelten Müll mehr annehmen will. Auch gegenüber dem Temeswarer Unternehmen Retim habe die Firma Schulden angehäuft, so dass auch die Anlage von Giseladorf/Ghizela nicht mehr in Frage kommen kann. Die Müllautos seien voll, können jedoch nirgend-wo mehr entladen werden.

Die Arbeitnehmer der quasi unbekannten Firma sind, so der Dettaer Bürgermeister Petru Roman der Temeswarer Presse gegenüber, in den Zwangsurlaub geschickt worden. Seit November hatten sie ihre Löhne nicht mehr erhalten. Das Unternehmen hatte mit den Bürgern in Detta die Müllentsorgungsverträge nicht erneuert und nicht einmal die fälligen Gebühren von der Bevölkerung einkassiert.
Ähnlich sei die Lage auch in Großsanktnikolaus, im Umfeld der 13.000 Einwohner großen Stadt seien noch weitere 11 Ortschaften betroffen. Der Bürgermeister von Großsanktnikolaus, D²nu] Groza, will sich währenddessen mit den Bürgermeistern der Nachbarorte beraten und ihnen die Gründung einer GmbH vorschlagen, die im gesamten Raum Großsanktnikolaus für die Müllentsorgung aufkommen soll. Auf den ADID-Verband sei kein Verlass, er werde die Auflösung des Vertrags mit dem Verband fordern, ADID trage die gesamte Schuld an der Misere, sagte Groza. Man müsse auch gerichtliche Schritte gegen ADID prüfen, setzte der Bürgermeister von Großsanktnikolaus fort. Letztendlich werde er ein paar volle Müllautos nach Temeswar fahren lassen, damit diese ihre Ladung vor den Sitz des Temescher Kreisrates kippen, drohte Groza. Im Osten des Kreises ist es ähnlich, der Fatscheter Bürgermeister, Marcel Avram, bestätigte seine Amtskollegen aus Detta und Großsanktnikolaus, auch dort habe das Unternehmen Brai Cata die Einsammlung von Haushaltsmüll eingestellt. Allein eine einseitige Vertragskündigung komme in Frage, sagte Avram.

Für gestern war die ADID-Vollversammlung anberaumt, doch die Probleme des Verbands hängen nicht nur mit der finanziellen Schieflage eines Müllentsorgungsunternehmen zusammen, sondern auch mit dem Krach innerhalb des ALDE-Kreisverbands. Stancu wurde gerade von dem ALDE-Kreisverbandsvorsitzenden Marian Cuc{a aus der Partei ausgeschlossen, so dass er seinen Posten als stellvertretender Kreisratsvorsitzender und implizit auch den als ADID-Leiter verlieren wird. Stancu, dem Cucşa unter anderem auch die ADID-Misswirtschaft vorwirft, geht gerichtlich gegen seinen Parteiausschluss vor.

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